Mit viel Gefühl in der Stimme interpretiert Andreas Kümmert sowohl Klassiker als auch moderne Rocksongs.
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Mit viel Gefühl in der Stimme interpretiert Andreas Kümmert sowohl Klassiker als auch moderne Rocksongs.

Konzert

Energiebündel mit gewaltiger Stimme

  • VonPeter Wolfgang Fritz Schneider
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Im Herzen ist er ein Bluesrocker: Andreas Kümmert, bekannt aus früheren Fernseh-Auftritten, verpasst bekannten Interpreten eine Frischzellenkur

Rüsselsheim -2013 rückte der Sänger und Gitarrist Andreas Kümmert ins Rampenlicht der Öffentlichkeit. Die Castingshow "Voice of Germany" gewann der Mann aus Gemünden am Main locker. Danach sollte es für Deutschland zum "European Song Contest" gehen und die Musikbusiness-Bosse rieben sich schon die Hände. Doch es kam völlig anders: Kümmert verzichtete spektakulär auf seine Teilnahme und in einem schmerzlichen Findungsprozess beschloss er, seinen Werdegang selbst zu gestalten und nicht in die für ihn vorgesehene Schublade zu steigen. Eine bemerkenswerte Haltung in den heutigen schablonenhaften Vermarktungsstrategien der Branche.

Das wird kein Schlagerabend

Im April gab das Energiebündel mit der gewaltigen Stimme bereits ein Streaming-Konzert im "Rind", und nun war er live mit Band im Adamshof zu erleben.

Andreas Kümmert hat die Corona-Zeit genutzt, um viel an sich und seiner Musik zu arbeiten", wusste "Rind"-Chef Florian Haupt vor einem der letzten Open-Air-Konzerte im historischen Gemäuer zu berichten. Sprachs und schon stand das bärige Kraftpaket locker in ein graues Shirt gewandet mit seiner dreiköpfigen Band auf der Bühne. Bei "Something in my Heart" wurde sofort klar, dass dies kein Schlagerabend werden würde. Im über weite Strecken im musikalischen Duktus der 1970er Jahre gehaltenen Programm perlten hier bluesige Läufe aus den wunderbaren Magnatone-Amps im Retro-Style, kraftvoll pulsierte der Rhythmus und über allem schwebte diese wunderbare Stimme. Andreas Kümmert hat Soul in seinem Organ, er phrasiert herrlich, und aus jeder Faser strömt Empathie für den jeweiligen Song.

Seine Röhre erinnert ein wenig an Steve Winwood und Mick Hucknall mit einer Prise Paul Rodgers, sicher keine schlechten Referenzen. Der Blues-Standard "Have you ever been mistreated", von unzähligen Interpreten eingespielt, erfuhr eine druckvolle Frischzellenkur ebenso wie die Klassiker "I'd rather go blind" - bekannt geworden 1967 durch Etta James - oder James Browns "It's a Man's World". Selbst ein Altmeister wie Jimi Hendrix kam mit seinem "The Wind cries Mary" zu Wort, und mit "Waiting for the Bus" wurde dem kürzlich verstorbenen ZZ Top-Bassisten Dusty Hill inspiriert gehuldigt.

Fetziger Gitarren-Jam

Funky rockend mündete Simply Reds "Holding back the Tears" wieder in einen fetzigen Gitarren-Jam. Doch auch die eigenen Songs wie "Simple Man" oder die abwechslungsreich gestaltete aktuelle Single "Sweet Oblivion" konnten durchaus mit den alten Reißern mithalten. Formidabel auch "One Way out" mit feinem Country-Einschlag und - wie des Öfteren - einem mitreißenden Gitarrenduell zwischen Andreas Kümmert - der es auch an der Stratocaster kann - und seinem exzellenten Leadgitarristen Stefan Kahne. Der mit einer Fender Telecaster aus dem Jahr 1956 ausgerüstete Gitarrist spielte wunderbar variabel, virtuos, wenn es sein musste mit fetten Rock-Riffs, aber auch feinfühlig mit wohldosierten Effekten, große Klasse. Asbjörn Gärtner am Bass und der ökonomisch, aber gezielt spielende Drummer Michael Germer knüpften einen intensiven und präzisen Rhythmusteppich. Als letztes Stück kam Elton Johns unverwüstlicher "Rocket Man" zu Gehör, bevor die Zugabe nicht etwa - wie scherzhaft angekündigt - von Billie Eilish stammte, sondern mit dem herzhaften "Fuck up" von der Bühne dröhnte.

Das Fazit: Der einstige Voice-of-Germany-Sieger hat sich weiterentwickelt: Angefangen bei swingendem Neo-Soul über ansteckenden Funk bis hin zu opulent orchestrierter Popmusik und gefühlvollen Gospel-Einflüssen spannt er nun seinen stilistischen Bogen. Peter Schneider

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