Übung auf Werksgelände

Ernstfall mit verletzten Opel-Mitarbeitern nach einem Giftunfall simuliert

Wenn Personen mit einer ätzenden Säure in Berührung kommen, müssen sie so schnell wie möglich dekontaminiert werden. Am GPR-Klinikum üben Einsatzkräfte, wie so etwas im Ernstfall abzulaufen hat.

Die Rettungsdienste rauschen mit Martinshorn und Blaulicht auf das Werksgelände der Firma Opel. Salzsäureaustritt. Eine Leitung leckt. Mehrere Arbeiter und Besucher kamen mit der ätzenden Säure in Berührung. Sie sind kontaminiert. Eile ist geboten. Am GPR-Klinikum wird an der Patientenannahme eine Dekontaminations-Verletzten-Strecke eingerichtet. Dorthin werden die Opfer des Unglücks transportiert.

Doch keine Sorge. Alles nichts Ernstes, alles nur simuliert. Die Katastrophenschutzeinheiten des Kreises spielen mit riesigem Aufwand gleich an mehreren Orten verschiedene Szenarien durch (siehe Info-Kasten).

Am GPR-Klinikum ist ein dreistufiges Konzept aufgebaut, erläutert Christoph Lösel, beim Kreis Fachberater für atomare, biologische und chemische Gefahrenstoffe. Vor der Zeltreihe warten bereits die ehrenamtlichen Einsatzkräfte des Malteser Hilfsdienstes in ihren grünen Gebläseschutzanzügen. Über Filter wird Luft in den Anzug geblasen. „Im Moment ist das noch angenehm“, sagt Danny Schlegel. Er bewegt sich ganz normal in dem Anzug. Es ist möglich, bis zu anderthalb Stunden in diesem Anzug zu arbeiten.

„Zieht ihnen dann die Kleidung aus“, bittet Kreisbrandmeister Sönke Seewald unterdessen die beiden Helfer. Die Ankunft des ersten Rettungswagens wurde angekündigt.

Ein mit freiem Oberkörper, nur mit Hose bekleideter und in einer wärmender Decke eingehüllter Mann mit einer Verletzung am Bauch wird aus dem Wagen in das erste, rote Zelt geführt.

Dort ziehen ihm Schlegel und Lilly Claudi die Kleidung aus. Die Unfallopfer tragen Badehosen oder Badeanzüge. Im Echtfall werden sie bis auf die nackte Haut ausgezogen. Denn sie müssen im nächsten, weißen Zelt gründlich dekontaminiert werden. Der Riss an der Bauchdecke sieht täuschend echt aus. Die Rettungshelfer decken ihn ab, sodass die Wunde nicht etwa verschmutzt wird.

Der Patient liegt auf einer Trage, die über Schienen durch die Rettungszelte rollt. „Das ist aber kalt“, Andreas Erhard zuckt im weißen Zelt zusammen. Helge Lachner und Deniz Gomez vom Malteser Hilfsdienst verzichten deshalb auf das Absprühen, sondern waschen ihn per Hand mit einem Schwamm.

Erhard empfindet die Situation als ungewöhnlich. Mit der Taucherbrille, die er zum Schutz der Augen trägt, sieht der ehrenamtliche Helfer vom DRK kaum etwas. Er fühle sich dennoch in sicheren Händen, betont er.

Für Lachner und Gomez ist das Waschen des kontaminierten Patienten dagegen nichts Außergewöhnliches. Sie empfinden auch keine Scham beim Waschen des fremden Körpers. „Wir üben das ja“, macht Lachner deutlich.

Die Helfer des Malteserdienstes sprechen immer wieder mit dem Patienten. Kreisbrandinspektor Fred Schmidt hebt die Bedeutung des Kontaktes zwischen den Unfallopfern und der Rettungsdienste hervor. „Stellen Sie sich vor, Sie liegen hier und da sind so grüne Menschen um Sie herum“, versetzt er sich in die Situation der Verletzten.

Um ihnen zu zeigen, dass sie nicht etwa von grünen Marsianer entführt wurden, haben die Schutzanzüge extra große Sichtscheiben, sodass das Gesicht der Helfer deutlich zu sehen ist.

Gleich hat es Andreas Erhard geschafft. Im dritten, grünen Zelt wird er von Robert Schmidbauer und Ersin Celik abgetrocknet. Von ihnen erhält er frische Kleidung und wird in das GPR-Klinikum überführt.

„Das hat alles ganz gut funktioniert“, bilanziert Lösel. Diese großen Katastrophenschutzübungen werden nicht jedes Jahr durchgeführt. Der Aufwand sei viel zu groß. Es sei aber wichtig, bei großen Übungen Szenarien durchzuspielen. Schmidt erinnert daran, dass hier ehrenamtliche Helfer im Rettungsdienst im Einsatz sind.

An der gesamten kreisweiten Übung waren etwa 380 Einsatzkräfte, 20 Verletzte und 20 Übungsleiter von Feuerwehren, sowie Rettungs- und Hilfsdiensten beteiligt. Neben der Firma Opel und dem GPR-Klinikum waren die Martin-Buber-Schule Groß-Gerau (Unfall im Chemiesaal), die Kreisstraße 152 bei Stockstadt (Tierseuchenbekämpfung), die Waldstraße Biebesheim (Verkehrsunfall) und der ICE-Rettungsplatz in Kelsterbach (Überprüfung des Einsatzplanes für einen Unfall im Bahntunnel) Einsatzorte.

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