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Der DRK-Kleiderladen bietet nicht zuletzt eine große Auswahl an warmen Mänteln für den Winter.

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Dank des DRK-Kleiderladens kommen Bedürftige warm durch den Winter

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Am Bahnhof bietet ein Laden des Roten Kreuzes gebrauchte Kleidung für kleines Geld. Als Kunde ist dort jeder willkommen. Nicht nur zu St. Martin werden Mäntel angeboten. Spender sollten ein paar Dinge beachten.

In dem braunen Korb, den sie unter den Arm geklemmt hat, befinden sich bereits einige Kleidungsstücke. Weit entfernt vom Limit von zwölf Teilen pro Person scheint die weißhaarige ältere Dame nicht mehr zu sein. Kaum verwunderlich. Denn wo gibt es sonst schon Blusen für 2,50 Euro und Jacken für sieben Euro? Das ist auch der Grund, warum es eine Grenze gibt. Denn möglichst viele Menschen sollen vom Angebot im Rot-Kreuz-Kleiderladen unweit des Bahnhofs profitieren.

Wilma Richter steht dort hinter der Kasse. Sie ist eine von fünf hauptamtlichen Angestellten, die im Kleiderladen neben 30 ehrenamtlichen Helfern beschäftigt sind. An die Stelle kam sie über ihre beiden ehrenamtlich beim Roten Kreuz engagierten Söhne. Im Sortiment des Kleiderladens gibt es Pullover ebenso wie Anzüge, Brautkleider und Kindersocken. Gerade seien warme Mäntel besonders gefragt, sagt Wilma Richter. Schließlich geht es mit großen Schritten auf den Winter zu. Morgen ist Martinstag. Der Legende nach teilte der Bischof von Tours einst seinen Mantel mit einem Bettler. Einkauf für die Familie

Bei den Kunden des Kleiderladens handelt es sich indes nicht nur um Bedürftige im engeren Sinne, die etwa auf Sozialhilfe angewiesen sind. So erzählt die ältere Dame mit den weißen Haaren, dass sie in der Altenpflege arbeite. Den Laden des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) besuche sie regelmäßig, um für die Familie einzukaufen. „Das hilft uns sehr“, sagt sie, ehe sie zur Kasse geht.

Dort unterhält sich inzwischen Ralf Fachinger mit der Verkäuferin. Er ist der stellvertretende Vorsitzende des Rüsselsheimer DRK. Die Kundschaft im Kleiderladen bestehe zwar in erster Linie aus Menschen mit geringem Einkommen. Doch würden auch Leute auf das Angebot aufmerksam, die eigentlich nur gekommen sind, um Kleidung abzugeben.

Von 45 bis 50 Tonnen Kleidern, die jedes Jahr gespendet werden, können nur zehn bis 15 Prozent verkauft werden. Oftmals würden verschmutzte Sachen abgegeben, teilweise befinde sich schlicht Müll darunter. Erschwerend kommt hinzu, dass die abgegebenen Kleider oftmals nicht zur Jahreszeit passen. Wintersachen etwa würden meist im Frühjahr abgegeben und müssten dann erst einmal eingelagert werden. Wer den Helfern die Arbeit erleichtern will, wäscht die Kleidung also vorher und wartet mit seiner Spende nicht, bis die Saison vorbei ist.

In „Härtefällen“ stellt der Laden auch kostenlos Kleidung zur Verfügung. So erhielten etwa Geflüchtete Gutscheine, um sich einzukleiden. Mitunter wird das DRK auch von der Polizei kontaktiert, wenn festgenommene Personen etwas zum Anziehen brauchen. „Das regeln wir dann auf dem kurzen Dienstweg“, sagt Fachinger. Geld erwirtschaften

Mit einer Verkaufsfläche von 300 Quadratmetern ist der DRK-Laden in Rüsselsheim Fachinger zufolge hessenweit der größte seiner Art. Vor sieben Jahren ersetzte er die Kleiderkammer in der Opelstadt. Die Kammer, untergebracht in einem Kellerraum, sei einfach zu klein gewesen, blickt der DRK-Vize zurück.

Doch um die neuen, großen Räume am Bahnhof zu finanzieren, musste das Konzept kommerzieller werden. Die Betriebskosten liegen bei ungefähr 6500 Euro im Monat. Am Anfang sei es schwierig gewesen, dieses Geld zu erwirtschaften, der Laden habe sich erst einmal etablieren müssen. „Verluste, die ein gemeinnütziger Verein mit einem gewerblichen Geschäft einfährt, sind äußerst brisant“, weiß Fachinger. Denn dann geht es um die rechtmäßige Verwendung von Spendengeldern. Inzwischen arbeite der Laden aber kostendeckend – etwas Geld bleibe sogar übrig.

Ein weiteres Problem seien Ladendiebstähle, weshalb bereits Hausverbote erteilt wurden. In der Anfangszeit des Kleiderladens gab es außerdem mehrere Einbrüche und auch einen Raubüberfall, bei dem die Kassiererin niedergeschlagen und verletzt wurde.

Von solchen Rückschlägen hat das Rote Kreuz sich nie entmutigen lassen.

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