Verkehr in Rüsselsheim

Wie eine Lücke im Nahverkehr den Alltag eines Schülers erheblich erschwert

Um in die Schule zu kommen, muss Alessio Macchitella von Bauschheim nach Ginsheim. Doch eine Busverbindung gibt es für die 1,8 Kilometer nicht. Bislang hat er die Strecke immer mit dem Rad zurückgelegt. Aber was ist im Winter bei Eis und Schnee?

Am Rabenstein heißt die letzte Bushaltestelle in Bauschheim. Von dort fährt der Bus über die Wolfinger Straße wieder zurück nach Rüsselsheim. In Ginsheim befindet sich die letzte Haltestelle in der Neckarstraße. Zwischen diesen beiden Bushaltestellen liegen etwa 1,8 Kilometer. Ein Bus verkehrt nicht zwischen Bauschheim und Ginsheim.

Die Fraktion „Wir sind Rüsselsheim“ (WsR) machte kürzlich mit einem Buslauf auf die Lücke in der Versorgung des öffentlichen Nahverkehrs aufmerksam. Sie setzt sich für eine Busverbindung ein.

Die Linie sechs, die Rüsselsheim mit dem Stadtteil Bauschheim verbindet, brauche nur einen kleinen Schlenker weiter zu fahren, argumentiert Fraktionsvorsitzender Joachim Walczuch. Das findet auch die Familie Macchitella. Mutter Kerstin, Vater Davide und die Söhne Juliano und Alessio beteiligten sich an dem Lauf, der von Bauschheim nach Ginsheim und wieder zurück führte. Denn Alessio besucht das Bischöfliche Willigis Gymnasium/Realschule in Mainz. Die Familie suchte eine Schule, die Realschule und Gymnasium vereint. Außerdem habe er diese Schule ausgewählt, weil ihn die Schulen in Rüsselsheim und Umgebung nicht ansprachen.

Es ist sein erstes Jahr an der Schule. Bisher fuhr er mit dem Fahrrad von Bauschheim nach Ginsheim. Gute zehn Minuten ist er mit dem Drahtesel unterwegs. Dann steigt er in den Bus der Line 60 nach Mainz ein. 25 Minuten braucht er von der Nachbarstadt bis an die Schule. Wenn es regnet, bringen ihn die Eltern mit dem Auto nach Ginsheim. Das wollen sie auch während des bevorstehenden Winters machen.

Bei Eisglätte befürchtet Vater Davide Unfälle. Erkälten könne sich der Junge bei den frostigen Temperaturen außerdem und dann eventuell den Unterricht verpassen. Mal ganz zu schweigen von der schweren Schultasche, die er natürlich auch im Sommer mit dem Rad transportieren muss.

Eine Alternative sei es, mit der Buslinie sechs zum Bahnhof in die Stadt zu fahren und dort in die S-Bahn umzusteigen. Dann ist Alessio jedoch 65 Minuten unterwegs und muss ungleich früher aus den Federn.

Mutter Kerstin erinnert auch an Schulveranstaltungen, die bis in den Abend hineingehen. Dann muss der zehnjährige Junge alleine im Dunkeln von Ginsheim nach Bauschheim fahren, wenn ihn die Eltern nicht abholen. Davide Macchitella weiß, dass noch einige andere Bauschheimer Kinder Mainzer Schulen besuchen. Denn er erzählt von Autos, die morgens in Ginsheim Kinder ausspucken und dann wieder kehrt nach Bauschheim machen. „Die Buslinie kann ohne großen Aufwand verlängert werden“, fordert er deshalb. Kerstin Macchitella greift die Argumentation von Walczuch auf. Die Verbindung könne doch großzügiger getaktet werden, es sei nicht notwendig, dass der Bus bei jeder Runde weiter nach Ginsheim fährt.

Die Eltern denken dabei nicht nur an ihr Kind. Die Fahrt nach Mainz zum Beispiel für einen Kinobesuch könne so einfacher gestaltet werden. Zumal es in Rüsselsheim kein Lichtspielhaus mehr gibt. „Man ist kurz vor dem Ziel, doch dann fährt der Bus wieder zurück“, schildert Davide Macchitella das Dilemma. Nur mit einem Lauf einmal im Jahr, wie von Walczuch angekündigt, werde die Busverbindung nicht erreicht, sind sich die Eltern sicher. Die Politik müsse mit dem RMV das Gespräch suchen. „Vielleicht muss man Plakate aufhängen“, schlägt Alessio vor.

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