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Susanne Landskron demonstriert vor ihren Teilnehmern die Wirkung des Schellenkranzes.

Musiktherapie

Wie eine Klangtherapeutin Instrumente in der Arbeit mit Flüchtlingskindern einsetzt

Susanne Landskron weiß um die heilsame Wirkung von Klängen: Bei ihren Treffen mit Kindern, die traumatisierende Erfahrungen machen mussten, setzt die Traumapädagogin Instrumente zur Behandlung ein.

„Es geht mir darum, dass Kinder einen geschützten, sicheren Raum erleben und dass sie erfahren: Das Leben kann schön sein“, sagt Susanne Landskron.

Sie nimmt einen Schellenkranz zur Hand, bringt die Metallscheiben durch rhythmisches Schlagen zum Klingen, sie greift zum Windspiel, dem sie durch leichtes Schwenken eine zarte Tonfolge entlockt. „Klänge und Musik sind geeignet, eine aufgewühlte, verstörte Seele in Balance zu bringen. In meinen regelmäßigen Angeboten für Flüchtlingskinder geht es nicht darum, Instrumente zu erlernen, sondern um Wohlklang, der gut tut und sie im Hier und Jetzt ankommen lässt“, erklärt Susanne Landskron. Im kalten Neonlicht

An diesem Abend ist sie in der Flüchtlingsunterkunft Hans-Sachs-Straße zu Gast, um ihre Erfahrung als Klangtherapeutin und Traumapädagogin an ehrenamtliche Flüchtlingshelfer weiterzuvermitteln. Der karge Versammlungsraum im kalten Neonlicht könnte unbehaglicher nicht sein, doch rasch hat Susanne Landskron die sechs Fortbildungsteilnehmer, die jeweils Rassel, Xylophon, Regenrohr oder Schellenkranz zur Hand nehmen, in Bann gezogen: „Tutti und solo“ – „Alle und einer allein“ heißt die instrumentale Runde, die Befindlichkeit und Raumerleben durch Klang verändert. Der Stress des Arbeitstages verflüchtigt sich für die Teilnehmer, die Kargheit der Umgebung weicht zurück. Das klingelnde, rasselnde, rauschende und tieftönende Klangbild der genutzten Instrumente erdet. Innere Ruhe breitet sich aus, wird rundum spürbar.

„Ich bin Grundschullehrerin und habe geflüchtete Kinder in der Klasse. Heute will ich erfahren, wie ich Klang durch einfache Instrumente auch im Unterricht nutzen kann“, sagt eine Teilnehmerin. Nicht mehr zugänglich

Brigitte Herrberger, städtische Netzwerkkoordinatorin der Flüchtlingshilfe, ist an diesem Abend ebenfalls dabei und sagt: „Ich habe eine Schnupperstunde bei Susanne Landskron gemacht, die mich überzeugt hat, dass die empathische Klangentspannung für traumabelastete Flüchtlingskinder heilsam sein kann.“ Susanne Landskron, die in ihren Klangräumen mit "Balance mit Klängen und Musik" in Rüsselsheim sowie seit 2016 beim Kinderschutzbund sowohl mit Kindern als auch mit werdenden Müttern und Eltern das Heilsame von Klängen und Musik erfahrbar macht, arbeitet nun auch für das Netzwerk Flüchtlingshilfe. „Über quälende Erfahrung und Erinnerung zu sprechen, ist Kindern oft nicht nur aufgrund mangelnder Worte unmöglich“, betont Landskron. „Ob sie Deutsch sprechen oder nicht – Traumatisierung bedeutet die Speicherung des Schreckens und der Angst im emotionalen Gedächtnis. Bewusst ist das Erlittene teils gar nicht mehr zugänglich. Flashbacks, emotionale Taubheit oder Vermeidungsverhalten und eine Über- oder Unterregung des Nervensystems können Folgen sein“, sagt sie.

Mit Summtönen aus dem Brust-und Bauchbereich veranschaulicht die Traumapädagogin die beruhigende Wirkung aufs Nervensystem. Auch die Tenorblockflöte, die sie melodisch einsetzt, trage zur Entspannung bei: „Die Atmung der Kinder kommt in Balance, der Blutdruck sinkt, Muskelspannung und Herzrasen werden gelindert.“ Landskrons Ziel ist es, Kinder nach erfahrenem Leid zu unterstützen, ganz in der Gegenwart präsent zu sein. „Dazu müssen wir Sicherheit und Bindung vermitteln. Unsere Zuverlässigkeit und Stärke sind entscheidend, damit sie ankommen und ihre Energie positiv für ihr Leben einsetzen können“, betont sie. Klingt einfach, bedeutet viel.

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