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Ziehen an einem Strang: Anastasia Liebe, Selma Kücükyavuz und Marcel Sedlmayer (v.l.) sind mit der Stoffauswahl zufrieden.

Einzelstücke made in Rüsselsheim

Das Outfit, in dem Selma Kücükyavuz und Marcel Sedlmayer als Hessentagspaar die Stadt Rüsselsheim repräsentieren sollen, nimmt langsam konkrete Formen an. Eine Rüsselsheimer Designerin ist für die Entwürfe und die Fertigung der Einzelstücke verantwortlich.

Rüsselsheim. Anastasia Liebe vollbringt Maßarbeit. Mit Geduld, einer ruhigen Hand und viel Fantasie schneidert die Designerin Selma Kücükyavuz und Marcel Sedlmayer jeweils ein ganz besonders Outfit auf den Leib. Stilvoll, geschichtsträchtig und dennoch modern und frisch sollen sie werden, die Kleider, die Kücükyavuz und Sedlmayer als Rüsselsheimer Hessentagspaar auf offiziellen Terminen weithin sichtbar ausweisen sollen.

Die genauen Entwürfe sind noch geheim und Details können sich noch ändern. Die nicht ganz einfach Aufgabenstellung für die Stoff-Künstlerin, die in Rüsselsheim lebt, ist aber klar: Sie soll mit ihrer Arbeit die Anfangszeit des 20. Jahrhunderts reflektieren, ohne dass Schnitte und Stoffe gar zu bieder oder langweilig daherkommen. „Die Entwurfsphase haben wir jetzt hinter uns.

Stoffe, Farben

und Materialien

sind auch schon abgestimmt“, berichtet Liebe.

Ein Abwägungsprozess stand ganz am Anfang der Arbeit. „Wir hatten überlegt, wie weit wir in die Zeit hineingehen. Damals war Farbe bei der Kleidung eben nicht so sehr angesagt, alles war sehr grau. Das wollten wir aber nicht“, erklärt die Designerin. Also suchte sie nach den passenden Farbtupfern, selbst das Blau, welches die Stadt Rüsselsheim in seinem Logo verwendet, wurde in Betracht gezogen. Letztlich entschieden sich die Designerin und Vertreter der Stadt jedoch für sanftere, frischere Töne. So ein weiches Babyblau, in dem der seidige Stoff erstrahlt, aus dem das Kleid für Selma Kücükyavuz entstehen soll.

Für Entwurf und Fertigung der Einzelstücke hat Anastasia Liebe nur wenig Zeit. Das übliche Maßnehmen hat sie sich deshalb gespart, die Schnitte grob nach den Kleidergrößen gefertigt, die ihr vom Hessentagspaar genannt wurden. Angepasst werden die Kleidungsstücke dann direkt an ihre späteren Träger. Für das übliche Vorgehen beim Entwurf solcher Einzelstücke hätte die Zeit nicht ansatzweise gereicht. „Heute ist die erste Anprobe für die Dame. Da müssen wir alles soweit anpassen, dass es sitzt. Und in einer Woche kommt dann der Anzug für den Herren“, sagt Liebe.

Dass die Jungdesignerin überhaupt an den Outfits des Hessentagspaares arbeitet, sei

Glück und

Zufall

zu verdanken. „Ich habe in diesem Jahr den Frankfurt Style Award gewonnen. Über eine Agentur, die das vermarktet, kam der Kontakt zur Stadt zustande. Schließlich wohne ich in Rüsselsheim“, erzählt Liebe. Sie selbst habe davon zunächst gar nichts gewusst. „Und die erste Mail der Stadt an mich landete irgendwie im Spam-Ordner meines Postfachs, so dass ich sie fast nicht gesehen hätte.“ Nach dem ersten Kontakt musste sie dann aber nicht mehr lange überlegen, ob sie den Auftrag, der ihr angeboten wurde, annehmen würde. „Ich musste zwar meine restlichen Termine hin und her schieben, aber für mich ist es eine riesige Ehre, diese Kleider machen zu dürfen“, sagt sie.

Nach den Herbstferien habe sie mit der Arbeit losgelegt, die jetzt langsam aber sicher in die letzten Züge geht. Diskutiert wird etwa noch über die passenden Assessoirs. „Die Damen haben damals wirklich tolle Hüte getragen, ich habe schon etwas passendes im Kopf“, sagt die Designerin. Und auch die passenden Schuhe zu den feierlichen Outfits fehlen noch. „Da müssen wir wohl noch mal zusammen einkaufen gehen. Aber eine Idee habe ich da auch schon im Kopf.“

Bereits Mitte Januar soll das Rüsselsheimer Hessentagspaar erstmals in den neuen feierlichen Gewändern einen offiziellen Auftritt bestreiten. In Alltagskleidung waren Kücükyavuz und Sedlmayer ja bereits einmal aktiv, bei der Eröffnung des Weihnachtsmarktes. Langsam aber sicher finden sie sich in ihre Rolle als Hessentagspaar ein. „Am Anfang war das etwas surreal, auch als wir uns im Fernsehen gesehen haben. Und natürlich waren wir beim Weihnachtsmarkt auch nervös. Aber wir haben viel positives Feedback bekommen und das bestärkt einen natürlich auch“, sagt Sedlmayer. göc

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