Opevillen

Diese Werke von zehn Kunststudenten sind nicht blindlings zu verstehen

Das Sommerfest der Opelvillen bot junge Kunst in Hülle und Fülle: Zehn Kunststudenten stellten den theoretischen Überbau ihrer Installationen vor. Bei brütender Hitze sprang der kreative Funke dank Humor und sinnlichem Erleben auf die Gäste über.

Kurt Hohmann sah nichts. Der einstige Stadtkirchenpfarrer saß auf einer Gartenbank der Opelvillen, seine Augen unter Abdeckungen verborgen und Kopfhörer auf den Ohren. So lauschte er, Zeit und Raum entrückt, Geschichten aus dem Off. In der Zwischenzeit erfuhren seine Augen unter der Bedeckung eine leichte Druckmassage. Für flanierende Beobachter wurde Hohmann unversehens selbst zur Skulptur: Kunst und Komik paarten sich.

Der Selbstversuch des Gastes erfolgte am Sonntagnachmittag auf dem Kunstspaziergang durch den Garten, der das Sommerfest der Opelvillen eröffnet hatte. Was Liesel Burisch, Kunststudentin der Städelschule, als Soundinstallation theoretisch vorgestellt hatte, wollte Hohmann hautnah erfahren. Sein Fazit: „Irritierend. Beim Erleben von Hören und Augenmassage lenkte mich eines vom anderen ab. Ich müsste es wiederholen.“ Liesel Burisch war ebenso gespannt auf die Reaktion der Besucher wie ihre neun Kollegen von der Frankfurter Städelschule, von der Hochschule für Gestaltung Offenbach sowie der Kunsthochschule Mainz, die an diesem Tag ausstellten. Beate Kemfert, Kuratorin der Opelvillen, und Studentin Kelly Sue Roßmann, zuständig für Schleuse und Labor, hatten zum Kunstspaziergang eingeladen. Es war eine Premiere, „den Garten der Opelvillen zu bespielen“.

Bei brütend heißen Temperaturen mühten sich zahlreiche Gäste teils fasziniert, teils redlich, um Verstehen: Komplex waren die Konzepte der Installationen, die die jungen Künstler komprimiert darlegten. Da sprang der Funke selten unmittelbar über. „Künstler leben in ihrer eigenen Welt“, seufzte eine Besucherin. Andere ließen sich beflügeln, hatten Spaß an dieser bunten und kreativen Vielfalt, die gewohnte Sichtweisen verändert: Johannes Lenzgeiger erläuterte seine technische, modulhafte Installation, die der Turbine als Symbol der Antriebskraft Ikonenhaftigkeit verleiht. Edi Danartono erklärte seine Videoarbeit, die der Spur eines Orang Utans im Nationalpark von Sumatra folgt, und diese mit einer Textcollage alter poetischer Klagelieder unterlegt.

Eine aus Gurtbändern gewebte Decke animierte zum Verweilen. Ganz anders gestaltete sich Mia Bencuns Auseinandersetzung mit Computerspielen und modernen Ritualen der Anbetung. Als rituelles Objekt aus der digitalen Welt war der Aufbau aus Kunststoffflaschen mit krönender Gralsmaske zu verstehen. Die Besucher umrundeten das Objekt sinnend. Mathias Weinfurter hatte seinerseits einen Ast aus dem Kelsterbacher Wald sehr hoch gehängt. Mit Ketten gesichert, baumelte der als Ast unter Ästen im Baum. Fragen um Eigentum, Beständigkeit und Funktion drängten sich bei den Betrachtern auf. „Ach, das ist auch ein Kunstwerk? Das habe ich nicht erkannt“, meinte eine Besucherin lachend angesichts eines Kleinwagens, den der Kunststudent Jakob Brugge mittels Parkkralle auf der Wiese festgesetzt hatte.

In der Tat: Mit einer Prise Humor gelang der Zugang leichter. Die zehn Kunststudenten setzten mit ihren Arbeiten Akzente. Da durften die Blicke der Besucher amüsiert an den mit Orangen bedruckten Socken des Künstlers Lukas Sünder hängenbleiben („Die hab ich extra angezogen“). Er lud zum „Statistic Picnic“ ein, indem er starre Messlatten der Statistiken zum Kopfteil farbenfroher Sonnenliegen umfunktioniert hatte. „Was will uns das sagen?“, scherzte eine Dame, ohne Antwort zu erwarten. Je länger der Rundgang, desto gelöster die Gäste. Zudem lockten die Winzerfreunde mit Wein – für Kaffee, Kuchen und Imbiss war auch gesorgt. Abkühlung bot nicht zuletzt der „Art-Talk“ im kühlen Keller des Labors. Anna Nero lud zur Abschlussausstellung ein und faszinierte mit Bildern von strenger Form, die sie einfallsreich konterkarierte.

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