Bund Moslemischer Pfadfinder

Eine junge Frau an der Spitze

Seit 2010 gibt es den Bund Moslemischer Pfadfinder und Pfadfinderinnen Deutschlands. Seit September 2016 wird er von der Rüsselsheimerin Naima Hartit angeführt. Der jungen Mutter ist die Arbeit für den Verband ein echtes Herzensanliegen.

Rüsselsheim. „Da gibt es ganz viel“, antwortet die Rüsselsheimerin Naima Hartit auf die Frage nach ihrer Motivation, Bundesvorsitzende des Bundes Moslemischer Pfadfinder und Pfadfinderinnen Deutschlands (BMPPD) zu werden.

Momentan sei es ihr größtes Anliegen, den Kindern aus muslimischen Familien einen Platz zu bieten, an dem sie sich nicht zwischen der Religion und der Gesellschaft entscheiden müssten.

Es gebe zurzeit so viele extreme Standpunkte, da müsse man den Kinder zeigen, dass sie Teil dieser Gesellschaft und gleichzeitig Muslime sein können. Etwas, das die radikalen Islamisten einerseits und auch AfD und Pegida andererseits nicht zulassen wollten. „Das schüchtert mich aber nicht ein“, sagt die junge Mutter selbstbewusst und ergänzt: „Das bestärkt mich noch darin, wie wichtig diese Arbeit ist.“

Wir haben uns mit Hartit in der Bücherei am Treff verabredet, um über ihr neues Amt zu sprechen. Ein Ort, den sie oft aufsucht. Sei es mit ihren Kindern oder um Lesestoff für die Pfadfinderarbeit zu suchen. Auch jetzt stößt sie gleich auf interessante Publikationen zum Thema Natur und Umweltschutz und erzählt: „Die Pfadfinderei ist ja bei allen Verbänden gleich, seien es evangelische, katholische oder muslimische Pfadfinder.“ Unterschiede gebe es nur im spirituellen Bereich. Während die christlichen Verbände die Sonntagsmesse abhielten, sei es bei ihnen eben das Freitagsgebet.

Hartit, die in Frankfurt aufgewachsen ist, lernte die Pfadfinderei in ihrer Schulzeit durch ihre Freunde kennen, von denen viele in christlichen Verbänden aktiv waren. Später zog ihre Familie der Arbeit wegen nach Rüsselsheim, Hartit besuchte die Schule in Königstädten und später die Gustav-Heinemann-Schule.

Der BMPPD besteht seit 2010, ein Jahr nach Gründung wurde sie Mitglied und übernahm kurz darauf die Stammesleitung in Rüsselsheim, zwei Jahre später wurde sie stellvertretende Bundesvorsitzende.

Die Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Pfadfinder-Verbänden sei über alle Religionsgrenzen hinweg sehr gut. Sowohl auf Bundesebene als auch hier. „Es gibt gegenseitige Besuche und gemeinsame Projekte“, zählt Hartit auf und fügt an: „Momentan arbeiten wir daran, in den Ring deutscher Pfadfinder aufgenommen zu werden.“

Für ihre Amtszeit hat sich Hartit außerdem zum Ziel gesetzt, ihre Organisation zu erweitern und zu vergrößern. Die Rüsselsheimerin berichtet, dass sie täglich mit ihrer rein ehrenamtlichen Tätigkeit beschäftigt sei. Es gebe viel zu tun, viele Veranstaltungen, Gruppenbesuche, der Verbandsaufbau – all das beanspruche Zeit. Konkret seien derzeit die Teilnahme am Hessentag und dem Kirchentag im kommenden Mai zu planen.

Die 32-Jährige ist derzeit im Mutterschutz, sie hat einen sechs Monate alten Sohn und eine vierjährige Tochter. „Die ist schon ganz fleißig und fragt mich wöchentlich, wann sie denn endlich auch zu den Pfadfindern darf“, erzählt die Luftverkehrskauffrau.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare