Noch vor dem Lockdown hatte Lehrerin Mirjana Topic mit den Schülern die Bienen auf die Winterruhe vorbereitet. Nun wurden die Bienenstöcke zerstört. Wieder einmal. FOTO: privat
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Noch vor dem Lockdown hatte Lehrerin Mirjana Topic mit den Schülern die Bienen auf die Winterruhe vorbereitet. Nun wurden die Bienenstöcke zerstört. Wieder einmal.

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Fassungslosigkeit über Bienenstock-Zerstörung

  • vonDr. Daniela Hamann
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Zwei Mal haben Unbekannte jetzt schon an der IKS in dem Schulgarten gewütet. Die Frage drängt sich auf: Waren es Wiederholungstäter?

Rüsselsheim -Nach der mutwilligen Zerstörung der Bienenstöcke der Umwelt-AG an der Immanuel-Kant-Schule herrscht immer noch Fassungslosigkeit an der IKS. Es ist nach 2018 bereits das zweite Mal, dass Unbefugte über einen Zaun kletternd auf das Gelände der Schule gelangt waren und das Zuhause der dort lebenden Bienen zerstörten.

Biologielehrerin Mirjana Topic, die sich gemeinsam mit ihren Schülern um die Bienen kümmert, erinnert sich: "Vor zwei Jahren wurden alle Bienen bis auf eines von fünf Völkern getötet, ihr Lebensraum gewaltsam zerstört. Selbst dass dieser eine Stock überlebt hatte, grenzte an ein Wunder. Wir haben das verbleibende Volk mühsam aufgepäppelt und dann geteilt. Außerdem haben wir zwei weitere Völker dazu geholt, in der Hoffnung, dass es sich bei der Tat um eine einmalige Sache gehandelt hat." Doch die Hoffnung war umsonst.

Denn am Wochenende vor Fastnacht sind abermals Unbekannte in den Schulgarten eingedrungen. "Dort rissen sie die Bienen aus ihrer Winterruhe und beschädigten deren Kästen. Bei allen vier Bienenvölkern ist unklar, ob sie überleben werden. Die Randalierer gingen gezielt gegen das Leben Tausender Bienen vor. Sie entfernten die Deckel von den Zargen der Bienenkästen", so Topic traurig.

Brutalität gegen wehrlose Tiere

In einem Fall rissen sie auch die Zarge und den Unterboden auseinander sowie eine schützende Folie ab und stellten einen Eimer mit gefrorenem Wasser kopfüber auf das freiliegende Bienenvolk. Die Schlösser am Gartentor verklebten sie mit Sekundenkleber, so dass der Zugang zum Garten erschwert wurde und das Ausmaß des Vandalismus gar nicht sofort erkannt werden konnte. Bestandteile der Bienenkästen und weitere Gerätschaften warfen sie in den Teich.

Die Kant-Schule habe bereits Anzeige erstattet. Die Frage, ob es dieselben Täter gewesen sein könnten wie im Jahr 2018, sei ob der gezielten Vorgehensweise nicht komplett abwegig, gibt Mirjana Topic zu bedenken. Der Hausmeister habe die Bienenstöcke zerstört vorgefunden und versucht zu retten, was möglich war. "Ob überhaupt Tiere überlebt haben, werden wir erst sehen, wenn es länger warm bleibt. Das wird in den kommenden Wochen sein", sagt Mirjana Topic. Viele der Schüler, die Mitglied in der AG sind, seien noch im Distanzunterricht und wüssten gar nicht, was passiert ist. Den Schülern, die sie selbst unterrichte, habe sie von dem Vorfall berichtet. "Sie waren natürlich geschockt und konnten es nicht fassen", so die Biologielehrerin.

Von vielen Seiten seien Beileidsbekundungen und Hilfsangebote gekommen. Dennoch sei augenscheinlich einigen Menschen noch immer nicht klar, dass Bienen im Ökosystem eine wichtige Aufgabe haben. "Schauen wir nach China. Dort wird in vielen Teilen die Bestäubung der Fruchtbäume bereits von Hand vorgenommen, da es kaum noch Honigbienen gibt. Auch bei uns dezimiert sich ihre Population rasant."

Die Bienen seien wichtig für den Anbau der menschlichen Nahrung. Nahezu 80 Prozent aller Nutz- und Wildpflanzen würden von der Westlichen Honigbiene bestäubt. "Wenn es sie nicht mehr gibt, werden wir Menschen bald auch nicht mehr existieren", sagt Mirjana Topic eindringlich.

Höherer Zaun ist dringend nötig

Ganz dringend sei es nun notwendig, dass ein höherer Zaun am Garten installiert werde. Die Schule habe dies bei der Stadt bereits beantragt. Sollten Tiere überleben, werde sie sich mit ihrer AG natürlich um sie kümmern, erklärt Topic.

"Alles liegt aber daran, ob die Königin überlebt hat oder ob wir eine neue Königin heranziehen können", gibt die Biologielehrerin zu bedenken. Abermals weitere Bienenvölker dazu zu nehmen, könne sie jedoch nicht noch einmal verantworten. "Stellen Sie sich vor, das passiert ein drittes Mal", meint Mirjana Topic ernst. Zuerst müsse der Schulgarten besser gesichert sein. Erst dann könne man über einen solchen Schritt nachdenken. Von Daniela Hamann

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