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Besorgt: Albrecht Schmidt besieht sich die Schäden, die von dem Spritzmittel im Weinberg verursacht wurden.

Winzerfreunde bangen um ihre Trauben

Die Ernte fällt mager aus

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Vertrocknete Trauben verhageln den Rüsselsheimer Winzern die diesjährige Ernte. Rund 30 Prozent weniger Ertrag als üblich wird der Weinberg dieses Jahr wohl liefern. Immerhin wissen die Winzer, woran das liegt.

Die Rüsselsheimer Winzerfreunde haben in diesem Jahr wenig Spaß, wenn sie durch ihren kleinen Weinberg an der Frankfurter Straße gehen und sich die kommende Ernte betrachten. 250 Weinreben wachsen dort, und rund 70 Prozent werden nicht den Ertrag liefern, den sich die Winzerfreunde erhofft hatten. Verdorrte und vertrocknete Trauben hängen fast an jeder Rebe –ein Anblick, der Weinliebhabern die Mundwinkel nach unten rutschen lässt. „Da haben sich die Trauben nicht so entwickelt, wie sie sollten“, sagt Albrecht Schmidt, der Vorsitzende des Vereins, der den Weinberg betreut.

Schuld ist nach Angaben von Schmidt ein fehlerhaftes Spritzmittel, welches dieses Jahr eingesetzt wurde. „Das ist nicht nur bei uns ein Problem, sondern auch in den großen Weinanbaugebieten im Rheingau oder an der Mosel.“ Ein Gutachter hat sich im Auftrag des Spritzmittel-Herstellers die Schäden an der diesjährigen Ernte angeschaut. Ob es eine Kompensation geben wird, steht noch nicht aus.

In jedem Fall müssen sich die Winzer auf eine magere Ernte einstellen. Rund 30 Prozent weniger als sonst werden die Weinreben an der Frankfurter Straße wohl abwerfen, schätzt Schmidt. Üblicherweise produzieren die Winzerfreunde rund 300 Liter ihres Rebensaftes, wovon 20 Prozent als Pachtabgabe für den Weinberg an die Stadt gehen.

Wie lange die Trauben, die sich doch wie gewünscht entwickelt haben, noch an den Rebstöcken hängen bleiben, steht noch nicht fest. „Das hängt ein bisschen davon ab, wie sich das Wetter entwickelt. Und wir müssen den Termin auch mit dem Weingut, mit dem wir zusammenarbeiten, abstimmen, damit die Trauben tagesfrisch verarbeitet werden. Aber es kann sein, dass wir in etwa vier Wochen mit der Lese beginnen.“

Im Oktober soll dann der Wein des Vorjahres erstmals präsentiert werden. Das Etikett für die Flaschen wurde diesmal von dem bekannten Rüsselsheimer Künstler Hans Diebschlag gestaltet, der Ende vergangenen Jahres gestorben ist. „Wir sind traurig, aber auch ein bisschen stolz darauf, dass er sein letztes Bild für uns gemalt hat“, sagt Schmidt.

Sind Weinlese und Weinvorstellung absolviert, geht es für die Weinfreunde mit einem vollen Terminplan in den Endspurt des Jahres 2015. Und sie denken schon jetzt weiter, nämlich bis 2017. Dann wollen sie beim Hessentag vertreten sein. Immerhin wurde die Rebsorte Riesling im Jahr 1435 erstmals urkundlich in Rüsselsheim erwähnt – Grund genug, sich gebührend auf dem Fest der Hessen zu präsentieren und die stolze Wein-Vergangenheit und Gegenwart der Stadt zu dokumentieren.

Beim geplanten Weindorf im Vernapark werden die Rüsselsheimer aber nicht mit dabei sein. „Wir haben uns sehr früh festgelegt und im Vorstand beschlossen, selbst etwas auf die Beine zu stellen. Im Weindorf wären wir nur einer unter vielen gewesen“, erklärt der Vereinsvorsitzende. Statt dessen soll der Weinberg an der Frankfurter Straße genutzt werden, zudem der gegenüberliegende Park. „Dann sitzen wir direkt am Anfang der Hessentagsmeile“, sagt Schmidt. Alleine stemmen werden die Winzerfreunde ihr Programm nicht, sie hoffen auf mögliche Kooperationen, um etwa auch ein Essensangebot auf die Beine zu stellen.

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