Bürgermeister Manfred Ockel und das Rokokoensemble Kelsterbach haben Oberbürgermeister Peter Feldmann (Mitte) zusammen mit Hartmut Blaum, dem Vorsitzenden des Volksbildungswerks, eingekesselt (v.l.).
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Bürgermeister Manfred Ockel und das Rokokoensemble Kelsterbach haben Oberbürgermeister Peter Feldmann (Mitte) zusammen mit Hartmut Blaum, dem Vorsitzenden des Volksbildungswerks, eingekesselt (v.l.).

Tradition

Feldmann charmiert beim Andreasgelage

Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) kommt zum zweiten Mal zum Andreasgelage nach Kelsterbach, muss zuvor aber die Schelte des Kutschers aushalten.

Von BEN KILB

Die Pferde werden unruhig, und Kutscher Alfred Rosskothen dreht sich um. „Wenn Euer Oberbürgermeister auch bei seiner Arbeit so pünktlich ist, dann wird’s heiß. Und das sag ich ihm auch, wenn er kommt“, schimpft er, während er die Zügel in den Händen hält.

Mit etwa einer halben Stunde Verspätung trifft Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann schließlich am Eisernen Steg in Frankfurts Nachbargemeinde ein – und der Kutscher handelt wie angekündigt: „Ihre Vorgängerin Petra Roth war stets pünktlich, wollt’ ich Ihnen nur mal sagen“. Der OB reagiert gelassen und der Kutscher setzt seine zwei Mecklenburger in Bewegung.

Die Stadt Kelsterbach und das Volksbildungswerk haben den Frankfurter OB zum zweiten Mal zum Andreasgelage eingeladen. Das Fest geht auf das Mittelalter zurück. Einmal im Jahr kamen die Frankfurter Stadtoberen und Förster seinerzeit nach Kelsterbach, um den vereinbarten Weidezins von den Nachbarn einzutreiben.

Veranstaltung mit Tradition

Seit 1966 lässt das Volksbildungswerk die alte Tradition wieder aufleben: Einmal im Jahr kommt seitdem eine Frankfurter Delegation nach Kelsterbach, um die sogenannten Andreassprüche auszutauschen. Angeführt wird diese stets von einem Vertreter des Frankfurter Magistrats.

„Eines muss ich Ihnen aber sagen“, entgegnet Oberbürgermeister Peter Feldmann schließlich doch noch auf den Vorwurf des Kutschers. „Petra Roth ist in ihrer Amtszeit nie zum Andreasgelage gekommen.“ Feldmann nimmt indes schon zum zweiten Mal in der Kutsche Platz. Diesmal teilt er sich das Gefährt mit dem Schwanheimer Revierförster Holger Scheel und Johannes Hölzel vom Frankfurter Stadtforst sowie Gerhard Nöll, Chef der gleichnamigen Griesheimer Kelterei.

Mit dem Pferdegespann geht es daraufhin am feuchtkalten Abend in Richtung Fritz-Treutel-Haus in Kelsterbach, wo ihn dessen Bürgermeister Manfred Ockel (SPD), Hunderte Kelsterbacher, auf Wunsch des OBs eine Delegation Schwanheimer Bürger und die Lämmerspieler Jagdhornbläser erwarten.

Während Harald Michalski vom Volksbildungswerk den Frankfurter Oberbürgermeister über die Historie einiger Kelsterbacher Gebäude und Orte aufklärt, wundert dieser sich darüber, wie er in Kelsterbach hofiert wird. Dann packt der OB die „schwarze Version“ der mittelalterlichen Andreasgelage aus, die etwas weniger romantisch klingt als die offizielle.

„Die Schwanheimer Förster sind damals in Kelsterbach eingefallen wie die GSG 9, habe ich mir sagen lassen. Die Männer mussten sich breitbeinig an die Wand stellen. Dann wurde ihnen die Steuer abgepresst“, flüstert Frankfurts Oberbürgermeister, gibt aber zu verstehen, dass er die unzensierte Version auch später vor Publikum auspackt.

Feldmann erzählt, wie die Frankfurter selbst in die Häuser der Kelsterbacher eindrangen und dort sogar Kopfkissen umdrehten, um mitzunehmen, was nicht niet- und nagelfest war.

Im Großen Saal des Fritz-Treutel-Hauses werden anschließend traditionell die Andreassprüche ausgetauscht und die langjährige Freundschaft zwischen der Untermainstadt und Frankfurt symbolisch erneuert. Dann packt Feldmann das Ende seiner „schwarzen Version“ aus, mit der er auch das herzliche Willkommen und eine Grundlage für das positive Miteinander beider Städte erklärt.

„Die Frankfurter Förster, sagt die Legende, hätten eine kleine Macke gehabt. Sie hätten ein Drittel der Steuereinnahmen wieder dem Kelsterbacher Einzelhandel zugeführt, zweitens der Kelsterbacher Frauenschaft und drittens den Wirtshäusern. Heute würde man sagen, dass ein dynamisches Investitionsprogramm ausgelöst wurde, das Kelsterbach auch zu dem gemacht hat, was man heute feiert“, erzählte Feldmann und erntet damit statt Buh-Rufen jede Menge Applaus. Die Delegation Schwanheimer, die Feldmann, wie er scherzhaft sagte, auch zu seinem Schutz mitgebracht hat, muss ihn nicht aus dem Saal eskortieren.

Kelsterbachs Bürgermeister widmet sich dennoch einigen ernsteren Themen des Abends, wie der Flüchtlingskrise oder regionalen wirtschaftlichen Herausforderungen, die beide Städte gemeinsam zu meistern hätten.

Schon im Mittelalter galt zum Andreasgelage die Devise „Es bleibt alles beim Alten“ zwischen Frankfurt und Kelsterbach. Das ändert sich auch zur 49. Neuausgabe der jahrhundertealten Tradition nicht.

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