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Eigentümer bei Unfällen nicht immer in der Pflicht

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Eiszapfen glitzern in der Sonne und verwandeln mach graue Regenrinne in ein winterliches Idyll. Doch dieses trügt, wie Haus &Grund Hessen warnt. Landesverbandsgeschäftsführer Younes Frank Ehrhardt erklärt, welche Vorsichtsmaßnah- men Hausbesitzer ergreifen sollten.

Überall herrschen derzeit frostige Temperaturen. Sobald es aber tagsüber wieder etwas wärmer wird, können an vielen Dachrinnen Eiszapfen wachsen. Das eisige Naturereignis ist zwar malerisch anzusehen, kann jedoch Gehwege zu einem gefährlichen Pflaster machen, im schlimmsten Fall Passanten verletzen und geparkte Autos beschädigen. Und zwar dann, wenn die Eiszapfen sich bei einsetzendem Tauwetter lösen und herunterfallen. Darauf weist Haus & Grund Hessen mit dem Landesverbandsgeschäftsführer Younes Frank Ehrhardt hin:

„Wer an seinem Haus Gefahren durch Eiszapfenbildung feststellt, sollte unverzüglich die erforderlichen Maßnahmen treffen. Dabei ist es natürlich an einem Wochenende nahezu unmöglich auf die Schnelle einen Dachdecker zu finden, der die Eiszapfen abschlägt. Auf jeden Fall aber sollten Warnhinweise aufgestellt oder der gefährdete Bereich abgesperrt werden, damit nichts Schlimmes passiert.

Wichtige Maßnahmen

Die vorgenommenen Schutzmaßnahmen sollten durch Zeugen belegt oder durch entsprechende Fotos dokumentiert werden. Wer keinerlei Vorkehrungen getroffen hat, muss im schlimmsten Fall damit rechnen, dass seine Hauseigentümer-Haftpflichtversicherung, die die eingetretenen Schäden zunächst reguliert hat, ihn wegen Obliegenheitsverletzung in Regress nimmt und er letztlich doch für alles selbst aufkommen muss.“

Diese Gefahr im Winter sei nicht zu unterschätzen, so Ehrhardt weiter, denn so ein spitzer Zapfen könne Schäden anrichten ähnlich wie beim Einschlag eines Geschosses. Dann stelle sich sofort die Frage nach der Verantwortlichkeit. Als Anspruchsgegner werde üblicherweise der Hauseigentümer von Geschädigten in die Pflicht genommen. Der sei aber nicht immer der Schuldige, wie oft vermutet werde.

Der Experte von Haus & Grund Hessen rät: „Natürlich müssen entsprechende Vorkehrungen getroffen werden, damit kein Unglück geschieht. Wenn erkennbare Gefahr von oben droht, empfiehlt sich zumindest die Aufstellung von gut sichtbaren Warnschildern. In besonders gefährdeten Bereichen sind sogar Absperrungen erforderlich“.

Die zuständige Verwaltungsbehörde, üblicherweise das Ordnungsamt der Stadt oder Gemeinde, könne sogar durch Polizeiverfügung Sicherungsmaßnahmen bis hin zur Beseitigung der Eiszapfen durch die Feuerwehr anordnen. Ein Verstoß werde dann, abgesehen von der zusätzlichen zivilrechtlichen Haftung gegenüber dem Geschädigten, möglicherweise richtig teuer.

Zwei Beispiele

Mit einem Fallbeispiel belegt Ehrhardt, dass jedoch nicht automatisch der Hauseigentümer für jeden Schaden haftbar ist: „Auf dem Dach angebrachte Schneefanggitter helfen zwar gegen das Herabstürzen von Dachlawinen, nicht jedoch gegen Eisschlag. Wer solche Gitter allerdings eingebaut hat, der bekommt von der Justiz zugestanden, dass er Vorkehrungen zur Gefahrenabwehr getroffen hat. Nach einem Urteil des Amtsgerichts München vom 13.03.2009 musste der Hauseigentümer demnach für den Schaden an einem Autodach nichts zahlen. In bekanntermaßen schneearmen Gebieten müssen Dächer jedoch nicht mit Schneefanggittern ausgestattet sein.“

Härter traf es da vor einigen Jahren in einem ähnlich gelagerten Fall den Eigentümer eines Hauses in Nordrhein-Westfalen. Das Landgericht Wuppertal entschied mit Urteil vom 11.01.2012, dass er in vollem Umfang für den Eisschlagschaden am Dach eines geparkten Autos haften müsse, weil er weder beseitigt noch abgesperrt noch hinreichend vor der Gefahr gewarnt hatte. Zumindest konnte das Aufstellen von Warnhinweisen im Gerichtsprozess nicht nachgewiesen werden. red

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