Auch privat auf zwei Rädern unterwegs: Martina Lohmeier ist neu an der Hochschule Rhein-Main und forscht zu Alternativen zum Auto. foto: daniela hamann
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Auch privat auf zwei Rädern unterwegs: Martina Lohmeier ist neu an der Hochschule Rhein-Main und forscht zu Alternativen zum Auto.

Verkehr

Die Professorin fürs Fahrrad

  • vonDr. Daniela Hamann
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Es geht um Alternativen zum Auto: Eine Bauingenieurin erforscht an der Hochschule Rhein-Main, wie Radwege künftig aussehen müssen, was für Fußgänger getan werden kann und überhaupt: Wie die Mobilität von morgen gemanagt werden kann.

Rüsselsheim -Martina Lohmeier hat erst vor kurzem einen Lehrstuhl an der Hochschule Rhein-Main übernommen. Und das ist nicht irgendeine Professur. Die promovierte Bauingenieurin ist die neue Fahrrad-Professorin. Tatsächlich ist die Bezeichnung des Lehrstuhls aber ein wenig sperriger: Martina Lohmeier ist genau gesagt seit dem 1. April Professorin für Mobilitätsmanagement und Radverkehr. Die Stiftungsprofessur des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur ist im bundesweit in dieser Form einmaligen Studiengang Mobilitätsmanagement angesiedelt.

Zudem kooperiert die Hochschule Rhein-Main mit der University of Applied Sciences in Frankfurt, der TU Darmstadt sowie der THM Gießen. Obwohl Martina Lohmeier in Hennef (Rhein-Sieg-Kreis) wohnt, ist sie bereits seit 2017 als Lehrbeauftrage an der Hochschule Rhein-Main tätig. Dabei hat sie zunächst nach ihrem Studium bei einer Behörde in Köln gearbeitet.

Sieben Jahre Praxiserfahrung

"Ich habe nach dem Studium erst sieben Jahre lang Praxiserfahrung gesammelt, bis ich dann doch noch promoviert habe", erzählt die gebürtige Dresdnerin. Schnell sei ihr danach klar gewesen, dass sie gerne in die Lehre wollte. Doch dabei hat sie immer das praktische Verständnis ihrer Studierenden im Blick.

Schon als sie die Module als Teil ihres Lehrauftrags unterrichtete, sei sie zu jeder Gelegenheit mit den Studierenden auf die Straße gegangen. "Ich wollte, dass sie sich die Problematiken vor Ort ansehen und dann Lösungen entwickeln."

Beim Unterricht der beiden bisher an ihren Lehrstuhl angeschlossenen Bachelor-Studiengängen Mobilitätsmanagement sowie Umweltmanagement und Stadtplanung in Ballungsräumen möchte Lohmeier diesen Lehrstil auf jeden Fall weiterführen.

Doch worum geht es genau bei ihrer Professur? Kurz gesagt gehe es um die Erforschung und praktische Implementierung alternativer Verkehrsmittel zum Automobil. Eines dieser Alternativen sei eben das Fahrrad. Ziel sei es, auch nach links und rechts zu schauen und zum Beispiel Fußwege attraktiver zu gestalten, um die Menschen so zum Laufen zu animieren.

Politik hat angeklopft

Auch die elektrischen Vespas und Fahrräder von Transportunternehmen gehörten zu den Mobilitätalternativen. Weiter geht es aber auch beispielsweise um Lichtanlagen.

Martina Lohmeier fährt auch privat selbst viel mit dem Fahrrad. Aktuell finden die Vorlesungen zwar zum größten digital statt. Doch bis zum Beginn der Pandemie ist die zweifache Mutter per Bahn und Rad zur Hochschule Rhein-Main gefahren. Ihr Büro und ihr Lehrstuhl ist auf dem Campus in Wiesbaden angesiedelt, doch den Campus in Rüsselsheim hat Lohmeier genau im Blick. Denn die Hochschule hat sich zum Ziel gesetzt, zum fahrradfreundlichen Arbeitgeber zu werden. Dabei wird Lohmeier auch in Rüsselsheim tätig sein. Zudem, so berichtet sie, seien seit der Übernahme des Lehrstuhls bereits viele Personen und Institutionen aus der Politik auf sie zugekommen. Ministerien hätten sich bereits gemeldet, und auch der ADFC habe angeklopft.

Thema ist dabei die angestrebte Mobilitätswende, die zum Beispiel den Ausbau eines Netzes an Schellfahrradwegen im gesamte Rhein-Main-Gebiet beinhalte sowie das veränderte Fahrverhalten durch ältere Radfahrer auf Pedelecs und E-Bikes.

Kooperationen mit Kommunen

Auch Fragen, wie die Infrastruktur aufgerüstet werden müsse und wie Radwege zukünftig aussehen müssten, werde besprochen. Sie erwarte in diesem Zusammenhang, gemeinsam mit den Mitarbeitern des Studiengangs beratend beteiligt zu sein, stellt die junge Professorin fest.

Generell bestünden im Fall des Studiengangs Mobilitätsmanagement ohnehin bereits Kooperationen mit Städten und Gemeinden im Umfeld der Hochschule. Bis zum Wintersemester 2022/23 soll zudem auch ein Masterstudiengang "Nachhaltige Mobilität" an ihren Lehrstuhl angegliedert werden. Dies soll in Kooperation mit den anderen drei Hochschulen in Frankfurt, Darmstadt und Gießen erfolgen.

Sie freue sich sehr auf die Zusammenarbeit mit den Studierenden, so Lohmeier. "Ich möchte mich jetzt in diese Position einfinden und freue mich auf Input und Ideen, die wir dann gemeinsam umsetzten können."

daniela hamann

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