Helge Braun (vorne) im Parcours bei Medi-Fit: Mit Reha-Maßnahmen kennt sich der ausgebildete Arzt aus. FOTO: ha
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Helge Braun (vorne) im Parcours bei Medi-Fit: Mit Reha-Maßnahmen kennt sich der ausgebildete Arzt aus.

Wahlkampf

Ein Minister stemmt die 40-Kilo-Hantel

Helge Braun auf Stippvisite beim Rüsselsheimer Gesundheitsunternehmen "Medi-Fit"

Rüsselsheim -Wenn schon mal ein Bundesminister kommt, dann kommen auch Landes- und Bundespolitiker, vor allem in Wahlkampfzeiten. CDU-Bundestagskandidat Stefan Sauer hatte den aus Hessen stammenden Kanzleramtsminister Helge Braun eingeladen, der sich am Freitagnachmittag das Medi-Fit-Zentrum im Löwencenter ansah.

Eher leise und zurückhaltend betrat Braun das Fitnesszentrum, das Stefan Sauer und Digitalstaatssekretär Patrick Burghardt ausgesucht hatten, da sie das Inhaberehepaar gut kennen und Braun als Arzt früher auch mit Reha-Maßnahmen zu tun hatte.

Tina Dammel und ihr Mann Jan Boese haben 2009 Medi-Fit aufgebaut und sind seit vier Jahren im Löwen-Center. Die Pandemie habe dem Betrieb ziemlich zugesetzt, berichtete Tina Dammel im Gespräch mit dem Echo.

Zwar waren die verordneten Reha-Maßnahmen systemrelevant und konnten weiterhin durchgeführt werden, der Fitnessbereich im Erdgeschoss wurde jedoch monatelang geschlossen. "Ohne die Hilfe vom Staat wären wir nicht mehr da", machte Dammel deutlich. Inzwischen laufe der Betrieb wieder weitgehend normal, angesichts weiter steigender Coronazahlen sei jedoch unklar, wie es im Kraftsportzentrum weitergehe. Um coronasicher zu sein, dürfen nur getestete oder genesene Personen das Studio betreten, Ungeimpfte müssen einen aktuellen Coronatest vorzeigen, den sie direkt vor der Tür von Medi-Fit kostenlos machen können.

600 Personen

pro Tag in Behandlung

Pro Tag kommen etwa 600 Personen auf Rezept und werden im ersten Stock im Therapiezentrum behandelt, im Kraftsportbereich kommen täglich etwa 300 Personen.

Als Arzt habe er große Hochachtung vor der Arbeit mit Reha-Patienten, sagte Helge Braun, bevor er vor einem Bildschirm auf am Boden eingelassene Pikogramme trat, um diverse Gebilde durch einen Parcours zu bugsieren. Danach versuchte er sich an einer 40-Kilo-Hantel, die er fast mühelos hochheben konnte, doch eins der Fitnessgeräte wollte er dann doch nicht ausprobieren.

Tina Dammel und Jan Boese fürchten, dass in Hessen, ähnlich wie im Hamburg, bald die 2G-Regel gilt und Ungeimpfte dann das Fitnesscenter nicht mehr betreten dürfen. Dabei werde man die Tests weiterhin kostenlos für die Mitglieder anbieten, auch wenn sie sonst kostenpflichtig würden.

Doch die Inhaber haben ein weiteres Problem. Gerade in die Therapie habe man viel investiert, man mache dort zwei Drittel des Umsatzes. Man wünsche sich vom Staat mehr Förderung, zum Beispiel bei der Absetzfähigkeit der Investitionen von der Steuer. Dammel und Boese klagen aber auch über die gesetzlichen Krankenkassen. Wer auf Rezept komme und eine Therapie mache, sei für das Unternehmen erst einmal ein Kostenfaktor, weil die Krankenkassen erst nach Abschluss der Therapie und dann oft mit zeitlicher Verzögerung bezahlten. "Wir müssen hier erst einmal in Vorleistung treten", so Jan Boese. Man wünsche sich eine Digitalisierung der Krankenkassen, damit sofort nach einer Behandlung die Kosten erstattet würden.

Braun, gebürtiger Gießener, stimmte dem zu und beruhigte, die 2G-Regelung werde nicht kommen, auch Schließungen seien trotz steigender Coronazahlen wohl nicht mehr zu befürchten. "Ich bin da ganz optimistisch".

Markt der Therapeuten

nahezu leer gefegt

Da der Markt der Therapeuten nahezu leer gefegt ist, ging man bei Medi-Fit dazu über, selbst ein Ausbildungszentrum anzugliedern. Ausbilder Volker Nufer beklagte, es würden sich kaum noch junge Leute für diesen Beruf finden, denn während Auszubildende in anderen Berufen eine Ausbildungsvergütung erhielten, müssten angehende Therapeuten erst einmal Geld mitbringen.

Braun betonte, die Bundesregierung wolle weg vom Schulgeld und allen eine kostenlose Ausbildung ermöglichen. Momentan dauert es laut Jan Boese gut ein Jahr, bis eine freie Therapeutenstelle wieder besetzt werden kann. "Der Markt ist leer gefegt".

Zudem würden Hausbesuche für eine Therapie, zum Beispiel bei Schlaganfallpatienten, von den Kassen nur gering bezahlt. "Dafür würde sich kein Handwerker ins Auto setzen und losfahren", so Boese.

Helge Braun sagte, angesichts des steigenden Bedarfs an sozialen Berufen müssten dort die Rahmenbedingungen besser werden. Tina Dammels Fazit: "Das geht besser in Deutschland" ha

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