Im Oktober 2020 hat Maximilian Dünkel die Standortleitung für die Motorworld in Rüsselsheim übernommen. fotos: rko
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Im Oktober 2020 hat Maximilian Dünkel die Standortleitung für die Motorworld in Rüsselsheim übernommen.

"Es gibt auch eine Zeit nach Corona "

ENTWICKLUNG Motorworld-Standortleiter Maximilian Dünkel führt "lockere Gespräche" mit möglichen Mietern

Rüsselsheim -Einen klitzekleinen Eindruck, was die schwäbische Motorworld Group im Rüsselsheimer Opel-Altwerk verwirklichen möchte, gibt die Ausstellung am Bahnhofsplatz. Dort stehen Opel-Oldtimer neben einem Mercedes. Dort entführt ein Gastronomiebereich mit Theke und Tischen, ohne dass dort jemals Gäste einen Kaffee zu sich nehmen werden, in längst vergangene Zeiten. Sozusagen eine Miniatur-Motorworld, die das große Ganze noch nicht aufgenommen hat. "Die Optik ist historisch, mit Wohlfühlatmosphäre, aber es wird nicht alles in diesem Stil eingerichtet", erklärt Standortleiter Maximilian Dünkel.

Die Stadtverordneten hatten im September den Bebauungsplan des Altwerks beschlossen. Jetzt kann Motorworld loslegen. Dünkel, Mitte 20 und aus der Familie von Motorworld-Gründer Andreas Dünkel, macht gleich mal darauf aufmerksam: Es sei durchaus ungewöhnlich, ein Gelände ohne Bebauungsplan zu übernehmen.

Für die Motorworld Manufaktur Rüsselsheim stehen respektable 6,6 Hektar zur Verfügung. Zum Vergleich: Das gesamte Gelände des Autobauers umfasst 250 Hektar. Im Altwerk soll ein Bereich mit Werkstatt und Restauration für Automobile entstehen. Dort wird geschraubt - und dabei können Besucher zuschauen. Im Sprachgebrauch von Dünkel ist das eine "gläserne Werkstatt". Zudem können Privatpersonen hier ihre Autos unterstellen. In einer Glasbox, ebenfalls für jeden Besucher einsehbar.

Historische Optik erhalten

Der Zutritt zur Motorworld ist kostenfrei. Auf dem Areal soll Gastronomie, Hotellerie, Einzelhandel, Kleingewerbe, Büros, Veranstaltungsräume und Wohnungen untergebracht werden. Etwa 12 000 Quadratmeter stehen für das Wohnen zur Verfügung, sagt Dünkel. Die Bruttogeschossfläche des gesamten Areals beträgt 115 000 Quadratmeter.

Im Opel-Altwerk soll auch Wohnen möglich sein. Für den Preis bedeutet das ein paar Euro mehr, als in der Umgebung bezahlt werden muss. Im Paket enthalten ist dann aber auch das anvisierte Flair in dem Quartier. Ob die Wohnungen vermietet oder verkauft werden, sei noch offen, so Dünkel. Beides parallel werde es jedoch nicht geben.

Derzeit seien auf dem Gelände Vermesser am Arbeiten. Baubeginn soll im Jahr 2023 sein. Das Nutzungskonzept müsse noch im Detail ausgearbeitet werden.

Eines macht Dünkel deutlich: Die Fassaden würden kaum verändert, die historische Optik bleibe erhalten. Innerhalb der Gebäude stehe eine Kernsanierung an. Motorworld hat Erfahrung mit historischen Plätzen und Gebäuden, auch andere Standorte sind auf historischem Grund entstanden.

Dünkel bietet eine kurze Führung durch das Altwerk an. Hinter dem Haupteingang eröffnet sich ein großer Parkplatz, im Hintergrund sticht die historische Fassade heraus. Hier befanden sich in grauer Vorzeit Produktionsstätten, der berühmte "Laubfrosch" ist hier über das Band gelaufen. Fast hört man noch die Maschinen stampfen, das Werkzeug klappern, riechen Öle und Fette. Das große Glasdach über der Hauptstraße soll erhalten bleiben. "Der Platz soll flexibel genutzt werden", sagt Dünkel. Er denkt an Märkte oder an ein Foodtruck-Festival. Dann öffnet er die größte Halle, wegen der Ranken an der Wand die Efeu-Halle genannt. Ursprünglich war hier mal die Endmontage angesiedelt. "Motorworld passt hier hervorragend hinein", hält Dünkel mit seiner Begeisterung nicht hinter dem Berg.

Hier soll die Ausstellungsfläche für die Automobile eingerichtet werden. Zwei graue Mercedes-Busse, an denen der Zahn der Zeit genagt hat, stehen hier. Baujahr sind wohl die 1960er Jahre, es handelt sich um zwei niederländische Übertragungswagen für das Fernsehen. Aktuell spricht der Investor mit potenziellen Mietern. "Generell ist das Interesse groß, aber es sind derzeit nur lockere Gespräche", informiert Dünkel. Die Resonanz sei jedoch sehr gut, versichert er.

Besonderes Objekt

Corona-bedingt sei die Gastronomie- und Hotelbranche zwar ziemlich gebeutelt. "Aber es gibt auch eine Zeit nach Corona", zeigt Dünkel sich optimistisch für Mietabschlüsse. Dem Einwand des ehemaligen Stadtverordneten Michael Flörsheimer (UL) bei den Beratungen über den Bebauungsplan, die Läden würden erst gar nicht aufmachen, könne er nicht folgen. "Das Opel-Altwerk wird als besonderes Objekt ein Anziehungspunkt sein", ist sich Dünkel sicher. Und es werde hoffentlich auch die Innenstadt beleben. Auch andere Motorworld-Standorte seien vorher nicht von Publikumsverkehr verwöhnt gewesen. Motorworld Böblingen werde inzwischen jährlich von 600 000 Menschen besucht. Rüdiger Koslowski

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