Dirk Rogozinski in seinem Laden "Rogo Haarmode". Er will ab dem 1. März mit seinem Team in zwei Schichten arbeiten. Der Laden sei dann täglich zwölf Stunden lang geöffnet, um den Ansturm abarbeiten zu können. foto: Hamann
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Dirk Rogozinski in seinem Laden "Rogo Haarmode". Er will ab dem 1. März mit seinem Team in zwei Schichten arbeiten. Der Laden sei dann täglich zwölf Stunden lang geöffnet, um den Ansturm abarbeiten zu können.

Gewerbe

Die Telefone stehen nicht mehr still

Die Aussicht auf einen frischen Haarschnitt beflügelt die Salonbetreiber: Rüsselsheimer Friseure können sich vor Terminanfragen für den März kaum retten.

Rüsselsheim -Zwar haben die Bund- und Länderchefs am vergangenen Mittwoch abermals entschieden, den Lockdown zu verlängern und die meisten Geschäfte weiter geschlossen zu lassen. Doch eine Berufsgruppe ist nun ab dem 1. März davon ausgenommen - Friseure.

Nur wenige Minuten nach Verkündigung dieser Nachricht habe ihr Telefon damit begonnen, fast ununterbrochen zu klingeln und ihr E-Mail-Postfach habe sich seitdem ohne Pause gefüllt, berichtet Edeltraud Krüger vom Friseurteam am Berliner Platz.

"Ich komme mit dem Eintragen der Termine kaum hinterher. Die Leute können es kaum erwarten, bis wir wieder aufmachen." Dabei ist das Ladengeschäft von Edeltraud Krüger gerade eine Baustelle. "Die Vermieterin hat uns vor ein paar Wochen mitgeteilt, dass dringende Arbeiten vorgenommen werden müssen. Man hat uns jedoch zugesichert, dass wir am 1. März auf jeden Fall wieder aufmachen können."

Aufgrund der Auflage, dass sich pro zehn Quadratmeter Ladenfläche nur ein Kunde in dem Friseurladen befinden darf, hat Edeltraud Krüger die Frisier-Plätze auf fünf reduziert. Einen Wartebereich gibt es zudem auch nicht mehr.

Um den Kundenansturm dennoch bewältigen zu können, werden sie und ihr Team dann zehn Stunden täglich im Einsatz sein. Edeltraud Krüger freut sich schon sehr darauf. Wobei sie hervorhebt, dass für das gesamte Team die Sicherheit von Kunden und Mitarbeitern sowie das ausgeklügelte Hygienekonzept nach wie vor im Mittelpunkt stehe.

"Die Lockdown-Zeit war finanziell sehr kritisch für uns. Hilfen vom Staat kommen jetzt erst. Für Dezember bekommen wir jedoch nichts, hat mir mein Steuerberater mitgeteilt, da wir damals erst ab dem 16. Dezember geschlossen haben." Sehr dankbar ist Edeltraud Krüger dafür, dass ihr die Vermieterin die Hälfte der Miete für den Laden erlassen hat. "Das ist nicht selbstverständlich", betont die Friseurmeisterin ernst. In zwei Jahren wolle sie eigentlich in den Ruhestand gehen.

Nie vorstellen können

Dass sie so kurz davor noch einmal vor solchen Herausforderungen stehen würde, habe sie sich nie vorstellen können.

Im Hinblick auf die hohe Zahl an Anrufen und E-Mails der Kunden, die baldmöglichst einen Termin vereinbaren möchten, sieht es bei Friseurmeister Dirk Rogozinski und seinem Laden "Rogo Haarmode" im Burggrafenlacher Weg nicht anders aus. "Es klingelt fast pausenlos. Die Menschen hätten am liebsten schon gestern einen Termin vereinbart."

Tatsächlich müssen sie sich aber mindestens noch zwei Wochen gedulden. Sein Laden sei bereits bestens vorbereitet. "Wir haben ja schon im ersten Lockdown alles angepasst. Umbauen oder noch weitere Friseurstühle herausnehmen müssen wir nicht mehr", sagt Rogozinski. Er werde ab dem 1. März mit seinem Team in zwei Schichten arbeiten. So sei der Laden täglich zwölf Stunden lang geöffnet. "Sonst schaffen wir das einfach nicht mit den Auflagen und den Abstandsregeln", sagt Rogozinski. Vor 50 Jahren hat der Vater von Dirk Rogozinski den Laden eröffnet. Eine derartige Situation wie aktuell habe es in der Geschichte des Friseurgeschäfts noch nicht gegeben.

Lösungen für den Berufsalltag

"Wir mussten erst einmal, wie alle Menschen, lernen, damit umzugehen und Lösungen für den Berufsalltag finden." Bereits im ersten Lockdown mussten alle Friseurläden schließen. Und auch den Sommer über - als endlich wieder gearbeitet werden durfte - sei es nicht wie vor der Pandemie gewesen. Beide Friseure werden die kommenden beiden Wochen nutzen, um weiter die heiß laufenden Telefone zu beantworten und den Kunden möglichst zeitnahe Termine anzubieten. Dennoch sind sowohl Dirk Rogozinski als auch Edeltraud Krüger erleichtert, dass es wieder losgeht. Denn im Lockdown war nicht nur ihre, sondern auch die Existenz ihrer Mitarbeiter in Gefahr. Von Daniela Hamann

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