Trinkwasser

Erster Teil der neuen Riedleitung in Betrieb

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Zwischen Rüsselsheim und Raunheim ist eine zentrale Wasserleitung verlegt worden. Die Versorgung in der Region ist damit nun gleich doppelt gewährleistet.

Dass am Eingang Ohropax ausliegen, hat seinen Grund. Denn in der Halle mit den riesigen Rohren dröhnt und wummert es. Doch auch die Gäste, die vergessen haben, sich zum Schutz gegen den Lärm etwas in die Ohren zu schieben, scheinen gut gelaunt. Gemeinsam gehen sie zum großen Ventil, posieren vor dem Handrad, um symbolisch das Zeichen zu geben: Wasser marsch. Zunächst sind Regierungspräsidenten Brigitte Lindscheid (Grüne) und Hessenwasser-Geschäftsführerin Elisabeth Jreisat dran. Dann kommen auch die anderen Würdenträger, Vorstände der Versorgungsunternehmen, denen die Wasserbeschaffungsgesellschaft gehört, dazu Lokalpolitiker. Fotos, Blitzlicht, alle freuen sich. Obwohl angekündigt, fehlt Rüsselsheims Oberbürgermeister Udo Bausch (parteilos). Terminprobleme, heißt es.

Dabei war es ein

Mammut-Projekt

, dessen Fertigstellung am Freitag an der Behälteranlage im Stadtteil Haßloch gefeiert wurde. Damit in der Region das Trinkwasser künftig auch im trockensten Sommer nicht knapp wird, ist zwischen der Anlage und einer anderen am Main bei Raunheim der erste Teil für eine zweite, parallel verlaufende Riedleitung in Betrieb genommen worden.

Etwa die Hälfte des Trinkwassers für das Rhein-Main-Gebiet kommt aus dem Ried. Die erste Leitung wurde vor gut einem halben Jahrhundert ab Gernsheim gebaut und gilt als Rückgrat für die Versorgung. In Rüsselsheim teilt sie sich auf, Richtung Frankfurt, Wiesbaden und in den Taunus.

Der erste Abschnitt der neuen Leitung ist nun nach einem Jahr Bauzeit pünktlich fertig geworden. Die Kosten belaufen sich auf rund 8 Millionen Euro. Die Länge des Teilstücks beträgt vier Kilometer. Mit ihm wurde beim Bau der Leitung der Anfang gemacht, weil in Haßloch bis zu 40 000 Kubikmeter Wasser gespeichert werden. Die haben mit der zweiten Leitung nun eine doppelte Absicherung bekommen. „Der erste Abschnitt steht für die moderne Struktur, die wir benötigen, um den Ballungsraum mit Trinkwasser zu versorgen“, macht Jreisat bei ihrer Ansprache deutlich. Die vier Kilometer seien jedoch erst der Anfang. Die vorbereitenden Arbeiten zur Planung des nächsten Abschnitts von rund 17 Kilometer im mittleren Hessischen Ried seien bereits aufgenommen worden. „Die Leitung muss aus Gründen der Versorgungssicherheit verdoppelt werden, schon um die Bestandsleitung sanieren zu können“, gibt die Hessenwasser-Chefin zu bedenken.

Anschließend ergreift Regierungspräsidentin Lindscheid das Wort. Nachdem sich ihre Behörde 20 Jahre lang mit dem Grundwasser-Bewirtschaftungsplan beschäftigt habe, befinde man sich mit der zweiten Leitung nun in einer „komfortablen Situation“. Lindscheid lobt die Zusammenarbeit mit Hessenwasser, weist aber daraufhin, dass es bei der Überwachung solcher Projekte auch die Aufgabe des Regierungspräsidiums sei, „den Finger in die Wunde zu legen“, zum Beispiel mit Blick auf den Naturschutz.

Denn der Bau der Leitung verlief auch durch den Haßlocher Bannwald. Dabei handelt es sich um ein Stück Forst, das wegen seinem Nutzen für die Umwelt als schützenswert gilt. So wurden die Eingriffe in die Natur dann auch so gering wie möglich gehalten. Zum Schutz von Brutvögel gab es sogar eine dreimonatige Baupause.

Nachdem die Reden gehalten sind, gibt es im eigens aufgebauten Pavillon noch Häppchen für die Gäste. Oben am Himmel ziehen sich die Wolken zusammen. Es sieht nach Regen aus.

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