Hohe Decken und große Fenster machen aus der ehemaligen Bauernstube einen modernen Gastraum. FOTO: Ittmann
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Hohe Decken und große Fenster machen aus der ehemaligen Bauernstube einen modernen Gastraum.

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Ein erster Blick ins neue Bootshaus

  • Dorothea Ittmann
    VonDorothea Ittmann
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Der RRK hat das alte Vereinsheim mit viel Aufwand und Eigenleistung saniert - ein Pächter wird derzeit noch gesucht.

Rüsselsheim -Wer das Bootshaus vor zweieinhalb Jahren gesehen hat, wird das Vereinsheim des Rüsselsheimer Ruder-Klubs (RRK) nach der umfassenden Sanierung kaum wiedererkennen: weite, offene Räume, Panoramafenster mit Blick auf den Main. "Die Besucher sollen sich wie im Freien fühlen", sagt Erster Vorsitzender Fritz Schmidt jr., während er die Schiebetür zur Terrasse öffnet. Die Fassade des Vorbaus aus den 1960er Jahren hebt sich mit seiner weißen Farbe vom Rest des historischen Gebäudes ab.

Die tiefhängende Holzdecke, die dem Innenraum der Gaststätte das Aussehen einer Bauernstube verliehen hat, ist mittlerweile einer modernen Akustikdecke gewichen. Der große Veranstaltungsraum biete für maximal 199 Leute Platz. Er kann nun je nach Bedarf mit deckenhohen verschiebbaren Wänden in zwei kleinere Versammlungsstätten geteilt werden. Über eine Klimaanlage wird das Innere nun im Winter geheizt und im Sommer gekühlt, sagt Schmidt jr. und zeigt auf die Installation in der Decke. Auffällig sind die übergroßen Industrielampen, die der Vorsitzende über seine Kontakte als "Oldtimer-Enthusiast" und Restaurator von Sammlerstücken in den Niederlanden erworben hat.

Blickfang sind die Ruderriemen, die zwischen den Fenstern an den Wänden angebracht sind. Über den Köpfen hängt ein Einer-Ruderboot. Die Stücke sind mit LED-Streifen versehen und beleuchten Wände und Decken.

Kühlhaus oder Lagerraum

"Bis auf den Marmorboden ist alles neu gemacht", sagt Schmidt jr. "Im Prinzip haben wir alles entkernt." Anfangs habe es noch so ausgesehen, als könnten die Räume nach kleineren handwerklichen Arbeiten bald wieder genutzt werden, doch dann stellten sich bei genauerem Hinsehen bauliche Mängel heraus, die mit ein wenig Kosmetik nicht behoben werden konnten, erzählt der Vorsitzende. Etwa 80 RRK-Mitglieder hätten in mehr als 350 schweißtreibenden Arbeitsstunden das Bootshaus entkernt. 15 Container füllten sie mit Bauschutt. Obgleich vieles in Eigenarbeit erledigt wurde, sei das Budget von rund 350 000 Euro überschritten worden. Doch die Arbeiten haben sich gelohnt, finden Schmidt jr. und Vereinskollege Willi Schwenke, der mit ihm wöchentlich im RRK-Bauausschuss berät.

Die baulichen Veränderungen beschränken sich nicht auf den Gastraum. Die Küche wurde entkernt, der Boden aufwendig saniert und neue Leitungen verlegt. Der Nebenraum könne als Kühlhaus oder Lagerraum genutzt werden, sagt Schmidt jr. Der zukünftige Pächter könnte im östlichen Teil des Vereinsgrundstücks auch einen kleinen Biergarten anlegen, überlegt der Vorsitzende laut.

Die Damen- und Herrentoiletten im Untergeschoss sind nagelneu. An den frisch gestrichenen Wänden im Flur hängen Schwarz-Weiß-Bilder, die dem Betrachter die Vereinsgeschichte von der Gründung im Jahr 1910 bis heute veranschaulichen.

Neben der Gastronomie im Erdgeschoss vermietet der RRK weitere Räume im Gebäude. Sie seien ein zusätzliches finanzielles Standbein für den Verein, so Schmidt jr. Nach der langen Sanierungsphase wollten die Leute nun wissen, wann das Haus wieder mit Leben gefüllt wird. "Wir hoffen, dass wir spätestens im Frühjahr 2022 einen neuen Pächter haben." Bürgerlich-mediterrane Küche werde bevorzugt. Zurzeit besichtigten Interessenten die Räumlichkeiten. Ein Familienbetrieb, wie ihn die frühere Gastronomen-Familie Ivancic geführt habe, sei durchaus denkbar. Der Pächter müsse allerdings ein ordentliches Startkapital mitbringen, denn das veraltete Mobiliar und die Küche hat der RRK entsorgt und muss neu angeschafft werden.

Räume für Feste mieten

Fritz Schmidt jr. und Willi Schwanke sind jedenfalls guter Hoffnung, dass das Bootshaus bald wieder eine Basis für die rund 650 Vereinsmitglieder werden wird. "Das Bootshaus war ein Gesellschaftshaus, da wollen wir wieder hin", sagt der Vorsitzende. Jetzt stehen nur noch kleinere Arbeiten an. Die Fußbodenleisten müssen verlegt und die Trennwände bespannt werden. Bis der neue Pächter einzieht, können die Vereinsmitglieder die Räume für private Veranstaltungen mieten. Tische und Stühle stehen dafür bereit. Und auch die Holztheke mit Zapfanlage, die als einziges Mobiliar der früheren Einrichtung geblieben ist, steht ihnen zur Verfügung.

Am liebsten sitzt Schmidt jr. auf dem alten Sofa, das auf die Fensterfront ausgerichtet ist. Von dort blickt er übers Mainvorland auf den Fluss. "Das ist eine wunderschöne Aussicht", schwärmt er. Eine Aussicht, die bald die ersten Gäste begeistern könnte. dit

Dass im Bootshaus der Ruder-Klub zu Hause ist, zeigen die Ruderriemen an den Wänden und das Boot an der Decke.
Fritz Schmidt jr. (links) und Willi Schwanke sind stolz darauf, was der RRK in zweieinhalb Jahren geleistet hat.

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