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„Ein Feuerwerk wird komponiert“

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Mit Spaß bei der Sache: Großfeuerwerker Walter Heim (68).
Mit Spaß bei der Sache: Großfeuerwerker Walter Heim (68). © Matthias Hoffmann

An Silvester lässt es auch Berufsfeuerwerker Walter Heim krachen. Der Enthusiast nutzt den Jahreswechsel, um neue Produkte auszuprobieren.

Walter Heim lebt den Traum vieler kleiner Jungs: Der Dornheimer ist Großfeuerwerker und Pyrotechniker von Beruf. Heim, inzwischen 68 Jahre alt, sieht keinen Grund, in Rente zu gehen: „Das macht einfach Spaß“, freut er sich über sein Handwerk.

2004 hat sich Heim mit seiner Firma „sound&lighttec“ selbständig gemacht, zunächst nur als Veranstaltungstechniker. „Ich habe aber schnell gemerkt, dass der Markt hart umkämpft ist.“ Es folgten einige Zusatzausbildungen, etwa zum Filmpyrotechniker, Böllerschützen oder eben zum Großfeuerwerker. „Das ist die umsatzstärkste Disziplin“, sagt Heim. Denn: „Geheiratet wird immer“, sagt der Dornheimer lachend.

Heims Auftragsfeuerwerke kosten ab 750 Euro aufwärts. Große Arrangements, zum Beispiel für Stadtfeste, können schon mal 10 000 Euro kosten. Heim richtet sich stets nach den Wünschen der Kunden. Allerdings haben sich bestimmte Muster gezeigt: Hochzeitsfeuerwerke steigen meist in den Farben Gold und Rot, bei Firmenfeiern knallt es in den Farben des jeweiligen Unternehmens.

Dabei wird nichts dem Zufall überlassen. „Ein Feuerwerk wird nicht wild durcheinander geschossen. Ein Feuerwerk wird komponiert“, sagt Heim. Das bedeutet, die einzelnen Effekte werden aufeinander abgestimmt.

Wie Heim Silvester feiert? „Ich habe dieses Jahr frei und schieße ein privates Feuerwerk ab.“ Doch auch diese Gelegenheit nutzt er für berufliche Zwecke. Denn der Fachmann sondiert den Markt, kauft neues Material und probiert dieses dann aus.

Trend geht zu

großen Kalibern

„Generell geht der Trend von klein- zu großkalibrigen Effekten“, sagt Heim. Er verdeutlicht den Unterschied anhand zweier Feuerwerksbatterien: In dem Modell „Angel eyes“ stecken zwölf Schuss mit 128 Gramm Nettoexplosivmasse. Das Modell „Diva“ hingegen beinhaltet 36 Schuss und 500 Gramm des Sprengmaterials. „Das ist die Top-Ware“, sagt Heim. Kunden müssen für eine solche Batterie um die 30 Euro hinblättern.

Und die zahlt die Kundschaft auch. Heim verkauft – „nur zu Silvester“, wie er betont – Feuerwerksköper in seinem Firmensitz in Dornheim. Raketen, Bodenfeuerwerk und besagte Batterien stapeln sich in allen Farben auf Verkaufstischen in seinem Wintergarten.

„Böller gibt es bei mir nicht“, so Heim. Diese seien zu gefährlich. „Wenn so ein großer Böller in der Hand explodiert, dann kann das die Hand abreißen“, warnt der Experte. Außerdem machen die Böller seiner Meinung nach optisch nichts her – im Gegensatz zu Raketen und Batterien.

Heim erklärt die Funktionsweise der mehrschüssigen Körper: Per Zündschnur wird Schwarzpulver entzündet, die sogenannte Treibladung. Sie schießt eine Kartusche bis zu 50 Meter in den Himmel. Unterwegs zündet die Zerlegerladung. Sie steckt die Effektladungen an, welche farbig verbrennen.

Das kommt bei den Kunden an. „Inzwischen sind die Feuerwerksbatterien beliebter als Raketen“, weiß Walter Heim. Er verkauft am heutigen Silvestertag noch bis 14 Uhr Feuerwerk. Sein Laden befindet sich in Dornheim, Bahnhofstraße 3.

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