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Feuerwehr: Bart dran oder ab?

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Mit Vollbart ein Atemschutzgerät tragen? Undenkbar, findet Nikolai Schubert, Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Rüsselsheim und überzeugter Bartträger auf Zeit.

Vollbart ist in – diesen Trend nicht zu bemerken, ist dieser Tage fast unmöglich. Während sich manche darüber streiten, ob der Bart den Mann entstellt oder verschönert, gibt es bei den hessischen Feuerwehrmännern ganz andere Gründe, warum die Mode in die Diskussion geraten ist.

Auslöser dafür war in jüngster Zeit Tanja Dittmar, Kreisbrandinspektorin aus Bad Hersfeld. Weil die Gesichtsbehaarung die Atemschutzmaske undicht werden lasse, rief Dittmar ihre hessischen Kollegen kürzlich allesamt zur Rasur auf. Zu Recht, findet auch Christopher Kämpfer aus dem Mannschaftsdienst der Freiwilligen Feuerwehr Rüsselsheim.

Glattrasiert und tauglich

„Man entscheidet sich ja, zur Feuerwehr zu gehen und Atemschutzgeräteträger zu sein“, sagt Kämpfer. „Dann sollte einem klar sein, dass man tauglich sein muss.“ Das stimme zwar, sagt auch Nikolai Schubert, Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr und Träger eines stattlichen Vollbarts. „Zur Atemschutztauglichkeit gehört aber auch eine körperliche und geistige Eignung.“

Schubert selbst trägt Bart, seit er 17 Jahre alt ist. Den Vollbart, den er selbst als Modeerscheinung sieht, hat er sich vor knapp fünf Jahren wachsen lassen. „Als ich noch kein Wehrführer war, habe ich natürlich darauf geachtet, dass der Bart nicht mit der Maske kollidiert“, sagt Schubert. In seiner jetzigen Position ist das Tragen der Schutzmaske eine Seltenheit. Wehrführer delegieren in der Regel die Einsätze und sichern die Einsatzbereitschaft der Kameraden.

Für Kämpfer hat die Entscheidung für den Vollbart allerdings etwas mit der Vorbildfunktion zu tun. „Wenn meine Führungskraft sich nicht rasiert, wieso sollte ich das dann tun?“, argumentiert Kämpfer.

„Keine Frage“, stimmt Schubert auch hier zu. „Die Vorbildfunktion ist wichtig.“ Problematisch sei sein Bart innerhalb der Mannschaft aber nie gewesen. „Ich selbst würde auch nie mit dem Bart eine Atemschutzmaske tragen“, sagt Schubert klar. Den ausgebildeten Maskenträgern, die regelmäßig im Einsatz sind, verbietet er den Vollbart auch ganz klar.

Den Rasierer stets dabei

„Ich bin verantwortlich dafür, dass dem Personal nichts geschieht“, so Schubert. Einen Unterschied sieht er auch darin, dass es hier um die Freiwillige Feuerwehr geht. „Bei der Berufsfeuerwehr ist die Einsatzhäufigkeit viel höher“, erklärt er. Da sei es nur sinnvoll, wenn sein Bart ab wäre.

Für den Fall der Fälle hat Schubert für sich und seine bärtigen Kollegen aber vorgesorgt: „Wir haben auf unserem Fahrzeug einen Langhaarschneider“, erzählt er. „Innerhalb einer Minute ist der Bart ab.“ Ob die Spontanrasur praktikabel ist? Christopher Kämpfer hat Bedenken, aber Schubert Vertrauen. „80 Prozent unserer Besetzung sind rasiert“, sagt der Wehführer. Bis er als Führungskraft tatsächlich mit Atemschutzmaske gebraucht würde, sei er mit Sicherheit einsatzbereit. „Die Minute hätte ich.“ Strom für den Anschluss sowie eine Spiegelfliese, die hinten ans Hygieneboard am Fahrzeug angebracht wird, sorgen für die perfekte Notrasur.

„Das Thema kocht immer wieder hoch, deshalb haben wir für uns die Lösung mit dem Langhaarschneider gefunden“, sagt Schubert. „Am Ende des Tages ist jeder selbst dafür verantwortlich, dass er sicher in den Einsatz geht.“ Sein Bart bleibt also dran – zumindest, solange es möglich ist. Sicherheit geht vor.

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