Sie wollen alles dafür tun, dass trotz Corona Kerwe-Stimmung aufkommt: Wolfgang Jung, Jonas Baldewein, Horst Guthmann und Reinhold Schaub (von links). Foto: Maraike Stich
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Sie wollen alles dafür tun, dass trotz Corona Kerwe-Stimmung aufkommt: Wolfgang Jung, Jonas Baldewein, Horst Guthmann und Reinhold Schaub (von links). Foto: Maraike Stich

Tradition

So feiert Bauschheim in Zeiten von Corona die Kerb

Eine Foto-Ausstellung, ein Kerwe-Spruch und ein Baum auf Rollen gehören dazu.

Bauschheim-"Wir lassen uns nicht unterkriegen, auch wenn wir nicht so wie sonst feiern können", sagt Horst Guthmann, verantwortlich für die Sparte Brauchtum beim Verein "Für Bauschheim". Vor einigen Wochen habe man sich zusammengesetzt, und schnell sei klar geworden, "in der ursprünglichen Form geht es nicht". Den Verantwortlichen für das Rahmenprogramm zur Kerb sei wichtig gewesen, alles im Einklang mit den derzeitigen Vorgaben zum Infektionsschutz zu planen. "Seit ein paar hundert Jahren wird in Bauschheim am vierten Wochenende im September Kerb gefeiert", sagt Guthmann, und das soll nun auch in diesem Jahr so sein.

Ein legendärer Jahrgang

Eine ganz wichtige Aufgabe bei der Ausgestaltung des Alternativprogramms spielt Reinhold Schaub. Hauptattraktion soll in diesem Jahr nämlich eine Bilderausstellung sein, mit Bildern aus fast einem Jahrhundert Kerb im Rüsselsheimer Ortsteil. Und der Herr der Bilder, quasi der Archivar der Kerb, ist Schaub. Jeder Bauschheimer kenne ihn. Wann immer er einen Vortrag über Bauschheims Vergangenheit halten wolle, gehe er zu Reinhold Schaub, sagt Guthmann. Die Bilder sollen - zusammen mit erklärenden Texten - am Samstag, 26. September, von 14 bis 18 Uhr und am Sonntag 27. September, von 11 bis 18 Uhr im großen Saal des Bürgerhauses gezeigt werden. "Zwei von uns werden auch immer anwesend sein, um Fragen zu beantworten", versichert Guthmann.

Guthmann selbst feiert in diesem Jahr sein 50. Kerweborsch-Jubiläum. "Das war ein legendärer Jahrgang", kommentiert Wolfgang Jung vom Verein "Für Bauschheim". Auch Ortsvorsteher Werner Stahl (CDU) sei damals dabei gewesen. 50 Jahre später heißt der Kerwevadder Jonas Baldewein. Ein wenig traurig seien er und seine Kerweborsch und -mädcher schon, aber er sei sicher, dass man ein schönes Programm zusammengestellt habe. "Du wirst auf jeden Fall in die Geschichte eingehen, als Kerwevadder zur Corona-Zeit", tröstet ihn Schaub.

Den Umzug so wie man ihn kennt, werde es zwar nicht geben, berichtet Baldewein, dennoch werde man den Kerwespruch drucken und verteilen. Der sei schließlich eine Institution und so etwas wie die inoffizielle Ortschronik.

Zum Verteilen des Heftchens mit den lustigen Reimen wollen die Keweborsch und -mädcher in vollem Ornat durch den Ort ziehen, zusammen mit einem mobilen Kerwebaum. Der werde auf einem Hubwagen befestigt und so auch transportiert.

Kiefern nicht mehr fällen

In Sachen Kerwebaum soll eine neue Tradition ins Leben gerufen werden, verrät Jung. Statt jedes Jahr zur Kerb einen Baum zu fällen, wolle man in Zukunft einen Baum pflanzen. "So wollen wir der Tatsache Rechnung tragen, dass unser Bauschheimer Wald stark geschädigt ist", sagt er. Gerade die Kiefern, die immer als Kerwebaum genutzt worden seien, seien dabei, komplett zu verschwinden. Schon in diesem Jahr soll es losgehen. Zum Auftakt will Guthmanns Kerweborsch-Jubiläums-Jahrgang in einem der Beete in der Brunnenstraße in feierlichem Rahmen einen Amberbaum pflanzen.

Auch der traditionelle Kerwe-Gottesdienst soll dieses Jahr nicht fehlen. Pfarrerin Ellen Schneider-Oelkers sei schon in die Planung einbezogen. "Wir machen einfach das Beste daraus", sagt Guthmann und die anderen nicken zustimmend.

Unklar sei derzeit noch, ob auf dem Festplatz etwas stattfinden werde. Für die Buden und Fahrgeschäfte dort sei die Stadt zuständig. "Das ist noch in der Diskussion", sagt Jung. Maraike Stich

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