Daumen hoch: Hugo, Clemens und Charlie (von links) bei der Übergabe der gesammelten Sachen an die Diakonie. FOTO: privat
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Daumen hoch: Hugo, Clemens und Charlie (von links) bei der Übergabe der gesammelten Sachen an die Diakonie.

Weihnachten

Die jungen Samariter von der Horlache

  • VonDr. Daniela Hamann
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Wie die Brüder Hugo und Charlie eine beispiellose Aktion starteten

Rüsselsheim -Er wolle nicht mehr mit ihr einkaufen gehen. Denn den obdachlosen Mann vor dem Supermarkt zu sehen, habe ihn sehr traurig gemacht. Das sagte der sieben Jahre alte Hugo aus Rüsselsheim zu seiner Mutter Nadine vor nicht allzu langer Zeit, als sie mit ihm und seinem kleinen Bruder Charlie (vier Jahre alt) nur noch ein paar Besorgungen machen wollte. Nadine Özkol erinnert sich: "Wir hatten den Mann beim letzten Einkaufen gesehen und meine Jungs haben nur nach ihm gefragt, dann aber nichts mehr dazu gesagt. Die Reaktion ein paar Tage danach hat mich schon sehr überrascht."

Damit nicht genug. Nachdem die Mutter das Schicksal des Mannes mit den Kindern weiter vertiefte, kam Hugo auf eine Idee: Er wolle eine Spenden-Aktion für die Obdachlosen in der Stadt starten. Gesagt, getan. "Freitags haben meine Jungs das beschlossen. Wir haben dann einen Flyer erstellt und bei unseren Nachbarn in der Horlache eingeschmissen."

60 Zettel bei Nachbarn verteilt

Etwa 60 Zettel haben die Mutter und ihre Söhne verteilt. Darauf stand geschrieben: "Haben Sie Schlafsäcke, Isomatten, dicke Socken, dicke Decken, verschließbare Thermosbecher, Thermoskannen, Dosensuppen, Kaffee, Tee, Zucker oder Pflaster? Wir kommen am Sonntag (5.12.) mit unserem Bollerwagen bei Ihnen vorbei und sammeln die Sachen ein!"

Zuvor hatte Mutter Nadine mit der Leitung der Auffangstation für Obdachlose der Diakonie Rüsselsheim genau abgesprochen, was dringend benötigt wird. Auf den Flyer hatten schon bald zehn Nachbarn reagiert. Mit dem Bollerwagen machten sich die Jungs - mit dabei war auch Hugos Freund Clemens - auf den Weg durch die Nachbarschaft. Dabei zogen sie die Aufmerksamkeit weiterer Kinder auf sich und die Gruppe wurde immer größer.

Auch das hatten die Initiatoren der Aktion auf dem Flyer angekündigt: Neben dem Einsammeln der Spenden, bauten die Kinder mit ihren Eltern am Nachmittag auch einen Weihnachtsstand auf, an dem sie Plätzchen und selbstgebastelte Dekoration verkauften.

"Plötzlich kamen alle Nachbarn aus ihren Häusern und versammelten sich rund um unseren Stand vor dem Haus. Sie hatten ebenfalls Spenden dabei und es war ein wenig wie auf einem klitzekleinen Weihnachtsmarkt", so Mutter Nadine. Wolfgang Bandt war einer dieser Nachbarn. Bandt sagt: "Ich fand das Engagement der Kinder so toll. Es hat mich wirklich bewegt. Wir haben auch selbst etwas gespendet."

Socken, Isomatten und Bargeld

Insgesamt übergaben die Nachbarn von Hugo, Charlie und Freund Clemens den Kindern sechs Säcke voll mit Decken, Socken und Kleidung, sechs Isomatten, zwei Umzugskisten voll mit Tee, Kaffee, Zucker und Pflaster, 15 Thermoskannen und zehn Thermosbecher. Durch den Verkauf von Plätzchen und Deko nahmen die Kinder zudem 150 Euro ein. Voller Stolz fuhren Kinder und Eltern dann mit dem vollgepackten Auto zur Unterbringung für Obdachlose der Rüsselsheimer Diakonie und übergaben zunächst nur einen Teil der Spenden. Nicht alles passte ins Auto. "Den Rest und auch das Geld wollen wir noch übergeben", sagt Mama Nadine. Die Jungs würden ihre Aktion am liebsten gleich wiederholen. "Bei uns in der Familie haben wir Spenden schon immer thematisiert. Nun, da Hugo und Charlie gesehen haben, wie toll das funktioniert, wollen sie weiter möglichst viel dafür tun, dass es anderen Menschen besser geht." Daniela Hamann

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