Soziales

Ehrenamtler stark belastet: DRK-Vorsitzender appelliert an die Politik

Viel Geschichte steckt im DRK-Ortsverein Rüsselsheim, viel Leid aber auch viel geleistete Hilfe. Den Besuch der Stadtpolitik nutzte der Vorsitzende der Helfer in der Opelstadt für einen eindringlichen Appell.

Man mag es sich einmal bildlich vorstellen: Verletzte sich vor dem Ersten Weltkrieg ein Bürger schwer, beispielsweise in einer Fabrik, brachten ihn Helfer der damaligen Freiwilligen Sanitätskolonne mit einer Bahre zum Rüsselsheimer Bahnhof. Von dort ging es mit dem Zug nach Mainz, wo der Verletzte ins Krankenhaus eingeliefert wurde – wenn er denn zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch lebte.

Kein Wunder, dass die Mitglieder des Sozialausschusses schmunzeln mussten, als sie jüngst bei einem Besuch des DRK-Ortsvereins in Rüsselsheim diese Episode aus der Geschichte des DRK erzählt bekamen. Vom Vorsitzenden Claus Keil erhielten sie unter anderem einen kurzen Abriss des 1907 als „Freiwillige Sanitätskolonne“ gegründeten DRK-Ortsvereins.

„1955 hatten wir die erste Blutspende“, führte Claus Keil weiter aus. Er erinnerte auch an die Pocken-Epidemie, die 1967 im Rhein-Main-Gebiet grassierte, und auch an das schwere S-Bahn-Unglück im Bereich des Rüsselsheimer Bahnhofs, das am 2. Februar 1990 17 Tote und 145 Verletzte forderte – nur zwei Beispiele für die vielen Einsätze, die die Helfer im Laufe der Jahrzehnte forderten.

„Seit 1975 sind wir hier am Hessenring ansässig“, erläuterte Vorsitzender Keil. Das Vereinsheim brannte 1993 ab, wurde wieder aufgebaut und 2015 saniert. Und auch diese Zahlen hatte der Vorsitzende für die Ausschussmitglieder parat: 5600 Stunden ihrer Freizeit investierten die rund 80 ehrenamtlichen Aktiven des Rüsselsheimer DRK im vergangenen Jahr. Die 25 Helfer des Kleiderladens des DRK sichten jährlich bis zu 150 Tonnen an Alt-Kleidern. „Aber nur maximal 20 Prozent davon sind so weit zu gebrauchen, dass wir sie anbieten können.“ Diese Zahl hinterließ dann Staunen bei den Ausschussmitgliedern. „80 Prozent und mehr sind also nicht für den Weiterverkauf zu günstigen Preisen zu gebrauchen“, unterstrich Keil. Neben dem Kleiderladen, der Organisation von Blutspendeterminen sowie zahlreichen Sanitätsdiensten sind die Rüsselsheimer Helfer auch damit beschäftigt, ihr Wissen an möglichst viele Menschen weiterzugeben. Regelmäßig gibt es Erste-Hilfe-Kurse in den Räumen am Hessenring, den nächsten Anfang Dezember.

Der Vorsitzende des DRK in Rüsselsheim scheute sich nicht, vor den Ausschussmitgliedern auch deutliche und kritische Töne anzuschlagen: „Der Staat wälzt mehr und mehr Aufgaben auf ehrenamtliches Engagement ab.“ Er warnte davor, dass sich der Staat noch weiter aus sozialen Bereichen zurückzieht, um noch mehr Aufgaben Ehrenamtlern zu hinterlassen. Eine Mahnung, der die Ausschussmitglieder nur zustimmen konnten. rke

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