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Elfriede Traiser: Sie übt ihr Amt mit Elan und Freude aus

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Super gelaunt: Pfarrerin Stefanie Bischof (links) mit Elfriede Traiser, die 80 Jahre nach der Segenssprechung ihre Eichenkonfirmation feiert.
Super gelaunt: Pfarrerin Stefanie Bischof (links) mit Elfriede Traiser, die 80 Jahre nach der Segenssprechung ihre Eichenkonfirmation feiert. © (Rainer Beutel)

Selten sind Menschen anzutreffen, die so fröhlich ihre Arbeit beginnen wie Pfarrerin Stefanie Bischof. Am Sonntagmorgen, als zig Jubiläumskonfirmanden auf „ihren“ Gottesdienst warten, versprüht die Geistliche einfach nur gute Laune.

Wer arbeitet schon gerne sonntags? Pfarrer müssen auf jeden Fall ran. Sie verkünden vor Ostern nicht nur das Wort Gottes. Ein Anlass wie die Feier von besonderen Konfirmationsjubiläen fordert sie außerdem als Hirte.

Stefanie Bischof meistert diese Aufgabe mit Bravour. Wer die junge Frau am Sonntagmorgen beobachtet, erkennt eine einerseits zielstrebige, andererseits herzliche und fröhliche Person. Und das trotz einer offenkundig kniffligen Aufgabe.

Die in die Jahre gekommenen „Konfirmanden“ – nach 25, 50 oder gar 70 und 80 Jahren ihrer Segenssprechung allesamt reif und erwachsen – wirken vor der Kirche artig und zurückhaltend wie Pennäler. Sie wissen, um 10 Uhr beginnt der Gottesdienst. Aber sie wollen auch ein Erinnerungsbild. Wie geht das? Wer schaut nach ihnen? Wer übernimmt die Führung? Die Pfarrerin ergreift kurzerhand die Initiative, zählt und sortiert ihre „Schäfchen“.

Wer ist dabei?

Geduldig wartet Bischof, bis sich die einzelnen Jahrgänge organisiert haben. Dann geht sie die Namen durch: Wer ist angemeldet und dabei? Wer fehlt? Sie äußert Bedauern, wenn sie jemanden nicht sieht. Vielleicht wegen einer Krankheit? Schmerzhaft empfindet sie es, dass ausgerechnet von den Ältesten eine Frau nicht auftaucht, weil sie vor dem Wiedersehen mit Gleichaltrigen gestürzt sei.

Bischof versprüht Lebenslust, hilft den Betagten beim Betreten einer Stufe, spornt an und dankt jedem für die Anwesenheit. Eine Frau ordnet sich versehentlich zu einem Jahrgang, dem sie gar nicht angehört. Kein Drama: Die Pfarrerin lacht den kleinen Fauxpas einfach weg, eilt Richtung Kircheneingang und beordert jene zurück, die vom mühsamen Fotoshooting bereits Richtung Kirchenbank streben. Und dennoch: von Stress keine Spur.

1938 konfirmiert

Besonders liebenswürdig geht sie mit Elfriede Traiser (geborene Neumann) um, die Älteste an diesem Sonntagmorgen, die 1938 konfirmiert wurde, also die sogenannte Eichenkonfirmation feiert. Weitere Bezeichnungen sieht die Evangelische Kirche in der Liste der Konfirmationsjubiläen gar nicht mehr vor. Bischof vermittelt eine tief empfundene Ehre für einen alten Menschen, den sie würdevoll und doch familiär im Kreis der Jubilare aufnimmt.

Zu den Jüngeren pflegt sie ein ebenso lässiges Verhältnis. Wo sind jene, die es „nur“ auf ein Vierteljahrhundert bringen, also vor 25 Jahren konfirmiert wurden? Fünf Minuten vor dem eigentlichen Job in der Kirche schnappt sich Bischof zwei junge Männer mit den Worten „Ich habe hier noch zwei Silberne“ und postiert sich mit ihnen fotogen vor das Portal des Gotteshauses. Bei so viel Elan und Lebensfreude kann der Jubiläumsgottesdienst nur gelingen.

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