Puzzle für den Pachtzins

102 Flaschen Riesling Spätlese im historischen Weinberg übergeben

Erst musste Oberbürgermeister Patrick Burghardt eine knifflige Aufgabe lösen, dann konnte der jährliche Pachtzins der Winzerfreunde überreicht werden.

 Zinsen sind heutzutage so eine Sache – auf der Bank bekommt man eigentlich keine. Ganz anders sieht die Situation bei den Winzerfreunden aus. Hier wird nämlich eine jährlicher Pachtzins an die Stadt entrichtet und das auch noch in Form von Weinflaschen mit wohlschmeckendem Inhalt.

Rieslingweinbau ist in Rüsselsheim seit 1435 urkundlich belegt, die älteste Erwähnung dieser Rebsorte weltweit. Der 1985 gegründete und fest in Stadtleben verankerte Verein Winzerfreunde Rüsselsheim hat sich diesem Erbe verschrieben und bewirtschaftet mit viel Hingabe den historischen Weinberg an der Frankfurter Straße.

Seit 1982 kommt ein Rüsselsheimer Riesling aus dem 800 Quadratmeter großen Weinberg, dessen jährliche Vorstellung ein gesellschaftlicher Höhepunkt im Terminkalender nicht nur der Weinfreunde ist. Mit einem jährlich wechselnden Künstleretikett versehen, kommt der im Hochheimer Weingut Künstler angebaute Tropfen nicht auf den freien Markt, sondern wird nur an Mitglieder und Freunde des Vereins verkauft.

Doch die Stadt, der die Weinbergsfläche gehört, hat ein Wörtchen mitzureden: Laut eines 1988 von Stadt und Verein unterzeichneten Landpachtvertrags wurde geregelt, dass „jährlich 20 von Hundert des Weinertrags des Pachtgrundstückes in Natur“ geschuldet werden und zwar „in Flaschen gefüllt und etikettiert.“

Die Übergabezeremonie an den Oberbürgermeister wird jährlich im historischen Weinberg abgehalten, und „schweren Herzens“, wie der 1. Vorsitzende Albrecht Schmidt bemerkte, wurden die nach einem ausgeklügelten Verfahren errechneten 102 Flaschen 2015er Riesling Spätlese übergeben.

Ganz so einfach machen es die Winzerfreunde allerdings nicht: Eine kleine Hürde muss der Oberbürgermeister zuvor bewältigen, so musste Patrick Burghardt schon einmal singen, im Vorjahr Bälle in ein Gefäß werfen, und dieses Jahr sollte er seine Fertigkeiten beim Puzzlespiel zeigen. Die Stadt hatte den 1938 von Ludwig Spiegel erschaffenen Kurbelwellenmann neben dem Weinberg in diesem Jahr nach langer Vernachlässigung saniert, die Patenschaft für Brunnen übernahmen die Winzerfreunde.

Eine großformatige Fotomontage zeigte den Oberbürgermeister selbst auf dem Sockel des Denkmals als Kurbelwellenmann, natürlich mit einer Flasche Rüsselsheimer Riesling: der Rüsselsheimer Rieslingmann. Nun galt es, das 42-teilige Fotopuzzle zusammenzufügen, eine Aufgabe, die Patrick Burghardt, beflügelt von einem Schluck Wein, mit Geschick und durchaus flott bewältigte.

„Es ist lobenswert, dass die Winzerfreunde die Rüsselsheimer Weinkultur hochhalten, und die Übergabe ist immer wieder ein schöner Termin für mich. Außerdem ist es gut, dass wir elf Flaschen mehr als letztes Jahr erhalten haben, denn im nächsten Jahr werden wir viele Gäste zum Hessentag begrüßen können“, freute sich Burghardt. Die Caritas Rüsselsheim freute sich ebenfalls, denn ein symbolischer Scheck mit einer 500-Euro-Spende lag für sie bereit.

Die zahlreichen Zuschauer, darunter fünf Gründungsmitglieder des Vereins, labten sich derweil am guten Riesling und dem im nächsten Jahr in den Verkauf kommenden „Hessentags-Calvados“, einem Eau de Vie aus der Gegend um die Rüsselsheimer Partnerstadt Evreux.

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