Klares Bekenntnis - "I love Gelato" ("Ich liebe Eis") steht auf seinem T-Shirt: Demisde Cesero. Foto: rko
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Klares Bekenntnis - "I love Gelato" ("Ich liebe Eis") steht auf seinem T-Shirt: Demisde Cesero.

Gastronomie

Die Kugel rollt wieder

In seiner Eisdiele freut sich Demisde Cesero über den Sommer und endlich zurückkehrende Gäste

Rüsselsheim -Die erste große Hitzewelle ist abgeklungen. Aber die Temperaturen sind immer noch hoch genug, um sich mit einem leckeren Eis zu erfrischen. Eine ältere Frau bestellt bei Demisde Cesero in seinem Eiscafé Venezia einige Becher der gefrorenen Süßspeise. Er füllt sie mit Vanilleeis, Schokoladeneis und anderen Sorten.

Schließlich fragt die Seniorin noch, wie das Gerät heißt, aus dem man kleine Schlangen herausdrücken kann. Ah, das Gerät für Spaghettieis, merkt Cesero. Eigentlich ist das Gerät nur eine Presse. Auch so entstehen Gespräche an der Eisdiele.

Cesero ist weitgehend zufrieden. Die Kunden seien gut gelaunt und freundlich, sagt er. Die Arbeit bereite ihm Freude, auch wenn es heiß und anstrengend ist. Grundsätzlich liebt er seinen Beruf.

Cesero produziert sein Eis selbst. Von 8 bis 12 Uhr stellt er täglich bis zu 75 Liter Eis her. Das entspricht bis zu 15 Behältern. "Die sind am Abend leer", berichtet er. Im Moment sei er deshalb zufrieden mit dem Umsatz.

Umsatz ist bitter nötig

Den Umsatz hat er aber auch bitter nötig. Seine Corona-Chronologie: Im vergangenen Jahr war das Eiscafé zunächst einen Monat geöffnet. Von Mitte März bis Mitte April war dann zu. Dann lief der Straßenverkauf, die Tische durfte er von Juni an stellen. Ab Mitte Oktober musste er wieder schließen. Seine Saison endet eigentlich erst Ende Oktober. Seit Mitte Februar ist das Eis-Café wieder geöffnet. Geplant war Ende Januar. Seit Juni läuft auch der Betrieb draußen an den Tischen.

Das ganze Hin und Her - Schließung, der Betrieb über den Straßenverkauf, aber nicht an den Tischen, der Service an den Tischen, aber nur mit Schnelltest - tat seinem Umsatz nicht gut, schildert Cesero.

Über den Straßenverkauf freue sich die Laufkundschaft. Aber Kunden, die sich am Vormittag oder am Nachmittag mit Freunden und Bekannten regelmäßig ihren Kaffee und den Eisbecher am Tisch gönnen wollen, kämen eben nicht an das Fensterchen, um sich nur eine Kugel Eis schmecken zu lassen. Und wer lasse sich schon für eine Tasse Kaffee auf Corona testen, fragt Cesero. Erst seit kein Schnelltest mehr für die Außengastronomie notwendig sei, kämen seine Kunden sukzessive zurück.

Weil er im Winter sein Eiscafé für drei bis vier Monate geschlossen hat und diese Zeit in Italien in Cortina d'Ampezzo verbringt, ist er auf einen gewissen Umsatz angewiesen. Dort hilft er nur gelegentlich in der Pizzeria eines Freundes aus. Zumindest habe er die Überbrückungshilfe erhalten.

Derzeit öffnet Cesero sein Café um 12 Uhr. Erst wenn für die Innengastronomie kein negativer Schnelltest mehr notwendig sei, werde er wie gewohnt am Vormittag öffnen.

Abwechslung auf der Karte

Seine Lebensgefährtin Cristina Gageanu nimmt unterdessen die Bestellung von zwei Frauen auf. Sie möchten zwei Eis-Schokoladen trinken. Schokoladen-Eis gehört mit Vanille- und Stracciatella-Eis zum Standardprogramm. Cesero bietet seinen Kunden aber auch gerne eine Abwechslung. In seinem Kühlfach befinden sich deshalb auch Limoncello- und Bergamotte-Eis.

Seine neuesten Sorten sind Kinderriegel- und Popcorn-Eis. Das Popcorn-Eis produziert Cesero tatsächlich aus Mais, den er mit Milch vermischt. Die Idee hatte sein Cousin, der in Euskirchen ebenfalls Eis selbst herstellt. Im Trend lägen derzeit Kinderriegel-Eis, Cookies, Stracciatella und Bergamotte, so die Erfahrung von Cesero.

Dass für manche Leute der Preis von 1,30 Euro für die Kugel Eis viel Geld ist, weiß er. Gerade in Zeiten von durch die Coronapandemie bedingter Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit. Aber er produziert beispielsweise sein Vanille-Eis aus echten Vanilleschoten und das Pistazien-Eis aus reinen Pistazien. "Die Qualität muss bezahlt werden", wirbt Cesero um Verständnis. Rüdiger Koslowski

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