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Massenweise alte Velos: Hans Wenzel schaut, wofür sie noch zu verwenden sind und organisiert die Einsätze der Fahrradschrauber.

Engagement

Ehrenamtliche Schrauber machen Räder für Bedürftige flott

Die ehrenamtlichen Fahrradschrauber, die schon für zig Geflüchtete und andere Bedürftige alte Räder fahrtüchtig gemacht haben, brauchen Hilfe. Ihr Fundus quillt über, und das Transportieren fällt auch immer schwerer.

Auf einer Empore des Bauhofs lagern Hunderte alte Fahrräder. Sie wurde gespendet oder gefunden und sind mehr oder weniger defekt. Dass sie sich wieder zum Radeln eignen, dafür sorgen die Fahrradschrauber um Hans Wenzel. „Die meisten von uns sind über 70, wir packen nicht mehr alles“, informiert er.

Am Freitag, 26. Oktober, erwartet seine Truppe, die aus hochqualifizierten, ehemals in technischen Berufen tätigen Männern bestehe, tatkräftige Hilfe. Jüngere haben sich angekündigt, um ausgesuchte Räder eine verwinkelte und enge Treppe runter zu schleppen. „Auch der Bürgermeister will anpacken“, freut sich Wenzel über den Beistand, der als Vorbereitung für einen ausgedehnten Reparatureinsatz in der kommenden Woche diene.

Dann nämlich wollen die Schrauber mit sechs bis acht Mann reihenweise Räder flott machen. So wie seit mehr als zwei Jahren, in denen sie Räder repariert und für Bedürftige zur Verfügung gestellt haben. Vor allem für Geflüchtete, aber ebenso für finanziell Schwache und für das Frauenhaus in Groß-Gerau, das unter anderem viele Kinderräder benötige.

Fahrräder für Kinder sind nur in einer übersichtlichen Zahl in der Lagerstätte im Bauhof zu finden. „Wir könnten davon mehr gebrauchen“, sagt Wenzel. Ganz anders sehe es bei Drahteseln für Erwachsene aus – sie sind kaum noch zählbar. Sie stehen in verschiedenen Bereichen des Lagerplatzes, weil die Schrauber den Import wohlweislich sortieren. Was kann repariert werden, was ist nur noch Schrott oder welches Bike taugt als Ersatzteillager? Alles sei genau kategorisiert und leicht aufzufinden, versichert Wenzel angesichts des scheinbaren Chaos’.

Er ist dankbar für den Platz, den die Schrauber im Bauhof sporadisch eingeräumt bekommen. Die dort Beschäftigten machen für den bevorstehenden Arbeitseinsatz in einer Halle mehrere Quadratmeter frei, damit dort die Fahrradwerkstatt aufgebaut werden kann. „Wichtig ist, dass wir nichts mehr transportieren müssen, sondern mit unserer Arbeit ruckzuck beginnen können“, sagt Wenzel. Bis jetzt sei ins Auge gefasst, dass bis zu 25 Räder in einer Woche instandgesetzt werden, die dann für 15 Euro pro Stück abgegeben würden.

Damit das gelingt, greifen die Schrauber auf ein gut gefülltes Ersatzteillager mit gebrauchten und neuen Anbauteilen zurück. Vieles davon stammt von einer Spende aus einer ehemaligen, ortsansässigen Radwerkstatt, die aufgegeben wurde. Wenzel organisiert zudem den Wareneinkauf, falls etwas fehlen sollte. Vor wenigen Tagen hat er eine Lieferung für 398 Euro empfangen. An Sättel, Dynamos, Lampen, Schutzblechen, Kettenkästen, Vorbauten, Pedalen, Bremsen, ja sogar Helmen für Kinder und Schlösser mangelt es nicht. „Wir haben eigentlich alles“, sagt der einst in der Flugzeugwartung von Frankfurt aus weltweit eingesetzte Chefingenieur.

Für jedes Rad, das ausgegeben werde, schreibt Wenzel einen Steckbrief. So sei dokumentiert, was damit geschehe und wer es erhalte. Pappenheimer, die nicht auf ihr günstiges Vehikel aufpassten, könnten ihn deshalb nicht austricksen und sich ein neues Rad erbetteln, sagt er mit strenger Miene. Freude bereiten ihm hingegen junge Männer wie ein 27 Jahre alter Iraker, der Elektriker werden wolle und für seine Familie schon mehrere Räder selbst repariert habe. „Auch das entlastet uns“, freut sich der rüstige Senior.

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