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Zu Beginn jeden Dienstes muss Jacqueline Jacob Material und Geräte im RTW prüfen.

Notfallsanitäterin

DRK-Auszubildende Jacqueline Jacob ist bereit, wenn der Alarm losgeht

Jacqueline Jacob ist im dritten Lehrjahr ihrer Ausbildung zur Notfallsanitäterin beim DRK-Rettungsdienst Groß-Gerau. Für sie steht fest: Das ist ein toller Beruf. Unsere Mitarbeiterin Daniela Hamann hat die junge Frau bei ihrem Arbeitsalltag auf der Rettungswache begleitet.

Es ist dunkel. Noch ist die Sonne nicht über den Horizont gekrochen. Schon um 7 Uhr in der Früh tritt Jacqueline Jacob ihren Dienst in der DRK-Rettungswache Groß-Gerau an. „Ich habe Tagdienst, der ist zwölf Stunden lang“, erklärt die junge Frau. Jacob befindet sich zurzeit im dritten Lehrjahr ihrer Ausbildung als Notfallsanitäterin.

Auf der Wache bespricht sie mit ihren Kollegen aus der Nachtschicht, was vorgefallen ist. „Die Nachtdienst ist auch sehr spannend“, sagt Jacob. „Dann muss man sich häufig um andere Fälle kümmern, als am Tag. Vor allem sind wir in der Nacht oft der Ansprechpartner für alle – auch nicht akutmedizinische – Probleme.“ Ähnlich sei es auch an den Feiertagen, wo die Mannschaft auf der Wache routinemäßig um ein Team aufgestockt wird, da es an diesen Tagen erfahrungsgemäß mehr Notfälle gibt.

Nach der Übergabe geht Jacqueline Jacob mit den Kollegen für den Tagdienst zum zugeteilten Rettungswagen (RTW). Seit dem zweiten Lehrjahr fährt Jacob als vollwertiges Team-Mitglied in einem RTW mit. Ein Team besteht meistens aus einem Rettungs- und einem Notfallsanitäter. Während die Ausbildung zum Notfallsanitäter seit 2014 eine dreijährige Lehre ist, durchläuft ein Rettungssanitäter lediglich einen Lehrgang von 520 Stunden.

Am RTW angekommen, überprüft die angehende Notfallsanitäterin die Vollständigkeit der Materialien und testet die Geräte wie Defibrillator und Elektrokardiograph (EKG) auf ihre Funktionstüchtigkeit. „Das ist wichtig, das machen wir zu jedem Dienstbeginn. Wir können ja nicht beim Patienten ankommen, ohne sicher zu sein, ob unser Material in Ordnung ist“, erklärt die 21-Jährige. Bei der Überprüfung orientiert sich Jacob an einer Checkliste.

Danach befindet sich das Einsatzteam auf Abruf. „Wir können die Zeit zwischen den Einsätzen beispielsweise zum Lernen nutzen“, sagt Jacqueline Jacob und geht zu einem gemütlichen Aufenthaltsraum, der Wohnzimmeratmosphäre verbreitet. „Hier essen wir oft gemeinsam. Eine Küche befindet sich gleich im Nebenraum“, sagt die junge Frau.

Heute ist Jacob mit Wäschewaschen an der Reihe. Schnell befüllt sie die Trommel mit rot-weißer Einsatzkleidung. „Wir wechseln uns immer ab.“ Wäschewaschen gehöre genauso zu den Aufgaben, wie die regelmäßige Reinigung und Desinfektion des RTW.

Nachdem die Notfallsanitäterin die Wäsche erledigt hat, geht sie in das kleine Büro und vertieft sich einige Minuten in den Lernstoff der Berufsschule. „Wir haben in der Ausbildung Blockunterricht, immer vier oder fünf Wochen am Stück. Persönlich gefällt mir das Praktische, der Dienst in der Wache oder in der Klinik, aber besser“, sagt Jacob.

Plötzlich piept ihr Melder. „Los, es geht zum Einsatz!“, ruft die Notfallsanitäterin und eilt mit ihrem Kollegen zum RTW. „Es wurde uns ein akutes Koronarsyndrom gemeldet. Dabei könnte es sich um einen Herzinfarkt handeln“, erklärt Jacob. Die junge Frau bleibt bemerkenswert ruhig. Innerhalb der vorgeschriebenen zehn Minuten sind die Sanitäter vor Ort und kümmern sich um eine ältere an Demenz erkrankte Patientin. Die Angehörigen hatten den Notdienst alarmiert.

Schnell stellt sich heraus, dass die Dame keinen Herzinfarkt hat. Die Sanitäter erklären der Familie, dass der Frau nichts fehlt und sie zu Hause bleiben kann.

Dass sich Einsätze als Fehlalarme herausstellen, sei nicht ungewöhnlich, so die Auszubildende. Die Patienten würden leider immer hilfloser und riefen oft schon bei Rückenschmerzen oder einer Erkältung den Notruf an. Dabei gebe es dafür den ärztlichen Bereitschaftsdienst, den sie unter der Nummer 116 / 117 rufen können. Unverrichteter Dinge kehrt Jacob mit ihrem Kollegen in die Wache zurück, von wo sie nur wenig später wieder zu einem Einsatz ausrückt.

„Ich habe vor dieser Ausbildung bereits eine Lehre als medizinische Fachangestellte erfolgreich abgeschlossen. Doch mir hat die Verantwortung gefehlt. Als ich dann von der Ausbildung zur Notfallsanitäterin gehört habe, dachte ich: Das klingt spannend. Und so ist es auch. Ich habe damit die richtige Entscheidung getroffen, noch eine Ausbildung zu machen. Das ist ein toller Beruf, bei dem man viel zurückbekommt“, sagt Jacqueline Jacob in einer ruhigen Minute. Auch die Aufstiegsmöglichkeiten nach der Ausbildung und die Vergütung seien nicht schlecht.

Und wenn ihr der Stress im Beruf oder die Schicksale doch einmal zu nahe gingen, habe sie noch ihren Sport, meint sie lachend und erklärt: „Ich spiele American Football in einer Frauenmannschaft. Wir heißen Mannheim Banditaz. Dabei kann man so richtig toll entspannen.“

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