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Deutsche Riege gewinnt kurz vor dem Abflug zur WM einen Vier-Länder-Kampf in Rüsselsheim

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Bei den Weltmeisterschaften in Doha wollen die deutschen Turnerinnen ins Teamfinale. Bei der Generalprobe klappt nicht alles.

Sarah Voss weiß, was sich gehört. Als der Rest der deutschen Kunstturnerinnen-Riege sich nach der Siegerehrung des mit 160,20 Punkten gewonnenen Vier-Länder-Kampfs gegen Italien (156,55), die Schweiz (155,00) und Frankreich (154,80) am Samstag in Rüsselsheim schon zum Ausmarsch bereit machte, drehte sich die 18-Jährige noch einmal um 180 Grad um die Längsachse. Die Kölnerin wollte auch denjenigen unter den 1800 Zuschauern in der ausverkauften Großsporthalle noch mit dem überreichten Blumenstrauß zuwinken, die auf der anderen Seite der Tribüne saßen. Erst nach einer Weile taten es auch die Routinierteren im Team der jüngsten für die Weltmeisterschaften Ende des Monats in Doha nominierten Vertreterin des Deutschen Turner-Bundes (DTB) nach und ließen sich begeistert bejubeln.

Der erfolgreiche Auftritt in Hessen stellte für die Mannschaft von Bundestrainerin Ulla Koch den letzten Test vor dem Großereignis dar. An diesem Montag treffen sich die dafür Auserwählten noch einmal für ein paar Vorbereitungstage in der Frankfurter Otto-Fleck-Schneise, bevor sie den Abflug in Richtung Katar machen. Dort geht es für die ohne die verletzte Schwebebalken-Weltmeisterin Pauline Schäfer startenden Olympiasechsten vor allem um den erneuten Einzug ins Teamfinale.

Bei den Europameisterschaften im August in Glasgow wurde dieser nach zu vielen Fehlern verpasst. Die jüngsten Vorträge waren ebenfalls nicht überzeugend. Ausgerechnet am Stufenbarren, wo die Stuttgarterin Elisabeth Seitz als Medaillenkandidatin gilt, mussten sowohl sie als auch die Olympiadritte Sophie Scheder absteigen. Am Balken fanden sich neben der erneut patzenden Seitz zudem WM-Ersatzturnerin Carina Kröll sowie Kim Bui, die mit 52,55 Punkten dennoch die Einzelwertung gewann, vorzeitig auf dem Boden wieder. Dass es trotzdem zum Tagessieg reichte, lag auch daran, dass die Französinnen ein starkes Trio zu Hause gelassen hatten und der Schweiz Topathletin Giulia Steingruber nach einem Kreuzbandriss nicht zur Verfügung steht.

Die Cheftrainerin wollte sich eine mögliche Enttäuschung nicht anmerken lassen. „Das Team hat sich supergut präsentiert“, betonte die Bergisch Gladbacherin. Vor allem am Boden sei es stark gewesen, und das Missgeschick der bei der WM wohl einzigen deutschen Mehrkampfstarterin Seitz an den Holmen sei bei einer neuen Verbindung passiert.

Dennoch müsse die Aufmerksamkeit in der verbleibenden Zeit auf der Stabilität der Übungen liegen. Und auf den Kleinigkeiten, die die Turnerinnen zuletzt mit sogenannten Development Coaches erarbeitet haben. Etwa mit der kanadischen Balkenspezialistin Carol Ann Orchard, die die Blicke der Athletinnen auf dem zehn Zentimeter schmalen Grat schon seit ein paar Jahren auf die bessere Balance verheißenden Stellen lenkt.

Auch die in Frankfurt geborene Voss, die erste Überschläge in Wetzlar lernte, hat davon profitiert und beim Länderkampf die dritthöchste Note geliefert. Ihren bislang größten Erfolg feierte sie allerdings am Sprung, wo sie bei der EM in Schottland als Vierte die beste deutsche Platzierung erzielte. Obwohl ihr der Jurtschenko mit Doppelschraube diesmal nicht optimal gelang – wie man sich richtig feiern lässt, hat sie spätestens da gelernt.

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