+
Ein Borkenkäfer kriecht über eine Fichte.

Forst

Fast jede zweite ältere Kiefer in der Region ist tot

  • schließen

Dem Wald in der Region geht es schlecht. Zu trocken und windig waren die Bedingungen für Bäume im vergangenen Jahr. Deshalb sollen vermehrt Arten aus dem Süden angepflanzt werden, die damit besser zurechtkommen.

Dürre, Stürme und Käferbefall sind die Dinge, die den Bäumen in der Region zu schaffen machen. Das ist am Freitag im Bauschheimer Bürgerhaus deutlich geworden, wo die Forstbetriebsgemeinschaft Rhein-Main (FBG) ein Jahr nach ihrer Gründung Bilanz gezogen hat. Diese bewirtschaftet in Rüsselsheim, Raunheim, Groß-Gerau und Büttelborn etwa 2000 Hektar Kommunal- und Privatwald. 790 Hektar entfallen davon auf Rüsselsheim.

Unter der „extremen“ Trockenheit in den vergangenen Monaten hätten besonders ältere Kiefern gelitten. „Es sind erhebliche Ausfälle, teilweise bis zu 40 Prozent, zu verzeichnen“, informiert der FBG-Vorsitzende und Büttelborner Bürgermeister Andreas Rotzinger (CDU). Sein Stellvertreter Reinhard Ebert spricht etwa von einer verheerenden Situation im Rüsselsheimer Ostpark. Eichen hätten die Dürre etwas besser überstanden, da diese in der Lage seien, ihr Laub frühzeitig abzuwerfen.

Zwischen 550 und 600 Millimeter Regen benötigen die Wälder der FBG pro Quadratmeter und Jahr. In den vergangenen 18 Jahren seien diese Werte jedoch nur sechsmal erreicht worden.

In diesem Jahr werde mit weniger als 300 Millimetern Niederschlag vermutlich ein Tiefpunkt erreicht. Derart geschwächte Bäume könnten irgendwann kein Harz mehr produzieren und seien anfällig dafür, von Borkenkäfern befallen zu werden. Zahlreiche Bäume seien davon bereits betroffen, im Frühjahr würden weitere durch Käfer verursachte Schäden erwartet.

Die anhaltende Trockenheit sieht die FBG als Folge des Klimawandels, die die Waldbesitzer hautnah zu spüren bekämen. Als Reaktion auf den Klimawandel seien schon vor zehn Jahren Versuche unternommen worden, südländische Eichenarten anzubauen, die widerstandsfähiger gegen die Trockenheit sind. „Die Versuche laufen gut“, berichtetet Rotzinger. Deshalb werde nun auch noch mit weiteren Baumarten wie zum Beispiel Baumhasel und Esskastanie experimentiert.

Bei Stürmen seien derart viele Bäume zu Fall gekommen, dass momentan zwischen 5000 und 6000 Festmeter Holz auf den Waldböden lägen. Das Überangebot habe dazu geführt, dass der Festmeter-Preis für Fichte seit Jahresbeginn von rund 92 Euro auf ungefähr 55 Euro gesunken sei. Damit liege der Marktwert von Fichte inzwischen unter dem von Kiefer. „Das ist eine verkehrte Welt“, kommentierte Frank Zabel, Geschäftsführer bei Forstservice-Taunus die Entwicklung. Die Tatsache, dass das Holz bis zum Verkauf teilweise lange auf dem Boden liege, begünstige den Borkenkäfer-Befall, was sich wiederum negativ auf den Preis auswirke. Gestiegen sei dagegen der Preis von Laubholz, was etwa bei Eichen mit einem „langfristigen Trend“ zusammenhänge.

Für die nächsten Monate seien die Aufarbeitung der sogenannten Windwürfe und die Entnahme der durch die Trockenheit bereits abgestorbenen Bäume vorgesehen. „Dort, wo notwendig, wird wieder aufgeforstet“, kündigte FBG-Chef Rotzinger an. Zudem werde der Verjüngung der Natur mehr Raum gegeben. So sollen die neuen Waldflächen durch Vielfalt und stärkere Resistenz gegen Trockenheit gekennzeichnet sein.

Der Forstservice-Taunus bewirtschaftet und vermarktet das Holz für die FBG. Diese hatte sich vor einem Jahr gegründet, weil den Kommunen die Zusammenarbeit mit Hessen-Forst zu teuer geworden war. Kartellrechtliche Bedenken spielten ebenfalls eine Rolle, die die Kommunen gegenüber den Landesbetrieb aufgrund dessen marktbeherrschender Stellung hegten. Darüber hinaus sei die Kommunikation mit Hessen-Forst schwierig gewesen. Bei gemeinsamen Projekten sei seine Gemeinde erst spät „mit ins Boot geholt“ worden, teilweise sogar „vor vollendete Tatsachen gestellt“ worden.

Bei Hessenforst war am Freitag niemand für eine Stellungnahme zu Rotzingers Vorwürfen erreichbar.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare