Interview

?Familienväter plündern das Sparschwein?

Frau Lack, wie bewerten Sie den Plan der Gemeinde Bischofsheim, der Eröffnung einer weiteren Spielhalle im Ort zuzustimmen?

Frau Lack, wie bewerten Sie den Plan der Gemeinde Bischofsheim, der Eröffnung einer weiteren Spielhalle im Ort zuzustimmen?

HELGA LACK: Das Vorgehen wundert mich. Denn eigentlich gab es in Hessen erst eine Verschärfung des Glücksspielgesetzes. Der Zielsetzung, die Dichte an Spielhallen zu reduzieren, widerspricht man damit. Die Verfügbarkeit von Glücksspiel hat maßgeblichen Einfluss auf die Gefährdung, in eine Sucht zu geraten. Je mehr ich solche Glücksspielangebote zulasse desto größer wird auch die gesellschaftliche Akzeptanz. Die Automaten sind ja überall präsent. Aber Glücksspiel hat nichts mit Spiel zu tun, wie es etwa Kinder verstehen. Nicht zuletzt deswegen unterscheidet man beispielsweise in England auch zwischen to play und to gamble.

Können Sie verstehen, wenn man auf die Steuereinnahmen nicht verzichten will?

LACK: Das ist sehr kurzfristig gedacht. Man hat erst einmal mehr Einnahmen. Die Folgekosten werden aber nicht miteinberechnet. Wer zahlt anschließend die Krankenkosten, die Verdienstausfälle oder die Betreuung der Angehörigen? Studien haben gezeigt, dass 70 Prozent der Einnahmen durch Glücksspiel von 15 Prozent der Spieler produziert werden. Das Geschäft wird somit auf dem Rücken der Geschädigten ausgetragen.

Was erleben Sie in Ihrer täglichen Beratungsarbeit?

LACK: Es kommen Menschen zu mir, die im Schnitt mit 25 000 Euro verschuldet sind, bis hin zu 80 000 Euro: Betroffen sind alle Teile der Gesellschaft. Es gibt Familienväter, die das Sparschwein ihrer Kinder plündern oder der Ehefrau die EC-Karte klauen. Sehr oft kommen Depressionen und Angststörungen hinzu. Menschen stehen vor dem Nichts. Der Druck ist enorm. Die Selbstmordanfälligkeit ist viermal höher als bei Alkoholkranken.

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