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Der Kreis Groß-Gerau ist vom Fluglärm stark betroffen. Nun soll in der Verwaltung eine Stelle für einen Fachmann eingerichtet werden, der sich ausschließlich mit dem Flughafen auseinandersetzt.

Bürgerinitiative

Fluglärm-Gegner demonstrieren auch Weihnachten

Die BI „Lebenswertes Nauheim“ ruft zur Montagsdemo sogar am ersten Weihnachtsfeiertag auf. Ansonsten hielt sich die BI 2017 zurück. Nächs- tes Jahr geht’s vor den Kadi

Der Protest gegen die Südumfliegung ist in diesem Sommer in Nauheim ruhig geblieben. Veranstaltungen, Kundgebungen, Bürgerinfos? Die BI beriet intern, was unternommen werden kann. 2018 könnte sich das ändern, zumal neue Entscheidungen erwartet werden.

Der harte Kern der Montagsprotestler macht unverdrossen weiter. „Lebenswertes Nauheim“ veröffentlicht die Termine der Demos am Frankfurter Flughafen, die stets um 18 Uhr beginnen. Kommendes Jahr könnte wieder mehr Bewegung in den Protest kommen, glaubt man einer aktuellen Mitteilung aus dem Rathaus.

Der seit 15 Jahren für Nauheim, Trebur und andere Kommunen tätige Anwalt Bernhard Schmitz geht davon aus, dass im ersten Quartal 2018 ein Erörterungstermin beim Verwaltungsgerichtshof in Kassel angesetzt wird. Auf diesen Termin warten die Nauheimer und die mit der Gemeinde verbundenen Mitkläger gegen die Südumfliegung schon länger. Eine für April 2017 terminierte Erörterung wurde ebenso abgeblasen wie eine mündliche Verhandlung.

Noch 2013 hatte der hessische Verwaltungsgerichtshof den Klägern recht gegeben: Die Südumfliegung sei nicht rechtmäßig, hieß es damals. Eine Revision war nicht zugelassen. Dem Urteil wurde allerdings vom Bundesverwaltungsgericht 2015 widersprochen, ohne die Sache zu beurteilen. Nun sind die Richter in Kassel wieder am Zug.

Schmitz fühlt sich mit einem Sachverständigengutachten gut vorbereitet. Der Anwalt bedient sich in fachlichen Angelegenheiten unter anderem auf Auskünfte von Karl-Ernst Pallas, einem ehemaligen Fluglotsen. Dieser sei der Auffassung, dass es zur umstrittenen Südumfliegung durchaus Alternativen gäbe. Flugsicherung und Bundesamt für Flugsicherheit argumentieren indes, Überflüge über Nauheim könnten nicht vermieden werden, weil Sicherheitsabstände zur Startbahn 18-West vorgeschrieben seien und eingehalten werden müssten.

Pallas hält dies nicht stichhaltig. Der Ex-Fluglotse sagt, dass ein unabhängiger Betrieb der Startbahn 18-West und der Starts vom alten Parallelbahnsystem ohnehin nicht möglich sei. Deshalb habe sich die von Fraport und der Landesregierung prognostizierte Entwicklung der Flugbewegungen als überzogen erwiesen. Pallas und Schmitz schlagen eine weiter östlich verlaufende Abflugroute zwischen Nauheim und Groß-Gerau vor.

Außerdem müsse die Lufthansa noch dazu gebracht werden, ihr Flachstartverfahren zugunsten steilerer Abflüge zu verändern. Aktuelle Proteste drehen sich auch um Ryanair. Die zweite Nauheimer Bürgerinitiative „Lebenswerte Zukunft“ verweist auf entsprechende Berichte. Die irische Fluglinie missachte das Nachtflugverbot und begründe dies mit europaweiten Verspätungen.

30 Prozent der Flüge von Ryanair seien September und Oktober nach der erlaubten Zeit eingetroffen, was 42 Prozent der Verspätungen am Flughafen ausmache. Das hessische Verkehrsministerium habe sich der Sache angenommen und fordere die Fluggesellschaft zur Rechenschaft auf.

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