Wie schön das Leben sein kann, entdecken Frau Schmalz (Claudia Muhl), Nelly (Laura Fischer), Stanislaus (Andreas Maurer) und Kasimir (Michael Debertshäuser, von links) in "Auv und dafon".
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Wie schön das Leben sein kann, entdecken Frau Schmalz (Claudia Muhl), Nelly (Laura Fischer), Stanislaus (Andreas Maurer) und Kasimir (Michael Debertshäuser, von links) in "Auv und dafon".

Kultur

Ein magischer Nachmittag im Festungsgraben

  • Stella Lorenz
    VonStella Lorenz
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Das "Verdammte Volkstheater" zeigt mit "Auv und dafon" ein inspirierendes Kindertheaterstück

Rüsselsheim -Lange ist es her, dass echter, langanhaltender Applaus durch den Festungsgraben schallte. Es ist ein gutes Geräusch, und es musste nicht einmal auf magische Weise per Zauberglocke herbeigewünscht werden, wie es so manches Mal bei der Premiere von "Auv und dafon", dem aktuellen Kinderstück des "Verdammten Volkstheaters", im Festungsgraben passiert.

Die Geschichte, die Regine Schröder-Kracht schon vor 24 Jahren geschrieben hat, ist aktuell wie eh und je: Es geht um Toleranz, es geht um Anderssein, es geht um die Frage danach, wie wir zusammen leben können und wollen.

Zwei Verstoßene aus dem Reich des Glanzes und der Herrlichkeit - die blinde Nelly (Laura Fischer) und die mollige Frau Schmalz (Claudia Muhl) - treffen auf zwei ebenfalls Geächtete aus dem Reich der Klugheit und des Wissens - den leicht überdrehten Sprachverdreher Kasimir (Michael Debertshäuser) und den Müßiggänger Stanislaus (Andreas Maurer).

Zwei Welten prallen aufeinander

Praktisch gestrandet, prallen vier Menschen aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten, aber sie eint ein Wunsch: Nie mehr zurück in die Heimat, wo den vier Fliehenden der ständige Spott, die Demütigung und schlichtweg die Verachtung zu viel wurden. Aus anfänglichem Misstrauen wird so zunächst Sympathie und schließlich führt der gemeinsame Fund einer Kiste mit drei Zaubergegenständen - einer Pfauenfeder, einem Kochlöffel und einer Glocke - zu einer soliden Freundschaft.

Ende gut, alles gut? Zwar würde das Sprichwort hier gut passen (denn Frau Schmalz wirft damit praktisch ausschließlich um sich), aber das Glück der Aussiedler bleibt nicht lang ungetrübt. In den fernen Reichen fangen die Bewohner an, sich zu langweilen - wenn alles perfekt und schön ist, oder alle wissenschaftlichen Fragen klug gelöst worden sind, ist es eben doch langweilig ohne die "bunten" Mitglieder der Gesellschaft.

Die Klugen entsenden die überkorrekte Spießerin Frau Dr. Dr. Kowalski (Miriam Römheld), die Schönen den selbstverliebten Wichtigtuer Guildo von Glitter (Manuel Schmidt). Aber weder Nelly, noch Frau Schmalz, Kasimir oder Stanislaus denken daran, ihr kleines Paradies zu verlassen.

Schauspieler brillieren

Wie der ganze Spaß, den Regine Schröder-Kracht liebevoll inszeniert hat, ausgeht, sei hier nicht verraten (schließlich gibt es noch ein paar Vorstellungen!), aber klar ist: Dieses Kindertheaterstück ist ein kleiner Geniestreich für junge und ältere Zuschauer.

Zuvorderst brillieren die Schauspieler: Claudia Muhl spielt die gleichermaßen fürsorgliche wie resolute Frau Schmalz mit starker Stimme und langjähriger Bühnenerfahrung. Laura Fischer als dichtende Nelly gelingt die Gratwanderung zwischen melancholisch und selbstbewusst, ohne weinerlich zu sein. Andreas Maurer zeigt sich in der Rolle des Stanislaus mit sonnigem Gemüt und als loyaler Freund des "etwas eigenen" Kasimir, der von Michael Debertshäuser mit Wortakrobatik und einer herrlich authentischen Ausstrahlung interpretiert wird. Und auch die Antagonisten glänzen - Manuel Schmidt als Guildo von Glitter natürlich wortwörtlich im güldenen Anzug mit Engelshaar und fantastischer Hysterie in der Stimme, Miriam Römheld als die verkopfte, oberlehrerhafte Dr. Dr. Kowalski im steifen Outfit.

Insgesamt passt alles: Besetzung, farbenfrohe Requisite und Kostüme sowie die historische Kulisse der Festungsmauer, die auf jede erdenkliche Weise darstellerisch eingebunden wird. Für die Premiere spielt das Wetter mit, auch der Wind steht so günstig, dass der Fluglärm nicht stört. Letztlich entlässt das Stück die Zuschauer mit einer Inspiration zum besseren, empathischen Miteinander. lor

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