Wirtschaft

Drama bei Opel: 4000 Jobs bedroht

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Nachdem vor kurzem der Wegfall von 3700 Stellen bundesweit beschlossen wurde, geht es bei Opel diesmal um noch mehr Arbeitsplätze. Und zwar vor allem in Rüsselsheim.

Wolfgang Schäfer-Klug hatte es eilig. Eine gute Viertelstunde früher als vorgesehen stand der Vorsitzende des Opel-Gesamtbetriebsrats den versammelten Journalisten vor einem der Werkstore Rede und Antwort. Während mancher Medienvertreter noch eilig das Mikro zückte, kam ein Fernsehteam sogar nicht mehr rechtzeitig, um das Geschehen live zu übertragen. Kameras waren am Donnerstagmorgen dennoch genug auf Schäfer-Klug gerichtet. Es gab auch einiges zu sagen.

Zu den Meldungen, die in den vergangenen Tagen die Runde machten, denen zufolge dem Entwicklungszentrum des Autobauers in Rüsselsheim die

Zerschlagung droht

. Der neue Eigentümer von Opel, die PSA-Gruppe mit Sitz bei Paris, wolle einen Teil des Zentrums an mehrere französische Technologie-Unternehmen verkaufen, berichtete die Zeitung „Le Monde“, die sich auf interne Konzern-Dokumente beruft.

Schäfer-Klug, der gerade von einer eigens einberufenen Betriebsversammlung kam, war der Unmut darüber deutlich ins Gesicht geschrieben. „Die Belegschaft ist empört“, sagte er. Es gebe Unverständnis darüber, dass die Geschäftsleitung ihre Pläne nicht offen darlege. Wird das Entwicklungszentrum verkauft, könnten dort 4000 Stellen wegfallen. Bereits im Mai hatte man sich bei Opel darauf geeinigt, bundesweit 3700 Arbeitsplätze abzubauen.

Damals, so betonte Schäfer-Klug am Mittwoch, sei die Frage an die Geschäftsleitung gestellt worden, ob es Verkaufspläne für das Entwicklungszentrum gibt. Das sei damals verneint worden. „Die Belegschaft glaubt diesem Vorstand und PSA kein Wort mehr“, machte der Betriebsratschef angesichts dessen deutlich. Der „Appetit“ der Beschäftigten im Entwicklungszentrum, zu einem französischen Entwicklungsdienstleister zu gehen, sei gleich null. Man habe schon jetzt Erfahrung, wie es ist, in einem französischen Konzern zu arbeiten. „Mitbestimmung wird nicht respektiert, die Arbeitsbeziehungen sind überall in Europa auf Rot. Wir haben nur Probleme in der Kooperation“, machte Schäfer-Klug seinem Ärger Luft. Man wisse, wie fortgeschritten die Pläne seien und, dass die Geschäftsleitung „hier nicht nur nicht die halbe Wahrheit sagt“.

Die Belegschaft fürchte einen Ausverkauf bei Opel. Jedem sei klar, dass die Entwicklungsabteilung das Herzstück von Opel ist. Der Verkauf des Zentrums zusammen mit dem Testgelände in Dudenhofen würde Schäfer-Klug zufolge bedeuten, dass es in Rüsselsheim lediglich noch „ein paar Ingenieure gibt, die die Hüte auf die PSA-Architektur setzen“. Unter den Mitarbeitern gebe es die Angst, dass die Marke Opel diese Operation nicht überleben würde.

Mit einem „vernünftigen Unternehmen“, so der Betriebsratschef weiter, hätte man über eine Zusammenarbeit reden können. Nicht in Ordnung sei es dagegen, die Belegschaft vor vollendete Tatsachen zu stellen. Diese sei kämpferisch aufgestellt und werde sich wehren. Für Opel bedeute dies weiter unruhige Zeiten. Auch wenn mit Beginn der Werksferien nun zunächst Ruhe einkehren werde.

Die Geschäftsleitung wollte sich am Donnerstag nicht mehr zu den Plänen äußern. Opel-Chef Michael Loscheller hatte einen Tag zuvor noch das „Engineering“ als Marken-Kern hervorgehoben. Falsch sei, dass man das Prüfen von „strategischen Partnerschaften“ im Entwicklungszentrum dementiert habe.

In einer Mitteilung der Kreis-Grünen meldete sich am Donnerstag Rüsselsheims Bürgermeister Dennis Grieser zu Wort, deren Sprecher er auch ist. Das Entwicklungszentrum sei für Rüsselsheim und den Kreis von entscheidender Bedeutung. „Wir erklären unsere Solidarität und erwarten, dass es zu keinem Abbau von Kompetenz am Standort Rüsselsheim kommt“, äußerte sich Grieser.

Für Stadtrat Nils Kraft (SPD) geht es bei Opel jetzt ums Ganze. „Forschung und Entwicklung werden ausgelagert und bei externen Dienstleistern wieder eingekauft“, befürchtet er. Das sei simple Gewinnmaximierung und keine strategische Partnerschaft.

Im Groß-Gerauer Kreishaus haben die Meldungen über einen möglichen Teilverkauf des Entwicklungszentrums Entsetzen und Verärgerung ausgelöst. „Ein Ausverkauf des innovativen Zentrums träfe das Unternehmen tief ins Mark. Und es nimmt vielen hochqualifizierten Ingenieuren die berufliche Perspektive im Kreis Groß-Gerau“, betonen Landrat Thomas Will (SPD) und Erster Kreisbeigeordneter Walter Astheimer (Grüne) in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Indes hat die von Betriebsratschef Schäfer-Klug prophezeite Ruhe in den Werksferien auch ihre Schattenseiten. Beim Opel-Dienstleister Rhenus in Rüsselsheim werden mit deren Beginn laut IG Metall alle 150 Leiharbeiter entlassen. Das Stammpersonal des Logistikers zählt 300 Männer und Frauen. Diese seien ebenso vom Stellenabbau betroffen, der mit der Restrukturierung bei Opel zusammenhänge.

Eine Sprecherin von Rhenus sagte auf Anfrage nur, das Unternehmen äußere sich grundsätzlich nicht zu Mitarbeiterzahlen an einzelnen Standorten.

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