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Ein Flugzeug setzt über einem Wohnhaus in Flörsheim zum Landeanflug auf den Frankfurter Flughafen an.

Fluglärmkommission

Fluglärm: „Stunde Null wird es nicht geben“

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Nauheims Bürgermeister ist zum stellvertretenden Vorsitzenden der Fluglärmkommission gewählt worden. Beim Bündnis der Bürgerinitiativen ist man vor allem froh, dass sein Vorgänger weg ist.

Seinen Platz auf dem Chefsessel im Rüsselsheimer Rathaus hat Udo Bausch (unabhängig) schnell eingenommen. Der Posten von Patrick Burghardt (CDU) als stellvertretender Vorsitzender der Fluglärmkommission blieb dagegen zunächst vakant. Bis vergangene Woche. Da wählte die Kommission Jan Fischer, Nauheimer Bürgermeister und wie Burghardt Christdemokrat, zum Stellvertreter von Raunheims Rathauschef Thomas Jühe (SPD). Seit seinem Amtsantritt als Bürgermeister vor sieben Jahren gehört er dem Gremium an, im Vorstand ist er seit fünf Jahren. Als Kommissionsvize will Fischer sich nicht nur für Nauheim, sondern für alle in der Kommission vertretenen Städte und Gemeinden noch stärker als zuvor einsetzen.

Fischers Hauptaugenmerk liegt auf der Verlagerung der Routen, die die Flieger beim Landeanflug auf den Frankfurter Flughafen nehmen. „Warum müssen wir Flugrouten akzeptieren, die geeignet sind am Ende 700 000 Flugbewegungen zu ermöglichen, wenn wir heute über eine viel geringere Zahl reden?“, gibt er zu bedenken. Das Ziel müsse sein, beim Fliegen möglichst viel Lärm zu vermeiden.

Vor dem persönlichen Engagement der Flughafen-Gegner, die jeden Montag demonstrieren oder im Wald ausharren, der für das geplante Terminal 3 herhalten soll, hat Fischer laut eigener Aussage höchsten Respekt. „Das ist wichtig, damit nicht so getan wird, als ob das Thema keines mehr ist“, sagt er. Dass es in der Nauheimer Bevölkerung mit Blick auf den Flughafen nie zu Protesten in der Größenordnung beispielsweise von Raunheim und Flörsheim kam, sei historisch bedingt. „Wir hatten hier nie diese konstante Dauerbeschallung“, äußert er sich. Erst nach der Jahrtausendwende habe Nauheim zu den Verlierern des Flughafenausbaus gezählt. Trotzdem gebe es auch in der Musikgemeinde Wohngebiete, in denen der Fluglärm ein „Ätz-Thema“ sei. „Im Teich gibt es einen Lautstärkepegel, der einfach störend ist“, nennt Fischer ein Beispiel.

Letztlich sei die FLK permanent gefordert, beim Lärmschutz die Verbesserungen durchzusetzen, die möglich sind. Er betont aber auch: „Eine Stunde Null wird es nicht geben.“

Indes reagiert das Bündnis der Bürgerinitiativen gegen den Fluglärm verhalten auf die Wahl Fischers zum Kommissionsvize. „Es wäre uns lieber, wenn es jemand wäre, der uns bei der Umsetzung unserer Ziele mehr unterstützt“, sagt Sprecher Dietrich Elsner. Froh zeigt sich Elsner über das Ausscheiden von Rüsselsheims ehemaligen Oberbürgermeister Patrick Burghardt aus der Kommission. „Mit dem bin ich nicht warm geworden“, blickt Elsner zurück. Bei Burghardt sei nie ganz klar gewesen, ob er die Interessen der Menschen oder des Flughafens vertritt.

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