Sein Engagement für die Arbeitnehmer brachte ihm den Ruf des "Rebellen" ein: Richard Heller. foto: opel

Trauer

Ehemaliger Opel-Betriebsratsvorsitzender Richard Heller gestorben

Bis zuletzt hat er den Beschäftigten die Treue gehalten: Nun ist der "Rebell" Richard Heller mit 86 Jahren gestorben.Die IG Metall verliert einen umtriebigen Kämpfer für die Arbeitnehmer-Rechte.

Rüsselsheim -Der langjährige Rüsselsheimer Betriebsrats- und Gesamtbetriebsratsvorsitzende Richard Heller ist im Alter von 86 Jahren gestorben. Der gebürtige Mainzer hatte fast seine gesamte Karriere beim Rüsselsheimer Autobauer verbracht. Heller begann 1956 als Modellbau-Schreiner bei Opel und war in diesem Bereich bis zu seiner Wahl in den Betriebsrat des Werkes Rüsselsheim 1972 tätig. Im Dezember 1992 schied Heller im Rahmen eines Vorruhestandsprogrammes aus dem aktiven Dienst bei Opel aus.

Ralph Wangemann, Geschäftsführer Personal und Arbeitsdirektor Opel Automobile GmbH, würdigte Heller für seinen Einsatz bei Opel: "Im Namen unseres Unternehmens möchte ich Richard Heller für alles herzlich danken, was er für Opel und seine Mitarbeiter erreicht hat. Wir sind in Gedanken in dieser schwierigen Zeit bei seiner Familie. Richard Heller hat Herausragendes für die Menschen in unserem Unternehmen geleistet." "Richard Heller hat den Opel-Betriebsrat und das Unternehmen stärker geprägt als jeder andere. Bis heute wirkt nach, was er in seiner Zeit als Betriebsrats- und Gesamtbetriebsratsvorsitzender für die Beschäftigten von Opel, aber auch die gesamte Metallindustrie an der Seite der IG Metall durchgesetzt hat. Bis zuletzt hat Richard dem Opel-Betriebsrat und den Opel-Beschäftigten die Treue gehalten. Dafür sind wir ihm zu großem Dank verpflichtet", sagt Gesamtbetriebsratsvorsitzender Uwe Baum.

"Wir verlieren mit ihm einen Unterstützer und engagierten Streiter", heißt es in einer Pressemitteilung der IG Metall Darmstadt von gestern.

Stets nahbarer und menschlicher Kollege

Den Kollegen sei Richard Heller, ab seinem 14 Lebensjahr Gewerkschafter, stets als nahbarer, menschlicher und integrer Kollege in Erinnerung geblieben - und als rheinische Frohnatur im besten Sinne. Richard Heller war ein Mensch, der die Zeit, in der er gelebt hat, stark geprägt habe, so die IG Metall weiter.

Einer der wichtigsten Meilensteine seiner beruflichen wie gewerkschaftspolitischen Biografie war die Durchsetzung der 35-Stunden-Woche in der Metall- und Elektroindustrie. Bereits 1977 war er ein Vorreiter mit der Forderung nach einer Arbeitszeitverkürzung.

Bei der Durchsetzung der 35-Stunden-Woche im Tarifkonflikt mit den Arbeitgebern im großem Streikjahr 1984 stand Richard Heller dann mit den Rüsselsheimer Opel-Beschäftigten in den Wochen des Ausstandes in vorderster Linie - sechseinhalb Wochen lang.

Vielfach Modellcharakter

Weitere Regelungen, die heute zum sozialen Standard gehören, wurden in der Zeit von Richard Heller als Vorsitzenden erstritten. Etwa die Zuzahlungsregelung zum Kurzarbeitergeld, die besonders hart durchzusetzen war und in der Folge die sozialen Risiken für die Beschäftigten abmilderte. Aber auch die sogenannte Paisy-Vereinbarung zum Beschäftigtendatenschutz, der ein Verfahren bis zum Bundesarbeitsgericht vorausging, um durch die Einführung des Personalinformationssystems eine Verhaltens- und Leistungskontrolle der Beschäftigten auszuschließen.

"All diese erzielten Regelungen hatten vielfach Modellcharakter und wurden über Opel hinaus adaptiert und übernommen", schreibt die IG Metall weiter. In allen entscheidenden politischen Auseinandersetzungen sei auf ihn Verlass gewesen - sein unermüdliches Engagement und sein Einsatz brachte ihm den Ruf des "Rebellen" ein, der kein Blatt vor den Mund nahm und Ungerechtigkeiten und Missstände konsequent anprangerte.

Bis zuletzt hatte Richard Heller laut Gewerkschaftsbund dem Opel-Betriebsrat und den Opel-Beschäftigten die Treue gehalten - und sich zuletzt zusammen mit anderen ehemaligen Betriebsratsmitgliedern öffentlich mahnend zu Wort gemeldet, als Beschäftigte betriebsbedingt gekündigt werden sollten. red

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