Erdal Koca weist die Vorwürfe zurück, extremistische Ziele zu verfolgen. Mit der ADR wolle er sich unter anderem für Haushaltsdisziplin und klimafreundlichen Wohnungsbau einsetzen. F oto: privat
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Erdal Koca weist die Vorwürfe zurück, extremistische Ziele zu verfolgen. Mit der ADR wolle er sich unter anderem für Haushaltsdisziplin und klimafreundlichen Wohnungsbau einsetzen. F oto: privat

Kommunalpolitik

Er ist Gegenwind gewohnt

  • Dorothea Ittmann
    vonDorothea Ittmann
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Erdal Koca (ADR) ist politisch umstritten - im Echo bezieht er Stellung. Er sei der "Buhmann" für viele und zeigt sich enttäuscht darüber, dass andere mit ihm nicht über eine Fraktionsgemeinschaft verhandeln wollen.

Rüsselsheim -Erst vergangene Woche hatten FDP, Freie Wähler, Aktive Bürgerinitiative (ABI) sowie Forum Neues Rüsselsheim (FNR) mitgeteilt, dass sie sich nach der Kommunalwahl zu einer Fraktionsgemeinschaft (RFG) zusammengeschlossen haben. Eine Liste ist nicht dabei: Die Aktiven Demokraten Rüsselsheim (ADR), die erstmals bei einer Kommunalwahl angetreten waren.

Ihr Spitzenkandidat Erdal Koca wird zwar künftig über einen Sitz in der Stadtverordnetenversammlung verfügen, gilt aber unter den Mitgliedern der anderen Parteien und Listen genauso wie Thorsten Blümlein (AfD) als Persona non grata. Fast alle geben an, nicht mit ADR und AfD koalieren zu wollen, weil sie demokratiefeindlich eingestellt seien, so der Hauptvorwurf.

Erdal Koca ist politischen Gegenwind gewohnt. War er doch von 1997 bis 2005 und erneut 2015 bis 2021 Mitglied des Ausländerbeirats und 2007 bis 2016 Stadtverordneter in Rüsselsheim. Dass er aber auf eine Stufe mit der AfD gestellt wird, verärgert ihn, sagt er im Gespräch mit dem Echo. Der AfD werde rechtspopulistisches Denken nachgesagt. "Ich bin ein gläubiger Mensch. Meine Religion verbietet mir als Muslim rassistische Gedanken", betont er.

Dem würde die AfD widersprechen, die sich im Februar über die Bezeichnung "Ungläubige" für Nicht-Muslime auf der Facebookseite der ADR empört hatte. Koca erklärt dieser Zeitung gegenüber, der Begriff sei nicht abwertend gemeint, damit habe er lediglich Atheisten bezeichnet, also Menschen, die keiner Religion angehörten.

Seit 41 Jahren in Rüsselsheim

Erdal Koca wird ebenfalls vorgeworfen, ein Mitglied der Grauen Wölfe zu sein, einer türkischen rechtsextremistischen Bewegung in Deutschland. Die Beschuldigung sei nicht neu, sagt Koca. Sei sie doch mit einer der Gründe dafür gewesen, dass er nach eigenen Aussagen schon 2015 die CDU-Fraktion verlassen habe. Genaugenommen werde dem Verein Türk Federasyon, dessen Mitglied er ist, vorgeworfen, den Grauen Wölfen nahe zu stehen. "Es ist kein Geheimnis, wo ich hingehe", sagt Koca. Er sei nie Zeuge extremistischer Handlungen geworden, noch sei er daran beteiligt gewesen, stellt er klar. Er interessiere sich nicht für Weltpolitik, sondern für das Leben in Rüsselsheim.

Die Opelstadt ist seit 41 Jahren seine Heimat, nachdem Koca 1980 mit seiner Mutter aus der Türkei nach Deutschland gekommen war. Dort wohnt und arbeitet der gelernte Maschinenbautechniker und Vater von drei Töchtern heute noch.

Dennoch sei er der "Buhmann" für viele, ist Koca enttäuscht, dass die ADR von den Fraktionsverhandlungen ausgeschlossen wurde. Auch wenn der 54-jährige Rüsselsheimer keine politischen Partner in der Stadtverordnetenversammlung hat, wolle er mit seinen 20 Mitstreitern bei der ADR das politische Geschehen, so weit möglich, mitgestalten.

"Ich möchte etwas für Rüsselsheim tun", sagt Koca. Deshalb habe er eine eigene Liste gegründet, die aus jungen, mehrheitlich türkischstämmigen Mitgliedern bestehe. "Ich will sie motivieren, sich politisch zu engagieren. Vielleicht bleibt der ein oder andere über diese Legislatur hinaus aktiv", so Kocas Wunsch für die jüngeren Mitglieder der Liste.

Ein Anliegen der ADR sei unter anderem ein ausgeglichener Haushalt, der in der Corona-Krise in weite Ferne gerückt zu sein scheint. "Viele Politiker sind vorher eingeknickt, weil sie Wahlkampf gemacht haben", sagt Koca mit Blick auf seine ehemaligen Parteikollegen bei der CDU.

Wahlrecht auch für Ausländer

Ein wichtiges Anliegen, auch als erneutes Mitglied des Ausländerbeirats, sei, das Wahlrecht für Ausländer auf kommunaler Ebene durchzusetzen. "Es ist ungerecht, dass jemand nicht wählen darf, obwohl er jahrzehntelang in Deutschland gelebt hat. Viele Menschen, die ich kenne, haben diesen Wunsch. Sie sind frustriert." Und ein drittes Thema: umweltfreundlicher Wohnungsbau. Private Bauherren in Rüsselsheim würden nicht ausreichend auf energiesparende Bauweisen und Heizungsanlagen aufmerksam gemacht, findet Koca. Angesichts des geplanten Bauvorhabens auf der Eselswiese bei Bauschheim müssten die Bemühungen um ein klimafreundliches Wohngebiet intensiviert werden.

Die Umsetzung dieser Ziele hätte Erdal Koca gerne auch als Mitglied einer größeren Partei verfolgt, wie er sagt. Die Angst vor ihm und seinem Ruf sei allerdings groß. So groß, dass keine der kleineren Listen auf die ADR zugegangen ist. Mit seinen zukünftigen Kollegen in der Stadtverordnetenversammlung möchte es Koca so halten: "Wenn jemand Fragen hat, dann soll er mich bitte direkt ansprechen und nicht hinter meinem Rücken über mich reden." dit

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