Konzert

Dorflinde eröffnet die Herbstsaison mit dem schwedischen Trio „Väsen“

Als Aushängeschild der skandinavischen Folkmusik war das Trio aus Schweden „Väsen“ angekündigt. Dass diese Bezeichnung nicht übertrieben ist, bewiesen die drei sympathischen Herren am Samstagabend im Festungskeller.

Mit nordischem Folk vom Feinsten eröffnete der Folk- und Jazzclub „Dorflinde“ seine Herbstsaison.

Denn Väsen überzeugten vom ersten Titel bis zu den zahlreichen Zugaben mit ausgeprägter Virtuosität, faszinierenden Klangbildern und sehr viel Charme. Auch die Instrumente der hochgewachsenen Herren bildeten gleich zu Beginn einen Blickfang.

Olov Johansson spielte die Nyckelharpa, ein Saiteninstrument, bekannt als Schwedens Nationalinstrument. Mikael Marin trat mit einer fünfsaitigen Bratsche auf, der er geradezu zärtlich die Töne entlockte und Roger Tallroth spielte auf einer 12-saitigen Gitarre Riffs, die ihn bereits weltweit bekannt machten.

Jeder für sich bereits ein Ausnahmemusiker, doch als Trio gelang ihnen fast überirdische Musik, die teils an mittelalterliche Tänze denken ließ. Nicht ohne Grund haben irische Bands Kompositionen von Väsen ins eigene Repertoire mit aufgenommen.

Denn Walzer, Polkas und Märsche aus der Feder der einzelnen Musiker überzeugen durch dichte Klangbilder und gewitzte Tempovarianten. So startete der „Väsenvalsen“ getragen und nachdenklich, um ein paar Takte später vor überschwänglicher Vitalität zu sprudeln.

Vor wenigen Tagen spielten sie noch in Zürich vor ausverkauftem Haus, einen Tag später in Esslingen, um am Samstagabend im Festungskeller vorbei zu schauen. „Great to be back in this Keller“, begrüßte Johansson die Gäste, denn bereits vor sieben Jahren war das Trio dort schon einmal aufgetreten.

Erstaunlich wenige Hände erhoben sich auf seine Frage hin, wer Väsen noch nicht kenne. Die meisten hatten sich wohl schon früher einmal von ihrer Musik begeistern lassen. Auch in der Pause nutzten viele die Gelegenheit, sich eine CD mit nach Hause zu nehmen oder ein Tunebook, in dem die Noten der einzelnen Kompositionen zu finden sind.

Wen all das nicht interessiere, könne ja einen Sticker kaufen, erklärte Johansson. Und richtig, zwischen CDs und DVDs lagen auch Aufkleber mit dem Aufdruck „Get Polkanized“ auf dem kleinen Verkaufstisch.

Neben den vielseitigen Titeln, von denen jeder ein Potpourri aus Klangfarben bot, erzählten die Musiker auch kleine Geschichten darüber, wann, oder für wen sie einzelne Songs komponierten. Hochzeiten, Geburtstage und vieles mehr waren Anlass für eine Komposition.

Bei den Erzählungen kam auch ein ganz besonderer Humor zum Tragen, der sich auch einige Male in Richtung der Kollegen auf der Bühne richtete. So erzählte Mikael Marin über seinen Geigenbogen, nach dem er lange gesucht hatte. Als er ihn schließlich in der Hand hielt und damit spielte, sei nach wenigen Minuten klar gewesen, dass es dieser und kein anderer sein musste – obwohl er sehr kostspielig gewesen sei.

Wenige Zeit später berichtete Johansson von seiner Nyckelharpa, das der beste Instrumentenbauer des Landes für ihn gebaut und ihm zu seinem fünfzigsten Geburtstag geschenkt habe.

Bezüglich des kostspieligen Bogens seines Kollegen meinte er dann schmunzelnd, vielleicht bekomme der seinen nächsten Geigenbogen zum sechzigsten Geburtstag geschenkt. Auch als Johansson von seinem ersten Besuch in den USA 1992 berichtete, also aus einer Zeit, in der er noch jung gewesen sei, schienen Realität und Fabel ordentlich durchgemischt zu sein.

Denn in Kalifornien habe auf einmal ein riesiger Berglöwe auf der Straße gestanden der sehr erstaunt über den ersten Nyckelharpaspieler gewesen sei, der ihm begegnete. Doch zum Glück habe sich Johansson im Inneren des Autos befunden, was ihm sehr recht gewesen sei.

Im kommenden Jahr feiert das Trio sein dreißigjähriges Zusammenspiel. Man darf hoffen, dass die sympathischen Skandinavier möglichst bald wieder einmal im „Keller“ auftreten.

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