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Falscher Diamantenhändler sitzt ein

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Keine Bewährung für Philipp S.: Der Betrüger muss für zweieinhalb Jahre ins Gefängnis.
Keine Bewährung für Philipp S.: Der Betrüger muss für zweieinhalb Jahre ins Gefängnis. © Patrick Seeger (dpa)

Der Traum vom großen Geld mit Rohöl und Edelsteinen endet für einen Betrüger im Knast. In Trebur hinterließ er 32 000 Euro Schulden.

Betrug lauert überall – und macht selbst vor der Provinz nicht halt. Davon kann der Inhaber eines Treburer Hotels ein Liedchen singen: Bei ihm hatte sich ein international tätiger Gauner – so jedenfalls bezeichnete ihn der Staatsanwalt – für ein Jahr lang eingenistet. Als er bei Nacht und Nebel verschwand, waren 32 000 Euro Mietschulden unbezahlt. Am Mittwoch vor dem Schöffengericht Groß-Gerau gab es ein Wiedersehen. Doch statt Bargeld kassierte der Wirt nur eine Entschuldigung des Beklagten

Die Zechprellerei war nur einer von vier Anklagepunkten, für die sich Philipp S. verantworten musste. Für ein paar Monate brachte der Mann aus Österreich den Hauch der großen weiten Welt nach Trebur, gab sich als Juwelenhändler und wechselweise auch als Mitglied der Opec (das ist die Organisation erdölexportierender Länder) aus, residierte im Zimmer Nummer 13 sowie einer Einliegerwohnung im Hotel und führte von hier aus seine krummen Geschäfte per Telefon.

Fiktive Firma

Im Internet firmierte er mit einer fiktiven Firma. Als ersten größeren Kunden hatte er einen Schweizer Bürger an der Angel, der eine Erbschaft gewinnbringend anlegen wollte. Für drei Diamanten überwies dieser in mehreren Raten mehr als 100 000 Franken (etwas über 85 000 Euro). Doch die Steinchen, die Philipp S. erworben hatte, erwiesen sich als gefälscht und waren nur 3000 Euro wert. Das traute er sich seinem Kunden jedoch nicht zu sagen. Dessen Geld behielt er aber trotzdem und lebte auf großem Fuß.

Dazu gehörten Reisen nach Südafrika, in die arabischen Emirate und in die USA. Dort wollte er die großen Geschäfte im Handel mit Rohöl und Edelsteinen aufziehen, doch die Erfolge waren eher bescheiden. Zurück in Trebur stellte er fest, dass ihm seine Kunden auf den Fersen waren. Und nachdem er eine Frau aus Kulmbach im Internet kennengelernt hatte, zog er es vor, seinen Lebensmittelpunkt vom Rhein nach Oberfranken zu verlegen – freilich, ohne seinem Wirt Lebewohl zu sagen.

In Kulmbach wurde S. bald in mehreren Gaststätten zu einer spendablen Persönlichkeit mit Opec-Beziehungen. Hier interessierte er sich für ein leerstehendes Haus, für das ihm ein Schreinermeister Möbelstücke anfertigten sollte. Doch das Haus blieb leer und der Schreiner sowie eine zweite Firma auf den Kosten sitzen. Zwischenzeitlich waren aus der Schweiz Strafanträge eingegangen. Seit August sitzt nun Philipp S. ein – zuerst in Dieburg, jetzt in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Weiterstadt. Von dort reiste er am Mittwoch in der grünen Minna zum Amtsgericht Groß-Gerau.

Bereits verurteilt

Rund 3000 Euro Mietschulden pro Monat hat der Beklagte in Trebur aufgehäuft, wie der als Zeuge anwesende Inhaber bestätigte. „Da wohnen Sie jetzt billiger in Weiterstadt“, rechnete Amtsrichter Ulrich Eisfeld dem Österreicher vor. Dort kostet die Übernachtung rund 200 Euro, drei warme Mahlzeiten gibt es. Nur die Nachbarschaft sei bisweilen nicht all zu gut.

Danach schlug der Richter das Vorstrafenregister auf und siehe da, die österreichische Justiz hatte einiges zu bieten: Ein Dutzend Geld- und Gefängnisstrafen für Delikte ähnlicher Art. Da konnte auch Staatsanwalt Alessandro di Maria beim besten Willen keine Gründe mehr zu einer Bewährung für den Angeklagten finden, den er als „lieben charmanten Kerl“, aber dennoch „Verbrecher“ bezeichnete. Zwei Jahre und sechs Monate Haft seien der Taten angemessen.

Nur wenige Minuten hatte sich Richter Ulrich Eisfeld mit seinen Schöffen zur Beratung zurückgezogen, um sich schließlich der Forderung des Staatsanwaltes anzuschließen. Philipp S., der noch unter Tränen um Bewährung gebeten hatte, „um die Scherben, die ich angerichtet habe, aufzukehren“, trat unverzüglich nach der Urteilsverkündung wieder eine Reise mit längerer Dauer an: Zurück ins Kittchen nach Weiterstadt.

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