Standort

Fast alle Flächen im Business-Park Blauer See sind verkauft

Im Gewerbegebiet Blauer See tut sich was: Neben neuen Baumaßnahmen soll eine Standortinitiative etabliert werden.

Nur ein Drittel der Fläche bebaut und ein finanzielles Problem: Hätten die Stadtverordneten am Bebauungsplan des Gewerbegebiets von 1993 festgehalten, wäre diese Vorstellung heute Wirklichkeit, da ist sich Oberbürgermeister Udo Bausch (parteilos) sicher. Zwar sähe es für Passanten auch heute oft so aus, als tue sich wenig am Königstädter Ortsrand. Tatsächlich seien 97 Prozent des Baulandes vermarktet, die Unternehmen siedelten sich nach und nach an.

„1993 hat man darauf gehofft, dass der Trend zu großen Büroflächen herüberschwappt“, erzählt Frank Kohmann, Fachbereichsleiter Umwelt und Planung. Unter anderem durch die Wirtschaftskrise sei der Plan gescheitert – zum Glück für die Stadt. Für Bürogebäude seien Tiefgaragen und Dachbegrünung obligatorisch und damit zusätzliche Kostenfaktoren gewesen.

Das Design- und Entwicklungszentrum des koreanischen Autobauers Hyundai konnte sich 2003 erfolgreich ansiedeln, kurz danach folgte der Reitsportfachhandel Loesdau. 2009 beschloss die Stadtverordnetenversammlung dann die Bauplanänderung. Die Flächen sollten besser vermarktbar und Bauen günstiger werden.

Die 7500 Quadratmeter Restfläche von insgesamt 270 000 Quadratmeter Bauland ist der letzte unverkaufte Grund. „Alle städtischen Flächen sind vermarktet“, so Kohmann. Die Bebauung selbst dauere freilich ihre Zeit. „Planung und Bautätigkeiten werden aber konkreter“, sagt Kohmann. Bis Ende des Jahres soll beispielsweise östlich der Horlache ein neues Forschungs- und Entwicklungszentrum der Hyundai-Tochter Wia entstehen.

Insgesamt sind auf dem internen Plan für das Gewerbegebiet derzeit rund 25 verschiedene Unternehmen vermerkt. Bausch sieht das als gutes Zeichen. „Als Königstädter Bürger habe ich die Entwicklung sehr interessiert miterlebt“, erzählt er. Es sei die richtige Entscheidung gewesen, sich gegen die Büroflächen zu entscheiden. Mittlerweile habe sich die Gewerbegebietplanung auch stark geändert. „Früher waren Wohnungen, Gewerbe und Einzelhandel klar getrennt. Heute vermischt sich das immer mehr“, so Bausch.

„Mitarbeiter wollen heute in der Mittagspause aus der Gewerbefläche raus, sich entspannen, netzwerken“, sagt der Oberbürgermeister. Viele Standorte, zum Beispiel auch in Frankfurt, hätten das aufgenommen; manche seien immer weiter Richtung Innenstadt gerückt. Der Blaue See biete jetzt „einen sehr interessanten Branchenmix“, fügt Kohmann im Gespräch mit dem Echo an. Vom Bekleidungshersteller über IT-Fachdienstleistungen bis hin zu Logistikunternehmen sei alles dabei.

Mit dem Rechenzentrum des Global Players e-shelter sei ein Top-Unternehmen zu den bereits vorhandenen dazugekommen. „Auch das Restaurant Freeway ist ein gutes Beispiel für die Veränderung in den Gewerbegebieten“, findet Bausch.

Die Vorlage für den Bau des neuen Edeka im Süden des Gebiets werde den Stadtverordneten vorgelegt. Ein „gewisses kulturelles Leben“ im Blauen See zu etablieren, das die Verweildauer dort erhöht, ist sein Anliegen.

„Ich habe mir auf die Agenda geschrieben, eine Standortinitiative zu gründen“, sagt Bausch. Er denke zum Beispiel an die Optimierung weicher Standortfaktoren. „Die Mitarbeiter dort wissen, was noch fehlt.“ Als Stadt müsse man diese Entwicklungen aktiv begleiten.

Auch Martin Schipper, Bereichsleiter Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung, sieht Fortschritte im Gewerbegebiet: „Es gibt positive Effekte“, sagt er in Bezug auf die finanziellen Auswirkungen der Gewerbeansiedlungen. „Standorterweiterung, Standortsicherung und Investition in die Zukunft sind uns wichtig“, so Schipper.

Forschung und Entwicklung seien Kernthemen der angesiedelten Unternehmen. Letztlich schafften die Unternehmen auch zahlreiche Arbeitsplätze in Rüsselsheim. Die Ansiedlung der Arbeitskräfte in der Opelstadt könne sich wiederum auf die Einkommenssteuer auswirken.

Neben dem, was in die Kasse komme, seien auch die Folgeentwicklungen durch den Gewerbestandort zu beachten. Auch der Oberbürgermeister zeigt sich zuversichtlich, was die Einnahmen durch das Gewerbegebiet angeht. Ob durch Unternehmen mit anderem Konzernstandort, wie beispielsweise das Druckzentrum oder Hyundai, überhaupt Steuern in die Rüsselsheimer Kasse fließen, blieb unbeantwortet. Konkrete Zahlen könne er nicht nennen, aber „es lohnt sich“, sagt Bausch nachdrücklich.

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