Glückliche Zeiten: Bianca und Mathias Menssen mit ihren „Ziehkindern“ am Tag der Freilassung im September.

Tierschutz

Erneuter Hundeangriff: Schwan wegen Bissverletzung in Gießener Vogelklinik gebracht

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Nach einem erneuten Hundeangriff wird einer der Rüsselsheimer „Stöpsel“ in der Gießener Vogelklinik behandelt. Zwei weitere Schwäne haben sich von der Gruppe separiert.

Seit acht Monaten beschäftigt ein federkleidtragendes Phänomen die Rüsselsheimer: die „Stöpselchen“, anfangs acht, später zehn kleine Schwäne. Nach der Vertreibung der Schwaneneltern durch Hunde noch im Ei gerettet, ausgebrütet, aufgezogen und wieder ausgewildert von der Familie Menssen haben sie bereits jetzt ein fast filmreifes Leben hinter sich. Aber auch drei Monate nach der Freilassung der Tiere kehrt noch keine Ruhe ein.

„Die Schwäne haben sich in Bischofsheim an der Rampe angesiedelt“, erzählt Bianca Menssen, Ziehmutter der Vögel. Vollzählig sind sie allerdings nicht mehr: „Einer der Schwäne ist mit einer anderen Gruppe weggeflogen, ein anderer ist vermisst“, sagt Menssen.

Auch er könne theoretisch weggeflogen sein, genau wisse man es nicht. Das schwerste Schicksal allerdings hat jüngst den größten der „Stöpsel“ ereilt.

Auffällige Abwesenheit

Am letzten Novembermontag erscheint das Tier nicht wie gewohnt beim morgendlichen Besuch der Menssens. „Das kann mal passieren, aber am nächsten Tag war er auch nicht da“, so Bianca Menssen.

Dann sprechen sie zwei Hundebesitzerinnen an – sie hätten den Schwan gesehen, er sei möglicherweise verletzt gewesen und habe sich beim Näherkommen ins Wasser geflüchtet.

Am Dienstag (27.) findet Bianca Menssen dann den Vermissten – am Hochheimer Ufer. Bei der Tierärztin wird schnell festgestellt, dass das Bein gebrochen, der Flügel verletzt ist – durch einen Hundeangriff. Bianca und Mathias Menssen bringen den jungen Schwan in die Vogelklinik der Gießener Uni.

„Dort hat man den Bruch gerichtet, aber die Wunde am Flügel hat sich durch den Hundebiss entzündet“, erzählt Menssen. Das Paar lässt den Vogel stationär dort, er wird operiert.

Das Implantat, dass der Vogel außen am Bein trägt, muss später noch entfernt werden, aber auf Medikamente ist er nicht mehr angewiesen: „Wir rechnen im Grunde nicht mehr mit Komplikationen“, sagt Prof. Dr. Michael Lierz, Leiter der Klinik.

Zurück in den Garten

In den nächsten Tagen kommt der Vogel also erst einmal für vier Wochen zurück in den Garten der Menssens – dorthin, wo alles begann. „Die Wunde darf nicht nass werden, außerdem muss sichergestellt werden, dass er nirgendwo hängenbleibt“, so Lierz.

Fliegen kann der Schwan durch den verletzten Flügel ohnehin nicht, die Flucht ist also ausgeschlossen. „Wenn der Schwan wieder zurück zu uns kommt, ist es Anfang Januar. Dann darf er wieder ins Wasser“, so Bianca Menssen. Die Frage sei nur, ob die Schwanengruppe den rekonvaleszenten Artgenossen überhaupt wieder aufnehme.

Danach heißt es möglicherweise Abschied nehmen: „Entweder die Schwäne teilen sich auf und fliegen irgendwann weg, oder sie gründen ihre eigenen Familien und bleiben hier“, so Menssen. Bis dahin will sie weiterhin regelmäßig nachschauen, ob es den Tieren gut geht. „Momentan fahren wir jeden Morgen hin und füttern etwas zu“, sagt sie.

Es gebe nicht genug Futter, dennoch seien die Tiere nicht ausschließlich auf sie angewiesen. Sie seien wohlgenährt und haben auch oft weniger Hunger als noch zu Anfangszeiten. „Wenn sie nicht mehr so viel brauchen, ist es ja gut“, so Menssen. Wenn sie morgens an der Rampe ankomme, watscheln ihr die „Stöpsel“ schon entgegen. „Das passiert aber nur bei uns“, weiß sie. Bei Fremden zögen sie sich zurück aufs Wasser.

Rund 800 Kilogramm Futter hat die Familie über die Zeit bereits für die Tiere bereitgestellt – ein enormer Kosten- und Zeitaufwand. „Ab und an bekommen wir noch Futterspenden von Bekannten und Verwandten. Die benötigen wir auch“, sagt Menssen.

Prof. Dr. Michael Lierz rät hier allerdings dazu, die Fütterungen langsam ausschleichen zu lassen. „Die Tiere sind alt genug,um bei knappen Ressourcen abzuwandern und sich eigene Territorien zu suchen – so wie es von der Natur vorgesehen ist.“

Für ihre Schützlinge wünscht sich Bianca Menssen vor allem eines: „Die Leute sollen ihre Hunde bitte festhalten, wenn sie an die Stelle kommen.“ Zwar reagierten die Tiere vorsichtig auf Hunde, aber es seien schließlich immer noch Handaufzuchten, die auch während der Pflegezeit bei den Menssens mit Hunden aufgewachsen sind.

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