Die Erfahrungen der letzten Tage in Rüsselsheim hätten gezeigt: Maske ja, aber nicht den ganzen Schultag lang. Und wenn, dann mit Pausen. Das fordert die GEW.
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Die Erfahrungen der letzten Tage in Rüsselsheim hätten gezeigt: Maske ja, aber nicht den ganzen Schultag lang. Und wenn, dann mit Pausen. Das fordert die GEW.

Unterricht in Corona-Zeiten

Maskenpflicht ist unzumutbar - Lehrer mit erstem Fazit

Die erste Woche mit Corona-Mund-Nasen-Schutz, auch im Unterricht, habe gezeigt: Es gibt große Probleme. Von Kopfschmerzen, Übelkeit, fehlender Konzentration berichten Pädagogen. Die Lehrergewerkschaft GEW im Kreis Groß-Gerau stellt deshalb eine Forderung auf.

  • Maskenpflicht macht Schülern im Unterricht zu schaffen
  • GEW stellt „Sofortforderung“ an das Land Hessen
  • Befristung könnte wegen hoher Corona-Zahlen sogar verlängert werden

Rüsselsheim - Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) im Kreis Groß-Gerau hält eine Maskenpflicht über den gesamten Schultag mit bis zu acht Zeitstunden für unzumutbar und unverantwortlich und erhebt deshalb die dringliche "Sofortforderung" an das Land Hessen und an die kommunalen Behörden: Überall dort, wo die Behörden eine Maskenpflicht für die Schulen anordnen oder die Schulkonferenz einen solchen Beschluss gefasst hätten, solle der Unterricht sofort auf maximal zwei Doppelstunden am Tag mit einer halbstündigen Pause zu begrenzt werden, heißt es in einer Pressemitteilung der GEW.

In Teilen des Landkreises Groß-Gerau wurde vor einer Woche eine Maskenpflicht auch im Unterricht angeordnet. Inzwischen lägen der Gewerkschaft zahlreiche Berichte aus Schulen im Kreis Groß-Gerau über die Erfahrungen mit der Maskenpflicht im Unterricht vor, die die Belastungen durch Kopfschmerzen, fehlende Konzentration, Übelkeit und ein stark reduziertes Wohlbefinden dokumentierten: "Die Masken behinderten die pädagogische Arbeit und sind Kindern, Jugendlichen und Lehrkräften über viele Stunden am Tag einschließlich der Ganztagsangebote nicht zuzumuten", heißt es weiter.

Die Belastung werde durch die aktuellen Temperaturen und völlig unpraktikable Vorgaben des Landes und des Kreisgesundheitsamts weiter erhöht. Wenn man die Anweisung ernst nehme, dass "vor und nach dem Abnehmen der benutzten Mund-Nasen-Bedeckung die Hände gründlich mit Seife zu waschen oder zu desinfizieren sind", bleibe kaum noch Zeit für den Unterricht.

Corona in Hessen: Maskenpflicht im Unterreicht könnte sogar verlängert werden

Wegen der weiter hohen Infektionszahlen sei nicht davon auszugehen, dass die vorläufige Befristung bis zum 30. August aufgehoben werden könne.

Der GEW-Kreisverband habe bereits in seiner Stellungnahme zum Schuljahresbeginn zur Maskenpflicht in der Schule Stellung genommen. Die Maskenpflicht werde zwar von vielen Lehrerinnen und Lehrern begrüßt, da alle anderen Schutzmaßnahmen, insbesondere die in allen anderen Bereichen des öffentlichen Lebens geltenden Abstandsregeln, von der Landesregierung aufgehoben wurden, doch machten alle Rückmeldungen deutlich, dass die Maskenpflicht im Schulalltag mit großen Problemen verbunden sei.

Auch Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) habe noch unmittelbar vor den Sommerferien erklärt, er halte einen Unterricht mit Maske für "pädagogisch grenzwertig".

Corona: Maskenpflicht „unzumutbar und unverantwortlich“

Der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte Thomas Fischbach sehe laut GEW hingegen die Leistungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler durch das Tragen einer Mund-Nase-Maske im Unterricht beeinträchtigt. Ignoriert würden auch die Vorschriften der Berufsgenossenschaften, dass je nach Maskenart nach 75 bis 120 Minuten eine 30-minütige "Maskenpause" eingelegt werden müsste, erklärten die Gewerkschaftsvertreter. .

Für die Schulen im Kreis Groß-Gerau, die jetzt von der Maskenpflicht im Unterricht betroffen seien, stelle die GEW eine ganz konkrete Forderung auf: "Eine Maskenpflicht über den gesamten Schultag mit bis zu acht Zeitstunden ist unzumutbar und unverantwortlich. Deshalb muss der Unterricht überall dort, wo die Behörden diese für die Schulen anordnen, sofort auf maximal zwei Doppelstunden am Tag mit einer halbstündigen Pause begrenzt werden."

Die Umsetzung müsse den Schulen überlassen bleiben. Versetzte Anfangs- und Pausenzeiten müssten dafür sorgen, dass es eine echte Maskenpause gäbe, in der Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte mit Abstand die Maske abnehmen könnten.

Maskenpflicht im Unterricht ist letzte "Eskalationsstufe"

Mit der Maskenpflicht im Unterricht sei bereits die „letzte Eskalationsstufe“ erreicht. Die GEW fordert deshalb, dass umgehend die notwendigen Vorbereitungen getroffen werden, „um notfalls auch kurzfristig wieder zum Unterricht in kleineren Lerngruppen, in denen das Abstandsgebot eingehalten werden kann, zurückkehren zu können“. Dazu müssten Stundenpläne vorgehalten werden, die sowohl Stunden im Präsenzunterricht vorsehen als auch verlässliche und verbindliche Regelungen für das Lernen zu Hause.

Dabei lässt die GEW keinen Zweifel daran, dass sie Abstandsregeln, das Tragen von Masken und die Regelungen für Veranstaltungen für zwingend erforderlich hält, um die Verbreitung des SARS-CoV-2-Erregers zu begrenzen.

Es sei deshalb unverantwortlich, ausschließlich in der Schule auf die Abstandsregeln zu verzichten, und das "über viele Stunden mit viel zu vielen Menschen in zu kleinen Räumen, die man oft nur schlecht lüften kann". red

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