Rosemarie Ebert (links), die das Etikett für den Riesling-Jahrgang 2020 entworfen hat, hilft beim Etikettieren. FOTO: sura
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Rosemarie Ebert (links), die das Etikett für den Riesling-Jahrgang 2020 entworfen hat, hilft beim Etikettieren.

Vereine

Die Weinflaschen haben ihr neues Etikett

  • VonDr. Susanne Rapp
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Winzerfreunde verzieren den Rüsselsheimer Riesling 2020 mit einem Motiv der Künstlerin Rosemarie Ebert. Noch ist es ein gut gehütetes Geheimnis.

Rüsselsheim -"Vereine sind ein wichtiger sozialer Anker", sagte Albrecht Schmidt, der Vorsitzende der Rüsselsheimer Winzerfreunde. Einmal mehr zeigte sich dies, als der Riesling-Jahrgang 2020, der nun in Flaschen abgefüllt ist, am Dienstag von 30 Vereinsmitgliedern mit dem aktuellen Etikett versehen wurde. 360 Flaschen standen bereit und warteten auf ihre Verschönerung.

Da seit vergangenem Jahr die Flaschen mit 0,75 Litern mehr Inhalt haben und größer sind, brauchte es auch ein entsprechend größeres Etikett. Die Kunstschaffende Rosemarie Ebert hat für diesen Jahrgang das Motiv geschaffen. Das Original in Acryl auf Leinwand ist 40 mal 50 Zentimeter groß und trägt den Titel "Symbiose Kultur und Wein". Es wird am 29. Oktober im Rahmen der Weinpräsentation offiziell vorgestellt.

Jedes Jahr entwirft ein Künstler aus Rüsselsheim und Umgebung das Etikett für den Rüsselsheimer Riesling. Er werde oft gefragt, ob es nicht eine teure Angelegenheit sei, einen Künstler für diese Aufgabe zu beauftragen, berichtete Schmidt. Daraufhin antworte er, die Künstler täten dies unentgeltlich und gern.

Zwei verschiedene Motive

Rosemarie Ebert bestätigt dies. Für sie sei es eine Ehre. Für das Etikett malte sie zwei verschiedene Motive. Die Winzerfreunde wählten eines davon aus. Die Vorgaben für das Motiv des Etiketts lauteten: Es soll mit Rüsselsheim und mit Wein zu tun haben. Für sie sei es gar nicht so einfach gewesen, die Vorgaben zu berücksichtigen, statt einfach drauflos zu malen, wie sie es sonst tue. Sie entschied sich dafür, Altes und Neues zusammenzubringen, und wählte zwei markante Gebäude, die sie mit Weintrauben ergänzte. Mehr soll vorerst nicht verraten werden.

Die Originale beider Gemälde werden bei der Weinpräsentation zum Verkauf angeboten werden. Auch die Farbkombinationen und Perspektiven seien eine Herausforderung gewesen. "Das hat mich schon einige Schweißperlen gekostet", sagt Ebert schmunzelnd und klebt das letzte Etikett auf eine Flasche.

Nach einer kurzen Anleitung, wie das Etikett an der richtigen Stelle aufgeklebt wird, legten die Anwesenden los. Das Etikettieren, das in diesem Jahr pandemiebedingt im Festungshof stattfand, war nach knappen 30 Minuten bereits beendet.

Albrecht Schmidt erinnert sich noch genau an den 11. September 1985. Da sei ein Polterabend bei der Familie Dambmann gefeiert worden und es habe große Aufregung gegeben. Der Weinberg in Rüsselsheim, der 1980 mit großem Aufwand angelegt worden war, sollte wieder verkauft werden, da seine Pflege zu teuer sei. Damals habe eine Flasche 47,85 DM gekostet und sei der Stadt zu teuer gewesen. Das sei schließlich auch der Anlass für die Gründung der Winzerfreunde gewesen. Als Pacht erhält die Stadt in jedem Jahr etwa 20 Prozent des fertigen Weins.

Schlechte Ernte, guter Geschmack

Die Ernte im Jahr 2020 sei sehr schmal gewesen, bedauerte Schmidt. Dafür sei der Geschmack sehr gut. Hiervon konnten sich die Anwesenden auch praktisch überzeugen, als es für jeden eine kleine Probe gab, die zu anerkennendem Kopfnicken führte. Auch für 2021 wird eine mäßige Ernte befürchtet.

Im Gegensatz zu hohen Austrittsraten in anderen Vereinen haben die Rüsselsheimer Winzerfreunde auch weiterhin konstante 124 Mitglieder. Statt Austritten seien acht weitere Jungwinzer dem Verein beigetreten, verkündete Schmidt stolz.

Wie wichtig der Verein für soziale Kontakte und gemütliches Beisammensein ist, zeigte sich nach getaner Arbeit. Die Winzerfreunde und Pächter des Festungscafés, Birgit und Peter Kolb, hatten den Grill angeworfen und verwöhnten die Anwesenden mit leckeren Speisen. Auch die Temperaturen an diesem Abend zeigten sich freundlich, mild und trocken. Ob Petrus auch ein Winzerfreund ist? Susanne Rapp

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