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Per Kran wird der silberne Opel, der am Löwenplatz in der Fußgängerzone stand, auf den Abschleppwagen befördert. Fotos: Sven Westbrock

Verkehr

Falschparken in Rüsselsheim: Zahl abgeschleppter Autos explodiert

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Immer mehr Autos werden in Rüsselsheim abgeschleppt. Grund dafür ist der Einsatz der Stadtpolizei. Im Vergleich zu den Jahren vor ihrer Gründung wurden 2018 etwa hundertmal so viele Wagen an den Haken genommen.

Rüsselsheim - Der silberne Opel muss weg. Denn wo sein Halter ihn am Dienstag abgestellt hat, befindet sich eine Fußgängerzone, in der absolutes Halteverbot herrscht. „Die Feuerwehr würde hier nicht mehr durchkommen“, gibt ein Stadtpolizist zu bedenken.

Deshalb ist das Auto ein Fall für Boris und Marc Hildenbrandt. Die Brüder betreiben in Rüsselsheim einen Abschleppdienst. Ein paar Handgriffe und schon hängt der Opel am Kran, der ihn auf die Ladefläche des gelben Einsatzfahrzeugs bugsiert. Der Eigentümer muss sein Auto nun am Firmensitz des Abschleppunternehmens in der Stahlstraße 33 abholen. Der Abschleppvorgang an sich kostet ihn 231 Euro, wovon 66 Euro Verwaltungsgebühr sowie ein zwischen 15 und 35 Euro hohes Verwarngeld an die Stadt fließen.

Neue Einnahmequelle

Die Verantwortlichen dort haben das Abschleppen als Einnahmequelle entdeckt. Im vergangenen Jahr wurden in Rüsselsheim 554 Autos an den Haken genommen. Für das laufende Jahr liegt die Zahl bereits bei etwa 100. Vor der Gründung der Stadtpolizei 2015 waren es deren Leiter Andreas Lanzrath zufolge gerade einmal vier bis sechs pro Jahr.

Boris Hildenbrandt befestigt die Gurte am abgeschleppten Auto.

Mittlerweile sind dort zehn Mitarbeiter im Einsatz. Unterstützt werden sie von der Hilfspolizei und seit November von zwei Angestellten eines privaten Sicherheitsdienstes. Diese dürfen allerdings selbst kein Abschleppen veranlassen. „Wir haben uns dagegen entschieden, weil sie die Örtlichkeiten nicht so gut kennen“, erläutert Thomas Heß, Leiter des Thomas Fachbereichs Sicherheit und Ordnung. Gilt es, ein Auto abzuschleppen, müssen die Mitarbeiter des privaten Sicherheitsdienstes also erst ihre Kollegen von der Stadt hinzuziehen.

Doch auch für sie sind die Auflagen streng. Denn längst nicht jedes Auto, das falsch geparkt wurde, darf auch abgeschleppt werden. Rund um den Bahnhof stehen immer wieder Autos, die dort nicht hingehören, aber da es sich dort lediglich um eine verkehrsberuhigte Zone handelt, können die Ordnungshüter Heß zufolge dort zwar Strafzettel verteilen, abschleppen lassen dürften sie aber erst nach drei Stunden. „Das frustriert unsere Außendienstler sehr. Aber wir haben da keine rechtliche Handhabe“, sagt Heß.

Schnell abholen

Grundsätzlich abgeschleppt werden könnten dagegen Autos die – wie der silberne Opel am Löwenplatz – in einer Fußgängerzone stehen oder einen Behindertenparkplatz blockieren. Letzteres sei vor allem am GPR Klinikum ein Problem.

Und was tun, wenn das eigene einmal an den Haken kommt? Betroffene in Rüsselsheim sollten sich möglichst schnell auf den Weg zu den Hildenbrandt-Brüdern in die Stahlstraße machen. Denn jeder Tag, den das Auto dort steht, kostet gut zehn Euro, die zu den eigentlichen Abschleppkosten und dem Verwarngeld dazukommen. Wer genau dann wieder bei seinem Auto erscheint, wenn Hildebrandts schon angerückt sind, muss übrigens trotzdem zahlen. Entweder 166 und 181 Euro – je nachdem, ob die Brüder schon dabei waren, das Auto auf die Ladefläche ihres Abschleppers zu hieven.

Kommentar:

Hundertmal so viele abgeschleppte Autos innerhalb von drei Jahren. Das ist allerhand. Und es zeigt, dass sich die Gründung der Stadtpolizei im wahrsten Sinne der Worte bezahlt macht. Um das Ganze personell zu stemmen, wurde die Zahl der Mitarbeiter von drei auf mittlerweile zehn erhöht. Neben den alten Hilfspolizisten gibt es seit November vergangenen Jahres auch Unterstützung von zwei, bei einem privaten Sicherheitsdienst angestellten Kontrolleuren. Wünschenswert wäre, wenn die Stadt auch in anderen Bereichen so viel Manpower bereitstellen würde – zum Beispiel in der Kinderbetreuung. Allerdings lässt sich da eben nicht so viel Geld verdienen wie beim Abschleppen von Autos. Und bei allem Verständnis und aller Sympathie für die Offensive gegen Parksünder, drängt sich doch die Frage auf, warum damit nicht bereits früher begonnen wurde. Über Jahrzehnte, so scheint es, hat die Stadt hier ein großes Einnahmefeld nahezu ungenutzt gelassen.

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