Unterkünfte

Flüchtlinge: Gewobau ist in der Pflicht

Die Gewobau baut der „Stadt Rüsselsheim am Main“ nicht nur Gemeinschaftsunterkünfte für Asylbewerber, sie hilft auch bei der Unterbringung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge mit der Bereitstellung von bis zu drei Wohnungen im Haus Lenbachstraße 80 bis 84.

In der Bilanzpressekonferenz des städtischen Wohnungsunternehmens wies Aufsichtsratsvorsitzender und OB Patrick Burghardt (CDU) auf die rasant wachsende Zuweisung alleinstehender junger Flüchtlinge hin, die vom Jugendamt betreut werden müssten. Nach 16 im vergangenen Jahr seien der Stadt 2015 bereits 80 junge Menschen zugewiesen worden. Da landesweit alle Heime überfüllt seien, bereite die Bereitstellung von Plätzen zunehmend Probleme.

In dieser Notsituation sieht Geschäftsführer Torsten Regenstein das städtische Wohnungsunternehmen Gewobau in der Pflicht. In der Wohnanlage Lenbachstraße 80 bis 84, aus der die „alten“ Mieter wegen der ab nächstem Jahr anstehenden Großmodernisierung schon weitgehend ausgezogen sind, sollen für Unterbringung und fachliche Betreuung von etwa 20 jungen Flüchtlingen bis zu drei leerstehende Wohnungen bereitgestellt werden. Mit Sanierungsbeginn im kommenden Frühjahr müssten die Zimmer aber wieder geräumt werden.

Auch mit Blick auf die der Gewobau übertragenen städtischen Aufgabe, kurzfristig Gemeinschaftsunterkünfte für Flüchtlinge zu errichten, spricht der Oberbürgermeister von einer Mammutaufgabe, die darüber hinaus mit Investitionen in Großmodernisierungsarbeiten und Neubauten insbesondere auf die Stärkung des Wohnstandortes Rüsselsheim ziele.

Als Beispiele für die seit Jahren praktizierte hohe Qualitätsstufe nannte Burghardt die großzügig aufgewertete Seniorenwohnanlage Faulbruchstraße, das Königstädter Quartier „Wohnen in der Fuchstanne“, wo in diesem Jahr der vierte und letzte Bauabschnitt beendet wird, aber auch die nachhaltig sanierten Mehrfamilienwohnhäuser Brandenburger Straße 2–4, Pommernstraße 1–11, Hessenring 5–9 sowie das nun vor dem Abschluss stehende nächste Gebäudeareal im Dicken Busch I.

Nach 15 Millionen Euro im Vorjahr investiert die Gewobau in diesem Jahr 18 Millionen in die Bestandspflege. Umgerechnet entspricht das einem Aufwand von 43,26 Euro pro Quadratmeter – fast doppelt so viel wie im Bundesdurchschnitt (24,87 Euro). Mit Modernisierung und zunehmend auch wieder Wohnungsneubau trage das kommunale Unternehmen entscheidend zur Stärkung des Wohnungsstandortes Rüsselsheim am Main bei, lobte der OB. Er sagte: „Die Stadt erfreut sich deshalb einer starken Nachfrage nach Wohnungen und Immobilien.“

Um Rüsselsheim auch nachhaltig als attraktiven Wohnstandort im Rhein-Main-Gebiet zu präsentieren, gehe es dem Aufsichtsrat nach Burghardts Worten nicht darum, Gewinne per se zu generieren, sondern viel mehr darum, die günstige Zinssituation zu nutzen. Deshalb habe man beschlossen, den 2014 erwirtschafteten Überschuss von rund 2,5 Millionen Euro wieder in den Wohnungsbau zu stecken.

Mit der Aufstockung der Bauerneuerungs- und Gewinnrücklage um 2,35 Millionen auf 57,5 Millionen Euro scheint die Gewobau trotz eines wachsenden Schuldenstandes auf rund 220 Millionen Euro (ohne Flüchtlingsbauten) gut gewappnet.

Personell gilt das nur bedingt. Das etwa 100-köpfige Team arbeitet „am Anschlag“, sagt Regenstein. Das hat auch mit der drängenden Aufgabe zu tun, Gemeinschaftsunterkünfte für Flüchtlinge aus dem Boden zu stampfen. Im Gespräch sind bereits zehn Projekte und ein finanzieller Aufwand von 25 Millionen Euro.

Die Asyl-Gebäude werden in Modulbauweise errichtet und von der Gewobau über Darlehen finanziert. Die Stadt zahlt Miete an den Eigenbetrieb und bekommt aus Landesfinanzen das Geld über den Kreis erstattet. Nach 15 Jahren, so Regenstein, sind die Kredite getilgt. Dann gehen die Häuser über in das Eigentum der Stadt über, welche die weitere Nutzung entscheidet. Bauweise und Ausstattung entsprechen Sozialwohnungsstandard. Das Umfeld und die inzwischen bezogene Flüchtlingsunterkunft in Bauschheim haben OB Burghardt so beeindruckt, dass er bekennt, „ich würde da einziehen“.

Wie im Dicken Busch bekannt wurde, wächst mit dem Schlagwort „Zwangseinweisung“ unter älteren Menschen die Sorge, die seit dem Tod des Partners allein bewohnte Drei-Zimmer-Wohnung irgendwann für Flüchtlinge räumen zu müssen. Solche Gerüchte weist Regenstein entschieden zurück. Er verspricht: „Bestehende Mietverhältnisse werden nicht angetastet.“ An den Haaren herbeigezogen sei auch das Gerücht, frei werdende Sozialwohnungen würden bevorzugt an Flüchtlinge vergeben. ber

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