Daniel Bremm, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Darmstadt: "Insgesamt reden wir von 120 Betroffenen." foto: ralph keim
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Daniel Bremm, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Darmstadt: "Insgesamt reden wir von 120 Betroffenen."

Wirtschaft

"Ein trauriger Höhepunkt"

Es geht um 120 Arbeitsplätze: Protestkundgebung vor der Segula-Zentrale gegen den Stellenabbau.

Rüsselsheim -Im hellen Licht der Morgensonne entfalten die Kerzen nicht so die Wirkung, wie es bei abendlicher Dämmerung gewesen wäre. Dennoch: Die 120 Kerzen, die an diesem Dienstagmorgen vor dem Eingang der Rüsselsheimer Segula Deutschland-Zentrale brennen, verfehlen ihre Symbolwirkung nicht.

"Diese 120 Kerne stehen für die 120 betroffenen Kolleginnen und Kollegen bei Segula", begann Daniel Bremm, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Darmstadt, seine Rede an die vor ihm stehenden rund 70 Beschäftigten, darunter auch etliche "Opelaner".

Mit der Kundgebung protestierte die Gewerkschaft gestern grundsätzlich gegen den derzeitigen Stellenabbau beim französischen Ingenieurdienstleister Segula. Konkret ging es an diesem Tag um die 13 betriebsbedingten Kündigungen, die die Firmenleitung beim Segula-Betriebsrat eingereicht hat und über die im Rahmen einer eigens eingerichteten Einigungsstelle beraten wurde.

Mit diesen 13 Kündigungen, die Betriebsrat und Gewerkschaft unbedingt verhindern wollen, sei ein trauriger Höhepunkt erreicht worden. Denn bereits Fakt ist, dass 70 "Segulaner" in eine Transfergesellschaft wechseln. Zudem habe die Gewerkschaft Kenntnis von 20 drohenden Versetzungen. "Insgesamt reden wir von 120 Betroffenen", erklärte Gewerkschafter Bremm.

Drastische Worte

Drastische Worte fand Lars Kotscha, Betriebsratsvorsitzender von Segula: "Besonders in den Arsch gekniffen sind die früheren Beschäftigten von Opel."

Zur Erinnerung: Noch vor der Corona-Pandemie hatte der Autozulieferer Segula in Rüsselsheim, wo das französische Unternehmen einen Teil des Entwicklungszentrums von Opel betreibt, 150 Mitarbeiter eingestellt, beispielsweise auch viele von Opel. Ende 2018 waren Opel und Segula eine sogenannte strategische Partnerschaft eingegangen, im Rahmen dieser wurde ein "Technologie-Campus" geschaffen.

Besonders bei der Gewerkschaft und bei den Opel-Beschäftigten, die zu Segula wechseln sollten beziehungsweise mussten, herrschte von Anfang an breite Skepsis. Und das, obwohl den früheren Opelanern Schutz vor betriebsdingten Kündigungen versprochen worden war.

Die einbrechende Auftragslage, verschärft durch die Coronakrise, hat die Firmenleitung zum Stellenabbau ihrer mehr als 830-köpfigen Belegschaft gezwungen.

"Segula verbrennt täglich Geld", kritisierte Gewerkschafter Bremm die Segula-Firmenleitung. Er befürchtet, dass das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist. Er kündigte an, dass die IG Metall grundsätzlich mehr Präsenz zeigen werde, auch undgerade in Zeiten von Corona. "Denn mit der Coronakrise ist das Klima in den Betrieben kälter geworden."

Die Entwicklungen bei Segula in Rüsselsheim könnten am 1. Mai erneut zu einem Thema werden, wenn die um 10.30 Uhr auf dem Löwenplatz geplante Mai-Kundgebung tatsächlich stattfinden wird. Darüber wollen die beteiligten Gewerkschaften noch entscheiden. ralph keim

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