Flüchtlinge

Für diese Familie wird ein Traum wahr

Familie Rahimi ist aus Afghanistan vor Krieg und Verfolgung geflohen. In Deutschland haben sie Schutz erhalten und suchten nun eine Wohnung, was aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse und hoher Mieten nicht einfach war. Aber die Familie hatte Glück.

Vidas Augen leuchten: „Ich habe ein richtig schönes Zimmer.“ Stolz stellt die 15-Jährige ihr Reich vor und entschuldigt sich zugleich: Möbel habe sie noch nicht, deshalb schaue es ein wenig unordentlich aus.

Zwei Matratzen mit Bettzeug liegen auf dem Fußboden. In mancher Nacht schläft ihr sieben Jahre alter Bruder Sherzad bei ihr. Dann, wenn die Angst von ihr Besitz ergreift, so alleine im dunklen Zimmer. Denn das Schlafzimmer der Eltern liegt auf der anderen Seite der 140 Quadratmeter großen Wohnung und liegt dann gefühlt ganz weit weg.

Als einziges Mädchen unter den vier jüngeren Brüdern durfte Vida ein eigenes Zimmer beziehen. Die Jungen Sherzad, Arfan (zehn Jahre) und Arian (zwölf Jahre) teilen sich ein Zimmer. Der jüngste Spross Shazad ist erst sieben Wochen alt. Die Eltern, Tahira und Akhtar Rahimi, sind glücklich. Sie bezogen Anfang Dezember eine Fünfzimmerwohnung in Raunheim. Flüchtlingsbetreuer Jens Grode freut sich über die Entwicklung der Lebensumstände der Familie. Denn es sei schwierig, bei den hohen Mietpreisen eine bezahlbare Wohnung zu finden, berichtet er.

Sieben Monate lang war die Familie vor zwei Jahren auf der Flucht aus ihrer Heimat gewesen – zu Fuß. In Deutschland wohnten sie ein Jahr in der Flüchtlingsunterkunft in der Kelsterbacher Straße in Raunheim. Bis Grode sie mit der frohen Botschaft überraschte, eine Wohnung gefunden zu haben.

Sie schauten sich die Wohnung gemeinsam mit den Vermietern an, aber lange überlegen brauchten die Eltern nicht. Wer tauscht nicht gerne eine Dreizimmerwohnung ohne eigene Küche gegen dieses riesige Heim ein?

Die Wohnung der Familie in Afghanistan war vielleicht noch vergleichbar. Dort hatten sie vier Zimmer, in einem „großen eigenen Haus“, erzählt Vida. Mit den Worten Zufriedenheit und Freude beschreiben Mutter und Tochter ihre Emotionen, die sie bei der Nachricht von Grode hatten. „Wir hatten viel Glück“, sagt Tahira Rahimi. Sie hat es sich auf der Couch gemütlich gemacht, die die Familie beim Sperrmüll fand.

Jetzt gilt es, die Räume gemütlich einzurichten. Noch wirken die Zimmer karg. Wie es eben nach einem plötzlichen Umzug ausschaut, wenn Kleidung und andere Utensilien noch nicht in Schränken verstaut werden können.

Kartons prägen das Bild. Im Schlafzimmer der Eltern liegt ein Verkehrsspielzeugteppich aus. Das Mobiliar ist rar gesät. Ein Tisch mit einem Fernseher befindet sich im spärlich beleuchteten Wohnzimmer. Ins Auge sticht eine große weiße Uhr, sie dekoriert die Wand. Im Besuchszimmer steht ein weiteres TV-Gerät. All das haben die Rahimis bereits während ihrer Zeit in der Flüchtlingsunterkunft erworben.

Einen Teppich für das Wohnzimmer kauften sie vor ein paar Tagen. Ein Schrank und ein Bett für die Tochter sind bestellt. Das Mädchen kann es kaum erwarten. Für die Familie ist der Möbelkauf eine große Herausforderung. Denn sie hat kein Auto, ist also auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen und muss sich die Möbel liefern lassen.

Nicht zu vergessen die Preise. „Ein Bett kostet 300, 400, 500 Euro“, entfährt es Vida. Anerkannte Geflüchtete erhalten als Starthilfe für den Kauf von Möbel vom Jobcenter eine finanzielle Unterstützung.

Die Küche ist komplett eingerichtet. Tahira Rahimi ist leidenschaftliche Köchin und fühlt sich wohl. Die Küche in ihrem Haus in Afghanistan hatte der Familienvater selbst gebaut. Aus Metall, ist er doch Spengler, erzählt er.

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