Verein Bio-SoLaWi

Mit Elan und guter Laune zur Ernte

Ein ambitioniertes Projekt ist die Bio-SoLaWi „Auf dem Acker“ am Stadtrand von Rüsselsheim. Wir haben den Verantwortlichen bei der Arbeit über die Schulter geschaut.

Der blaue Traktor fährt eine Ackerreihe entlang, biegt auf den Feldweg ab und kommt zum Stehen. Herunter steigt eine große schlanke Frau, die blonden Haare lässig aus dem Gesicht gebunden und grüßt mit einem strahlenden Lächeln. Seit Februar diesen Jahres ist Anne Leonhard mit einer 60-Prozent-Stelle die Landwirtin der Rüsselsheimer Bio--SoLaWi (Solidarische Landwirtschaft) „Auf dem Acker“.

Ihren Bachelor in Ökologischer Landwirtschaft hat die 28jährige Leonhard in Berlin gemacht, den Master in Wien. Und nun ist sie also frisch von der Uni in Rüsselsheim gelandet, über eine Stellenausschreibung im Internet. „Gebürtig bin ich aus Deidesheim, von daher bin ich ganz froh, wieder in der Nähe der Heimat zu sein“, erklärt sie. Von der Stadt Rüsselsheim habe sie allerdings noch nicht viel gesehen, da sie in Mainz eine Wohnung gefunden hat.

„Wenn es so heiß ist wie heute, versuche ich, spätestens um sieben Uhr morgens da zu sein“, erläutert die junge Frau ihren Tagesablauf. „Dann gucke ich erst einmal, was ansteht“, fährt sie fort. Derzeit seien das meist Bodenbearbeitung, Beikrautregulierung und Bewässerung.Seit vier Wochen können die 33,5 Ernteanteile eingebracht und an die Mitglieder verteilt werden.

Die Kisten hätten bisher unter anderem Brokkoli, Kohlrabi, Salat, Rucola, Radieschen und auch die bei uns eher unbekannten Mairüben enthalten, erklärt Leonhard. „Da musste ich auch erst herausfinden, was ich damit machen kann“, gesteht Sandra Wolf, die erste Vorsitzende des Vereins.

Auf ein Salatrezept sei sie schließlich gestoßen, aber die Rohkost sei ihr dann doch ein wenig zu scharf gewesen. „Die Mairüben sind derzeit das Gesprächsthema unter den Mitgliedern“, sagt sie lachend und schlägt vor, einen Rezeptbeauftragten zu installieren.

Wolf ist mir ihren beiden Söhnen Florian und Simon sowie ihrem Mann vorbeigekommen, letzterer hat den Werkzeugkoffer dabei. Irgendwas zu reparieren gibt es immer.

Der sechsjährige Florian flitzt indes zum Kartoffelacker, um nach den Kartoffelkäfern zu schauen. Die seien im Moment ein Problem, berichten Wolf und Leonhard.

Deshalb seien für die nächsten beiden Tage auch Arbeitseinsätze für die Mitglieder angesetzt, mit denen die lästigen Tierchen und ihre Eier und Larven von Hand von den Pflanzen abgepflückt werden. Das müsse so lange gemacht werden, bis die Pflanzen groß und robust genug seien, erklärt Anne Leonhard.

„Die Arbeitseinsätze sind zum Glück immer gut besucht“, freut sich Wolf, die keine Bedenken hat, dass auch diese Herausforderung von der Gemeinschaft gemeistert werden kann, genau so wie die Anbringung reh- und kaninchensicherer Zäune. „Die knabbern uns im Moment noch ein bisschen zu viel an“, sagt Leonhard.

Später im Jahr werden zu dem Gemüse auch noch viele Obstsorten in die Kisten wandern: Wasser- und Zuckermelonen von den Äckern sowie Äpfel, Birnen und Steinobst von den vielen Streuobstwiesen, die zur SoLaWi gehören. „Uns ist es wichtig, auch Büsche und Bäume für die Vögel und Insekten auf unserem Areal zu haben“, erläutert Wolf.

Derzeit ist das ganze Projekt noch in der Probephase. Verläuft das erste Jahr erfolgreich, wird der Pachtvertrag mit den Besitzern der Ländereien, Heike und Werner Muster, aufgesetzt. Dann können auch weitere Ernteanteile vergeben werden.

Derzeit sehe es sehr danach aus, als würde das gelingen, freuen sich die beiden Frauen.

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