Das leerstehende Ladengeschäft an der Frankfurter Straße soll bald wieder kulturell genutzt werden. Foto: Ittmann
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Das leerstehende Ladengeschäft an der Frankfurter Straße soll bald wieder kulturell genutzt werden.

Immobilien

Die Ortsmitte kulturell beleben

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Künstlervereinigung Malkasten ist an Ladengeschäft interessiert

Rüsselsheim -Das leerstehende Ladengeschäft in der Frankfurter Straße soll wieder ein Ort für Kulturschaffende werden. Das bekräftigte Oberbürgermeister Udo Bausch (parteilos) jüngst im Kulturausschuss. "Wir haben um die Immobilie gekämpft und wollen keinen Leerstand", sagte er. Die Stadt plane, die Räumlichkeiten anzumieten. Deshalb verhandle man gerade mit dem privaten Eigentümer. Kommt es zu einer Einigung, soll das Ladengeschäft wieder von Künstlern genutzt werden. Bürgermeister Dennis Grieser (Grüne) teilte mit, die Kultursteuerung sei mit verschiedenen Akteuren in Kontakt getreten, darunter der Verein Malkasten und der Kunstverein Rüsselsheim.

Die Räumlichkeit solle kein Verein exklusiv bespielen, aber jemand müsse federführend dafür verantwortlich sein. Hierfür kommt insbesondere der Malkasten in Betracht. In dem Ladengeschäft hatte der Verein zuvor neun Jahre lang seine Kunstwerke ausgestellt, bis er Ende 2020 ausziehen musste, weil der Eigentümer andere Interessenten für die Immobilie gefunden hatte.

Die Künstlervereinigung Malkasten fand ein neues Zuhause im Pavillon am Europaplatz. Dort fühle man sich durchaus wohl, sagt erste Vorsitzende Renate Sajnovits. "Das Rondell hat einen besonderen Charakter, die Schaufensterfläche ist schön groß." In den vergangenen Wochen und Monaten haben die Mitglieder viel Arbeit in den Pavillon investiert - das Schaufenster und das Innere ansprechend gestaltet sowie die Beleuchtung installiert. Dennoch sei man weiterhin am Ladengeschäft in der Frankfurter Straße interessiert, so Sajnovits. Als die Stadt mit ihrem Anliegen auf den Malkasten-Vorstand zugegangen war, seien die Mitglieder sehr erfreut gewesen. "Es ist ein Vertrauensbeweis und wir wollen das Beste daraus machen, sagt die Vorsitzende.

Nur wenig Laufkundschaft

Im Gegensatz zum Pavillon am Europaplatz müsse der Verein für die Nutzung der Räumlichkeiten an der Frankfurter Straße keine Miete zahlen. Ein weiterer Vorteil: Die Ausstellung im Rondell werde nur wenig von Passanten wahrgenommen. Sajnovits wünscht sich, dass mehr Menschen vor dem Schaufenster stehenbleiben und einen Blick ins Innere werfen. Das könnte mit dem Ladengeschäft an der Frankfurter Straße zwischen dem Modegeschäft Junginger und dem gerade im Bau befindlichen Wohn- und Geschäftshaus auf dem früheren Karstadt-Areal bald der Fall sein.

Die Künstlervereinigung könne sich gut vorstellen, die Räume federführend zu bespielen, wie Bürgermeister Grieser im Kulturausschuss angedeutet hatte. "Wir wollen mit anderen Vereinen und Einzelkünstlern kooperieren, nicht nur in der bildenden Kunst, sondern auch Musik und Literatur", zeigt sich die Vorsitzende offen für einen kulturellen Ort, an dem verschiedene Kunstrichtungen zusammenwirken. Eine Kooperation mit dem städtischen Eigenbetrieb Kultur 123 sei ebenfalls denkbar. Nachwuchskünstler und Stipendiaten in Kunst und Kultur sollen sich genauso in den Räumen präsentieren dürfen wie etablierte Kunstschaffende. Der Malkasten habe bei der Stadt bereits ein entsprechendes Nutzungskonzept abgegeben, über das der Magistrat und die Stadtverordneten noch entscheiden müssen.

Sollte der Verein tatsächlich wieder die Räume an der Frankfurter Straße beziehen, bedeute dies nicht, dass die Mitglieder den Pavillon am Europaplatz aufgeben. Einige Veranstaltungen im Kultursommer und an den Tagen des offenen Ateliers seien dort bereits fest geplant, teilt Sajnovits mit. Außerdem stehe immer noch die offizielle Eröffnung der neuen Wirkstätte an, die durch die Corona-Pandemie verschoben werden musste.

Bewährte Zusammenarbeit

Der Kunstverein Rüsselsheim habe dem Kulturdezernat bereits mitgeteilt, dass kein Interesse am Ladengeschäft bestehe, berichtet Karl-Heinz Becker. "Wir sind im Stadt- und Industriemuseum sehr gut aufgehoben", sagt der erste Vorsitzende. Dort nutzt der Verein Veranstaltungs- und Ausstellungsräume im Nord- und Südflügel des Rüsselsheimer Museums. Die Zusammenarbeit habe sich über viele Jahre bewährt. Die Räumlichkeiten in der Frankfurter Straße eigneten sich weniger für Ausstellungen überregionaler Künstler, kooperative Einzelveranstaltungen seien dort aber durchaus möglich, überlegt Becker.

Noch ist das Stadt- und Industriemuseum Corona-bedingt geschlossen. Karl-Heinz Becker wartet gespannt darauf, dass es bald wieder losgeht, denn die Inzidenz ist im Kreis Groß-Gerau unter die magische 100er-Marke gesunken. Gibt der Kreis den Startschuss, wird für Kulturinteressierte zunächst die Ausstellung "Bengt Fosshag - persönlich" im Stadt- und Industriemuseum zu sehen sein. Die Schau wurde bis 27. Juni verlängert und präsentiert angewandte und freie Arbeiten des bekannten Rüsselsheimer Illustrators aus allen Epochen seines Schaffens.

Hinter den Kulissen bereitet der Kulturverein gemeinsam mit Kultur 123 und dem Stadt- und Industriemuseum die Ausstellung "Lange Tage II" vor, welche die Besucher vom 10. Juli bis 22. August mit dem Thema "Kunst und Krise" konfrontieren wird. "Damit ist unserem kleinen ehrenamtlichen Verein etwas Großes gelungen", ist Becker stolz auf das Projekt, das aufgrund der Pandemie zunächst digital durchgestartet war und nun im Museum gezeigt werden soll. 30 Künstler aus den Bereichen Zeichnung, Malerei, Skulptur, Installation, Fotografie und Musik kommentieren die Krisensituation mit ihren spezifischen Ausdrucksformen. Die bildenden Künstler traten in der digitalen Galerie des Kunstvereins in einen Dialog mit Lyrikern, die sich in ihren Gedichten mit Themen wie Angst und Gefahr, Umbruch und Bedrängnis, aber auch Hoffnung und Widerstehen auseinandergesetzt haben. dit

Ein Blick in das Innere des Pavillons am Europaplatz. Der Verein Malkasten hat sich dort mittlerweile gut eingerichtet. Einer zweiten Ausstellungsstätte wäre die Künstlervereinigung dennoch nicht abgeneigt. Archivfoto: Susanne Rapp

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