In der Innenstadtwache in der Marktstraße soll die Stadtpolizei Präsenz zeigen und damit das Sicherheitsgefühl der Bürger verbessern. Für viele Rüsselsheimer hat sich seit dem Bezug der Wache jedoch nichts geändert.
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In der Innenstadtwache in der Marktstraße soll die Stadtpolizei Präsenz zeigen und damit das Sicherheitsgefühl der Bürger verbessern. Für viele Rüsselsheimer hat sich seit dem Bezug der Wache jedoch nichts geändert. (Archiv)

Ordnung

Ernüchternde Bilanz: Die neue Innenstadtwache wird kaum wahrgenommen

  • Dorothea Ittmann
    VonDorothea Ittmann
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Ein enttäuschendes Ergebnis: Die Innenstadtwache in Rüsselsheim wird kaum wahrgenommen. Bürger wünschen sich stärkere Kontrollen von Radfahrern und Auto-Posern.

Rüsselsheim - Geschäftig laufen die Menschen die Marktstraße entlang. Manche sind auf dem Weg zum Bahnhof, andere wollen zum Bäcker oder über die Löwenpassage zum Parkhaus. Weitgehend unbeachtet bleibt der Stützpunkt der Stadtpolizei. Die Schaufenster sind blickdicht beklebt, über dem früheren Ladengeschäft steht in blauen Lettern „Innenstadtwache“.

Tagsüber soll die Wache Ausgangspunkt für die Fußstreifen der Stadt- und Hilfspolizei, die Einsatzkoordination sowie Anlaufstelle für Beratungsgespräche mit Bürgern sein, hatte die Stadt kurz vor der Eröffnung der Wache im Dezember 2020 mitgeteilt. Feste Öffnungszeiten gibt es immer noch nicht, dafür eine Telefonnummer und E-Mail-Adresse der Stadtpolizei.

Rüsselsheim: Neue Innenstadtwache wird kaum wahrgenommen

Präsenz sieht anders aus, findet Mathias Flörsheimer von der WsR. Und das von Oberbürgermeister Udo Bausch (parteilos) versprochene Sicherheitsgefühl in der Innenstadt habe sich ebenfalls nicht eingestellt. „Solange die Landespolizei nicht dabei ist, bleibt die Innenstadtwache ein Placebo. Schwerkriminalität kann so nicht bekämpft werden“, kritisiert Flörsheimer. Er erinnert an die Schießerei im April 2019 am Europaplatz und die Messerstecherei im Juni 2020 in der Löwenstraße.

Die Stadtpolizei ahndet in der Tat keine schweren Delikte wie Körperverletzung und Drogenbesitz. Was tut sie dann?, möchte die Besuchergruppe vor der Innenstadtwache wissen. Die WsR hatte für den vergangenen Donnerstagnachmittag dorthin eingeladen, um eben diese Fragen zu stellen. Norbert Kathmann von der Stadtpolizei gibt einen Einblick: Kontrollen von Baustellen, mobiler Beschilderung im Straßenverkehr, Schulwegen, öffentlichen Versammlungen und schließlich Gaststättenkontrollen. „Bei der Bekämpfung des illegalen Glücksspiels nehmen wir eine Vorreiterrolle im Kreis ein“, hebt Oliver Hiss vom städtischen Ordnungsamt hervor.

Rüsselsheim: Beschwerden über rasende Radfahrer in Fußgängerzone und Auto-Poser

Die Rüsselsheimer Gemüter werden an dem Tag jedoch besonders von diesen beiden Themen bewegt: rasende Radfahrer in der Fußgängerzone und laute nächtliche Treffen der Tuning- und Poser-Szene auf öffentlichen Plätzen. „Die Radfahrer fahren vor ihrer Fensterscheibe vorbei“, wirft Flörsheimer der Stadtpolizei Untätigkeit vor. Tatsächlich dürfen Radfahrer hier nur in der Zeit von 19 bis 8 Uhr im Sattel sitzen, tagsüber ist in der Marktstraße Schieben angesagt. Daran hält sich jedoch kaum jemand.

„Wer in Schrittgeschwindigkeit unterwegs ist, wird geduldet“, sagt Kathmann. Die Raser würden zur Kasse gebeten. Mit Rücksicht auf personelle Grenzen und das breite Aufgabengebiet sei es jedoch nicht möglich, die Radfahrer in der Fußgängerzone zu jeder Tageszeit zu kontrollieren, bittet der Stadtpolizist um Verständnis. Flörsheimer lenkt ein. Dennoch beharrt er, man könnte solche Vergehen konsequenter ahnden. „In solchen Dingen ist die Vernunft der Bürger gefragt“, hält Kathmann dagegen.

Ähnlich verhält es sich im Umgang mit Poser-Treffen vor der Großsporthalle, am Landungsplatz und vor dem Stadttheater. Kontrolliert die Stadtpolizei, geben sich die jungen Menschen verständig. Werden Plätze gesperrt, weicht die Szene auf andere Flächen aus. „In Zivil“ dürfe die Stadtpolizei allerdings nicht ermitteln, stellt Oliver Hiss klar; Uniform sei Vorschrift. „Man muss den jungen Menschen auch Raum bieten“, spricht sich Kathmann gegen rigorose Sperrungen und Platzverweise aus.

Rüsselsheim: Mögliche Lösungsansätze für eine sichere Innenstadt

Für die „Rennstrecke“ am Landungsplatz gebe es womöglich eine Lösung, deutet Linda Kliese-Dürrich, Leiterin der Stabstelle Sichere Innenstadt, an. „Es wird gerade baulich geprüft, ob eine Schranke vor dem Parkplatz installiert werden kann.“ Ist dies möglich, werde die Stadtverordnetenversammlung über das weitere Vorgehen beraten.

Und was kann die Stadtpolizei gegen herrenlose E-Scooter auf den Bürgersteigen tun? „Wenn Sie feststellen, dass ein E-Scooter im Weg steht, können Sie entweder die Polizei oder das Ordnungsamt rufen“, sagt Kathmann. Diese würden dann abgeschleppt. Derzeit sei man mit dem Anbieter im Gespräch, damit die Scooter mit Kontakthinweisen versehen werden. In Zukunft sollten solche Anrufe direkt bei dem zuständigen Unternehmen eingehen, das sich dann um die Roller kümmert.

Eigentlich heißt es in der Marktstraße: absteigen und schieben. Nur wenige halten sich daran, was die Fußgänger ärgert.

Die Besucher der Innenstadtwache haben an dem Tag einiges über die Arbeit der Stadtpolizei und des Ordnungsamtes erfahren. Ihr Tipp: „Ihre Arbeit wird nicht wahrgenommen. Sie müssen mehr Präsenz zeigen.“ Kliese-Dürrich versichert, dass die Social-Media-Präsenz der Stadtpolizei verstärkt wird. Je nach Besetzung der Wache, könnten Bürger zwischen 8 und 18 Uhr vorbeikommen. Sollte gerade niemand da sein, sei die Polizei unter (0 61 42) 83-24 00 erreichbar oder per E-Mail an Stadtpolizei@ruesselsheim.de. (dit)

Auch in einem Rüsselsheimer Brennpunkt beklagten sich Bewohner über die Zustände im Stadtteil. Die Bewohner im Dicken Busch sagen: „Wir fühlen uns hier nicht mehr wohl.“

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